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Ginkgo: Warum er der perfekte Gartenbaum ist

Nahezu unverwüstlich  

Ginkgo: Warum er der perfekte Gartenbaum ist

31.07.2020, 10:37 Uhr | Dorothée Waechter, dpa-tmn, t-online.de, ron

Ginkgo: Warum er der perfekte Gartenbaum ist. Ginkgobaum (Ginkgo biloba): Johann Wolfgang von Goethe schwärmte von der Form der Ginkgoblätter. (Quelle: dpa/tmn/Dorothée Waechter)

Ginkgobaum (Ginkgo biloba): Johann Wolfgang von Goethe schwärmte von der Form der Ginkgoblätter. (Quelle: Dorothée Waechter/dpa/tmn)

Im Jahr 2000 wurde er zum Baum des Jahrtausends gewählt: der Ginkgobaum. Allerdings ist er bei vielen, wegen des Geruchs seiner Früchte, im Garten nicht gern gesehen. Dabei ist er dafür mehr als geeignet: Er ist robust und langsam wächst er auch. 

Der Ginkgobaum (Ginkgo biloba), auch kurz Ginkgo oder Fächerblattbaum genannt, ist etwas Besonderes. Das fand schon Johann Wolfgang von Goethe. Er beschrieb in seinem Gedicht "Ginkgo biloba" für seine Liebe Marianne von Willemer das Blatt des Baumes – es hat hohen Wiedererkennungswert. Es ist in der Mitte mal mehr, mal weniger stark eingekerbt, was sogar wie zwei Blätter mit Verbindung wirken kann.

Sinnbild für Freundschaft und Liebe

Goethe schrieb: "Ist es ein lebendig Wesen, das sich in sich selbst getrennt? Sind es zwei, die sich erlesen, dass man sie als eines kennt?" War das Blatt für Goethe Sinnbild für Freundschaft und Liebe, ordnet man dem aus Asien stammenden Gehölz auch symbolische Bedeutungen wie Kraft und Wunder zu. 

"Dieses Gehölz zählt zu den ältesten Arten auf der Welt", erklärt Prof. Andreas Roloff, Direktor des Forstbotanischen Gartens Tharandt (Sachsen). Die Wissenschaft geht davon aus, dass er seit 200 Millionen Jahren vollkommen unverändert auf der Erde wächst. "Er scheint optimal ausgestattet zu sein, um so lange mit Veränderungen immer wieder zurechtzukommen", so Roloff, der auch Direktor des Instituts für Forstbotanik und Forstzoologie an der Technischen Universität (TU) Dresden ist.

Weder Nadelbaum noch Laubbaum

Ein Beweis für seine Robustheit: Ein Ginkgobaum in Hiroshima brannte zwar durch die Explosion der Atombombe 1945, aber er trieb wieder aus. Der Ginkgo erweise sich als ein guter Stadt- und Straßenbaum, der Verunreinigungen und Autoverkehr gut wegstecken kann, erklärt Klaus Körber, Bereichsleiter für Technik und Unternehmensentwicklung im Institut für Erwerbs-und Freizeitgartenbau (IEF).

Ginkgobaum (Ginkgo biloba): Im Herbst verfärben sich die Blätter goldgelb. (Quelle: imago images/blickwinkel)Ginkgobaum (Ginkgo biloba): Im Herbst verfärben sich die Blätter goldgelb. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Zu den Besonderheiten des Ginkgobaumes zählt auch seine Stellung unter den Gehölzen: Er ist weder Nadelbaum noch Laubbaum. Zwar trägt er Laub, das im Herbst fällt, aber ist auch ein Nacktsamer, der in der Regel zu den Nadelgehölzen zählt. Ihre Bestäubung übernimmt der Wind. Die vermeintlichen Früchte des Ginkgos sind Samen mit fleischiger Hülle, die in Form und Farbe an Mirabellen erinnern.

Langsames Wachstum, unangenehmer Geruch

Ein Nachteil für den Garten – und zugleich auch ein Vorteil auf kleinen Grundstücken – ist das langsame Wachstum. "Es braucht sehr lange, bis er einen richtigen Baum entwickelt", sagt Körber. Aber der Wuchs ist sparrig: Der Ginkgo entwickelt in den ersten Jahren vor allem die vertikale Hauptachse mit nur einigen Seitentrieben, die erst später dichter werden.

Ginkgobaum (Ginkgo biloba): Die weiblichen Bäume bilden im Herbst mirabellenähnliche, stinkende Früchte aus. (Quelle: imago images/blickwinkel)Ginkgobaum (Ginkgo biloba): Die weiblichen Bäume bilden im Herbst mirabellenähnliche, stinkende Früchte aus. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Gewöhnungsbedürftig ist eine andere Eigenheit des Ginkgo: "Der Geruch der fleischigen Samenhülle ist eine Katastrophe", gibt Körber zu bedenken. Wenn im Herbst über mehrere Wochen die reifen Früchte auf den Boden fallen und die fleischigen Hüllen verrotten, werden Buttersäure und Kapronsäure freigesetzt. Diese verbreiten dann einen unangenehmen Geruch.

Vielfältige Blätter und Wuchsformen

Aber: Der unangenehme Geruch sollte kein Ausschlusskriterium sein, weil er sich mit einem einfachen Trick verhindern lässt. Denn den Gestank verursachen nur die weiblichen Bäume beziehungsweise deren Früchte. Männliche Pflanzen entwickeln keine Früchte. Wichtig ist daher für Gärtner, dass sie keine Sämlinge kaufen, bei denen das Geschlecht im Jugendstadium noch nicht zu erkennen ist, sondern einen Steckling aus vermehrten oder veredelten Bäumen, der garantiert männliche Blüten trägt.

Ginkgobaum (Ginkgo biloba): Die Blätter von jungen Bäumen sind anders geformt als die von alten Bäumen. (Quelle: imago images/blickwinkel)Ginkgobaum (Ginkgo biloba): Die Blätter von jungen Bäumen sind anders geformt als die von alten Bäumen. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Es gibt eine ganze Reihe von Sorten, die sich durch Wuchsunterschiede und auffällige Blattformen und -farben auszeichnen. Als relativ schlank wachsende, männliche Sorte empfiehlt Körber 'Princeton Sentry'. Beliebt sind aber auch kleinbleibende, auf einem Hochstamm veredelte Sorten wie 'Mariken'. Diese Sorte wächst von Natur aus fast kugelig und kompakt. So bleibt dieser Baum recht klein und ist für den Hausgarten mit wenig Platz zu empfehlen.

Ginkgobaum im Garten pflanzen

Wenn Sie in Ihrem Garten einen Ginkgo pflanzen, sollten Sie einen sonnigen bis halbschattigen Standort wählen. Junge Ginkgo-Pflanzen, die Sie als ein- oder zweijährige Sprösslinge in Gärtnereien kaufen können, mögen allerdings keine pralle Sonne. Diese können für die ersten zwei bis fünf Jahre in einem Kübel kultiviert werden: halbschattig und windgeschützt. Später können Sie den Ginkgo dann an einen dauerhaften Standort im Garten pflanzen.

Pflege: Gießen, Düngen, Schneiden

Der Ginkgo gilt als anspruchslose Pflanze, die sich ihrer Umwelt anpasst. Etwas mehr Pflege benötigt sie allenfalls in jungen Jahren: Dazu zählen eine regelmäßige Bewässerung und Düngung. Auch ein Rückschnitt ist nicht zwingend notwendig. Wenn Sie Ihren Ginkgo dennoch stutzen möchten, ist ein Formschnitt im Frühjahr ausreichend. Auslichten sollten Sie, wenn überhaupt, ebenso zu dieser Jahreszeit. Der Effekt: Sie fördern damit das Wachstum der grünen Blätterkrone.

Ginkgo vermehren: Samen und Stecklinge

Eine Methode ist die Aussaat der Samen. Diese stecken in den mirabellenartigen, stinkenden Ginkgofrüchten, die im Herbst auf den Boden fallen. Wird das Fruchtfleisch entfernt, kommen die Samenkerne zum Vorschein. Sie können diese aber auch abgepackt im Handel kaufen. Doch: Von der Aussaat bis zur Keimung können bis zu zwei Jahre vergehen. Deshalb ist diese Methode, wie auch die über Stecklinge, sehr aufwändig und mühselig.

Ginkgobäumchen (Ginkgo biloba): Aus einem Keimling entsteht eine Pflanze. (Quelle: imago/Manfred Ruckszio)Ginkgobäumchen (Ginkgo biloba): Aus einem Keimling entsteht eine Pflanze. (Quelle: imago/Manfred Ruckszio)

Ginkgo als Heilpflanze: Blätter und Samen

In der Heilkunde werden zumeist die Laubblätter des Ginkgo verwendet, manchmal auch die Samen. Inhaltsstoffe der Pflanze sind Diterpene (Ginkgoliden A, B und C), Sesquiterpene (Bilobalid), Flavonoide (Kämpferol und Quercetin) sowie Ginkgolsäuren.

Ein Extrakt aus Ginkgoblättern soll sich positiv auf die Durchblutung des Körpers auswirken. Das betrifft vor allem das Gehirn. Deswegen werden Ginkgo-Präparate vor allem bei älteren Menschen eingesetzt, die an Konzentrationsstörungen oder auch Alzheimer leiden. Zudem sollen die Wirkstoffe des Ginkgo ebenso Tinnitus und Schwindelgefühle mildern.

Pflanzen-Steckbrief

Ginkgobaum (Ginkgo biloba)
Standortsonnig bis halbschattig; aber 1- bis 2-jährige Sprösslinge: nur halbschattig und windgeschützt
Gießen, Düngenregelmäßig (nur Jungpflanzen)
SchneidenFormschnitt, Auslichten (im Frühjahr)
Vermehrenaufwendig und schwierig
Verwendete Quellen:

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