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Naturnahes Gärtnern: Ist das Unkraut – oder darf das bleiben?

Naturnahes Gärtnern  

Ist das Unkraut – oder darf das bleiben?

20.08.2020, 12:50 Uhr | Stella Franziska Bauer, dpa

Naturnahes Gärtnern: Ist das Unkraut – oder darf das bleiben?. Unkraut entfernen: Sie sollten ihm mit Fugenkratzer und -bürste zu Leibe rücken. (Quelle: dpa/Robert Günther)

Unkraut entfernen: Sie sollten ihm mit Fugenkratzer und -bürste zu Leibe rücken. (Quelle: Robert Günther/dpa)

Naturnahes Gärtnern der Umwelt zuliebe kostet Überwindung. Dazu gehören ein wenig Kontrollverlust über das Wachstum und eine gewisse Unordnung. Denn Unkraut sollte man zulassen.

Was ist schon Unkraut? Das sagen Naturschützer. Was viele Hobbygärtner als unerwünschtes Grün in ihrem Rasen und den Beeten empfinden, sind oft für die Natur sehr wertvolle Wildkräuter. Gerade Insekten brauchen sie.

Das Problem für viele Gartenbesitzer: Giersch, Vogelmiere, Distel und Brennnessel gedeihen in Massen, ohne gepflanzt zu werden. Zumal Wildkräuter an ihre Umgebung optimal angepasst sind und daher klimatische Stresszeiten wie Trockenperioden gut überstehen, während das angepflanzte Kulturgrün eher kaputt geht. Auch sonst gehen sie aus dem Kampf um Raum, Licht, Wasser und Nährstoffe oftmals als Gewinner hervor.

Doch aus Sicht der Naturschützer überwiegen die Vorteile der Unkräuter im Garten: Nicht nur, dass viele der Pflanzen Nektar- und Pollenlieferanten sind. Insekten finden zwischen Wildkräutern Ruheplätze und Verstecke, Nistplätze und Überwinterungsorte.

Wildkräuter fördern Bodengesundheit

Der negativ belegte Begriff Unkraut lasse außer Acht, dass dahinter auch eine Nutz- oder gar Heilpflanze für den Menschen stecken kann, sagt Karla Paliege vom Naturschutzbund (Nabu). Auch zur Bodengesundheit können Wildkräuter beitragen. Sie bedecken kahle Stellen, beschatten den Boden und halten ihn besser feucht.

Naturschützer plädieren zu mehr Gelassenheit und Unordnung. Vor allem sollte man auf Gift verzichten, auch wenn für den Privatgarten zahlreiche Herbizide synthetischen und natürlichen Ursprungs zugelassen und erhältlich sind. Doch für die Mittel gibt es gerade in diesem Bereich aus Sicht von Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen nicht viele sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten.

Viel hilft nicht viel

"Nach dem Motto 'viel hilft viel' kommt es häufig zu Fehlanwendungen und damit einhergehenden direkten Belastungen von Gewässern und Lebewesen", erklärt der Experte. Zumal die Unkrautvernichter keinen Unterschied zwischen Unkraut und Kulturpflanzen machen.

Auf befestigten oder versiegelten Flächen ist der Einsatz von Herbiziden sowieso grundsätzlich verboten, da die Mittel bei Regen abgespült werden und in den Wasserkreislauf gelangen. Wer Unkraut entfernen will, dem rät Rüb daher zur mechanischen Entfernung mit Fugenkratzer und -bürste. Auch das Entfernen mit Hochdruckreiniger und Abflammgerät habe sich bewährt.

Unkraut früh jäten

Im Garten selbst ist die frühe Entfernung entscheidend. Hobbygärtner sollten Unkraut regelmäßig hacken und zupfen, um eine flächige Ausbreitung zu verhindern. Gut zu wissen ist auch, wie sich bestimmte Unkräuter verbreiten, sagt Harald Nonn von der Deutschen Rasengesellschaft. Geht das über Samen, sollte man die Blüten vor der Samenbildung abschneiden.

Bei Wurzel-Wildkräutern wie Giersch, Schachtelhalm und Löwenzahn muss man zusätzlich graben: Ihre langen Wurzelausläufer müssen komplett aus dem Boden geholt werden, denn schon kleinste zurückbleibende Wurzelstücke treiben neu aus. "Es hilft, ständig hinterher zu sein und die Pflanzen möglichst komplett aus der Erde zu ziehen", so Nonn.

"Wässern und Düngen und Mähen"

Man kann den Unkräutern auch von Anfang an die Chance zum Treiben nehmen: "Um den Wildkräutern Angriffsfläche und Licht zum Keimen streitig zu machen, kann der offene Boden zwischen Nutzpflanzen mit Rindenmulch, Hackschnitzeln oder Stroh bedeckt werden", empfiehlt Buchautorin und Geo-Ökologin Sigrid Tinz. Eine dichte Bepflanzung und Bodendecker schaffen den gleichen Effekt.

Einen dichten Rasen, der Wildkräuter unterdrückt, bekommt man im Dreikampf, wie Nonn es nennt: Durch "Wässern und Düngen und Mähen" werden die Gräser gegen die Konkurrenz gestärkt. Zu häufiges und tiefes Mähen hat hingegen einen gegenteiligen Effekt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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