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Ameisen-Invasion: Art vermehrt sich explosionsartig in Deutschland


Tapinoma magnum
Invasive Ameise vermehrt sich explosionsartig


01.06.2024Lesedauer: 3 Min.
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Tapinoma magnum attackiert einen Regenwurm: Das Insekt bevorzugt proteinreiche Kost.Vergrößern des Bildes
Tapinoma magnum attackiert einen Regenwurm: Das Insekt bevorzugt proteinreiche Kost. (Quelle: Zinco79/getty-images-bilder)

In einer deutschen Region breitet sich nie Nordafrikanische Ameise explosionsartig aus und verursacht große Schäden. Sie ist schwer zu bekämpfen.

Tapinoma magnum – so lautet der wissenschaftliche Name einer Ameisenart aus Nordafrika, die sich besonders in dem Ort Kehl in Baden-Württemberg zurzeit massiv ausbreitet. Der dortige Oberbürgermeister Wolfram Britz erklärt, dass sich die Ausbreitung kaum eindämmen lässt. Inzwischen gebe es mehrere sogenannte Superkolonien mit mehreren Millionen Ameisen – sie vermehren sich explosionsartig, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Vor einigen Jahren berichtete bereits die Schweiz über eine "Tapinoma magnum"-Plage. Nun hat es das Insekt es also bis nach Westdeutschland geschafft. Was ist das für ein Tier? Und wieso ist sie so schwer zu bekämpfen?

Tapinoma magnum: Steckbrief

Tapinoma magnum ist zwischen 0,2 und 0,35 Zentimeter groß, hat einen schwarzen Körper und eine Kerbe an der Vorderseite des Kopfschildes. Die Ameise zählt zu den Drüsenameisen. Sie sondert ein Sekret ab, das nach ranziger Butter riecht, sobald sie zerdrückt wird.

Sie ernährt sich von proteinreichen Substanzen sowie zuckerhaltigen Lebensmitteln – also Insekten, Obst, Fleisch.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ameisenarten baut die Tapinoma magnum keine Nester. Vielmehr haust sie in flexiblen Wohnstandorten. Diese sind jedoch unterirdisch. Die Eingänge der Behausungen sind oft von Kies und Sand umgeben, die dort eine Art Hügel bilden. Teilweise nistet sich die Ameise jedoch auch in Häusern ein – beispielsweise in Hohlräumen von Wänden, Fußböden oder Dachdämmungen.

Ursprünglich stammt die Ameisenart aus dem westlichen Mittelmeerraum – unter anderem Marokko. Von dort breitete sie sich immer weiter aus – erst Tunesien, dann Griechenland, Italien, Frankreich und die Schweiz. Inzwischen richtet sie auch in Deutschland, Belgien und den Niederlanden Schäden an.

Da eine Kolonie aus bis zu 20 Millionen Arbeiterinnen bestehen und über mehrere Hektar Fläche verbreitet sein kann, wird auch von Superkolonien gesprochen.

Diese Schäden richtet Tapinoma magnum an

Der Schädling gilt als sehr aggressiv – insbesondere gegenüber der eigenen Art. Aber auch vor Menschen schreckt er nicht zurück. So sticht die Ameise zwar nicht, allerdings beißt sie schnell und gerne zu – auch Menschen sind davor nicht geschützt.

Bei ihrem Bau von Kolonien kann sie Bausubstanzen und Gärten zerstören, da sie die Bereiche unter Mauern, Pflastersteinen und Gehwegplatten aushöhlt. Die Bodenbeläge und Bauten werden somit instabil und können einbrechen.

Zudem wird berichtet, dass sich die Ameise auch in Verteilerkästen ansiedelt und dort Schäden anrichtet, die wiederum für Strom- und Internetausfälle sorgen.

Da die Ameisenart sehr klein ist, kann sie durch jede noch so kleine Öffnung dringen. Geräte, Anlagen und Nahrungsmittel lassen sich daher nur schwer vor den Krabbeltieren schützen. Darüber hinaus verdrängt sie andere heimische Ameisenarten, die hierzulande als Nützlinge eingestuft werden.

Ein weiterer Nachteil: Je höher das Aufkommen von Tapinoma magnum, desto mehr Blattläuse gibt es in den entsprechenden Gebieten – und zwar wesentlich mehr als bei anderen Ameisenarten. Somit geht mit einer "Tapinoma magnum"-Plage meist auch eine Blattlaus-Plage einher.

Tapinoma magnum bekämpfen: geht das und wenn ja, wie?

Die Entomologische Gesellschaft Zürich berichtete über mehrere Versuche, verschiedene invasive Ameisenarten zu bekämpfen – darunter auch Tapinoma magnum. Beim Einsatz von Fraßködern mit Insektiziden habe die Ameise diese als schädlich erkannt und anschließend mit "Dreck" zugedeckt, heißt es in dem Bericht. Das sollte verhindern, dass Artgenossen von dem Köder fressen. Und auch andere Mittel gegen die invasive Ameise zeigten kaum oder gar keine Wirkung.

Neben der Intelligenz erschwert vor allem die massive und schnelle Ausbreitung Probleme bei der Schädlingsbekämpfung. Denn auch, wenn nur ein kleiner Teil der Kolonie beschädigt oder vernichtet ist, so gibt es noch immer genug Königinnen und Zweigkolonien, die die Anzahl des Ameisenvolkes wieder in die Höhe steigen lassen.

Hinzu kommt, dass die invasive Ameisenart im Gegensatz zu ihren meisten Artgenossen auch niedrige Temperaturen problemlos übersteht. So erklären die Züricher Wissenschaftler, dass die Ameise Temperaturen von bis zu -20 Grad Celsius überleben, obwohl es sich um eine südliche Art handelt. Selbst Überschwemmungen oder feuchte Lehmböden stören das Insekt nicht.

Das Fazit der Forscher: "Es ist bisher unmöglich, eine solche Population mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln zu vernichten."

Übrigens: Nicht nur die Tapinoma magnum richtet schwere Schäden an und trotzt nahezu jeder Bekämpfungsmethode. Ebenso resistent und vermehrungsfreudig ist die Pharaoameise. Mehr über die invasive Art erfahren Sie hier.

Wie erkenne ich einen Befall?

Da die Ameisenart sehr klein ist, ist ein Befall meist nur erkennbar, wenn das Tier in großer Anzahl auftritt und dementsprechend schon Kolonien gebildet hat. Haben Sie dann eine oder mehrere Ameisenstraßen der invasiven Art entdeckt, sollten Sie umgehend handeln und einen professionellen Schädlingsbekämpfer zur Hilfe holen. Der kann unter Umständen helfen, zumindest die Verbreitung einzudämmen oder Ihnen anderweitig helfen.

Verwendete Quellen
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