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Wie vertrauensw├╝rdig sind die Siegel bei Fisch?

Von dpa
Aktualisiert am 05.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Seelachs-Fischfilet: Durch die ├ťberfischung der Meere wird Fisch zum wenig nachhaltigen Lebensmittel.
Seelachs-Fischfilet: Durch die ├ťberfischung der Meere wird Fisch zum wenig nachhaltigen Lebensmittel. (Quelle: Shotshop/imago-images-bilder)
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Viele Menschen wollen ihren Fleischkonsum reduzieren ÔÇô auch aus Klimaschutzgr├╝nden. Doch ist Fisch wirklich eine Alternative? Tipps, die bei der Kaufentscheidung helfen k├Ânnen.

Ein Blick in den Einkaufsratgeber Fisch von Greenpeace ist ern├╝chternd. Von den aufgef├╝hrten Fischen wird nur der Karpfen uneingeschr├Ąnkt empfohlen. Beliebte Speisefische wie Dorade, Lachs oder Forelle sind rot markiert, was bedeutet: "Finger weg, nicht nachhaltig." Fisch mit gutem Gewissen ÔÇô geht das ├╝berhaupt?

Nachhaltiger Verzehr wird immer schwieriger

"Man kann noch Fisch essen, aber man muss sehr genau hinsehen, wenn einem nachhaltiger Verzehr wichtig ist", sagt Rainer Froese vom Geomar Helmholtz-Zentrum f├╝r Ozeanforschung Kiel mit Verweis auf die ├ťberfischung der Meere. Aktuell zeigt sich das am Beispiel von Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee.

Daneben geht es um die Fangmethoden. "Einige Fischereimethoden sind daf├╝r bekannt, dass sie Strukturen zerst├Âren, die Lebensraum f├╝r viele andere Tiere sind", sagt Greenpeace-Tiefseebiologin Sandra Sch├Âttner.

Das gelte etwa f├╝r Grundschleppnetze, die durchs Wasser gezogen werden. Bei passiven Fangmethoden verbleiben Netze oder Fallen ├╝ber einen bestimmten Zeitraum im Wasser und werden mit den gefangenen Tieren wieder herausgeholt. Ein Problem dabei ist aber der Beifang.

Welchen Fisch kann man noch essen?

Greenpeace r├Ąt von der Dorade ab ÔÇô mit Ausnahme etwa von Exemplaren, die mit Fallen oder Fangleinen im nordwestlichen Mittelmeer gefischt oder in Griechenland und Kroatien Naturland-zertifiziert in K├Ąfigen gez├╝chtet wurden.

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Was Ostseefisch betrifft, geht es den Best├Ąnden der meisten Plattfische wie Scholle, Flunder, Steinbutt oder Kliesche laut Froese einigerma├čen gut. Sch├Âttner r├Ąt generell von gro├čen, sehr gefragten und deshalb ├╝berfischten Raubfischarten wie Thunfisch, Schwertfisch, Lachs und Kabeljau ab.

Der Kabeljau: Der Fisch, der in der Ostsee auch Dorsch genannt wird, wird im Fischratgeber des WWF fast ├╝berall als ├╝berfischt ausgewiesen.
Der Kabeljau: Der Fisch, der in der Ostsee auch Dorsch genannt wird, wird im Fischratgeber des WWF fast ├╝berall als ├╝berfischt ausgewiesen. (Quelle: fischratgeber.wwf.de/dpa-tmn/dpa)

Stattdessen k├Ânne man zu kleineren Arten wie Makrele, Hering oder Sprotte greifen, empfiehlt Froese. "Die Omega-3-Fetts├Ąuren, die wir wollen, sind auch in den kleineren Fischen schon drin." Wenn Wildlachs, dann aus Alaska, r├Ąt er. Auch beim Thunfisch gibt es Unterschiede. Von gro├čen Arten sollte man die Finger lassen, kleinere Arten, etwa in Thunfischdosen, seien hingegen in Ordnung, ebenso Alaska-Seelachs aus dem Nordpazifik, der f├╝r Fischst├Ąbchen verwendet wird.

Diese Siegel helfen beim Kauf:

  • "Dolphin Safe": Beim Fang von Thunfisch gehen keine Delfine ins Netz. ├ťber andere Aspekte macht das Siegel aber keine Aussage.
  • "MSC": F├╝r Wildfisch sehr verbreitet. An diesem Siegel ├╝ben aber Umweltverb├Ąnde inzwischen Kritik, weil zum Beispiel auch Fischereien zertifiziert wurden, bei denen der Beifang zu hoch ist oder die mit umweltsch├Ądlichen Fangmethoden arbeiten.
  • "ASC": Ber├╝cksichtigt im Zuchtfisch-Bereich auch Aspekte der Umweltgerechtigkeit wie geeignete Standorte, eine bestimmte Wasserqualit├Ąt oder einen regulierten Antibiotikaeinsatz. Auch darf das Fischfutter nicht von ├╝berfischten Best├Ąnden kommen. Greenpeace kritisiert aber, dass auch gentechnisch ver├Ąndertes Futter zum Einsatz kommen kann. Besser laut Sch├Âttner: die Siegel "Naturland" und "Bioland".
  • "Friend of the Sea": Wild gefangener und gez├╝chteter Fisch nicht aus ├╝berfischten Best├Ąnden, schonende Fangmethoden kommen zum Einsatz.
  • "Followfish": Nicht nur ├Âkologisch nachhaltige Kriterien z├Ąhlen, sondern etwa auch Aspekte wie Arbeitssicherheit und faire L├Âhne.

Aus der Sicht von Greenpeace gibt es derzeit allerdings kein Siegel f├╝r Fischprodukte, das uneingeschr├Ąnkt empfohlen werden kann. Denn keines k├Ânne vollst├Ąndig garantieren, dass die Produkte aus nachhaltigen Wildfischereien oder Aquakulturen stammten. "Trotz aller Kritik ist es jedoch immer noch ratsamer, Fisch mit Siegel zu kaufen als solchen ohne", so Sch├Âttner.

├ťber 50 Prozent der weltweit verzehrten Fischmenge stammt heute aus Aquakulturen, sagt Matt Slater, Leiter der Aquakulturforschung am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Doch auch die Fischzucht hat Auswirkungen auf die Umwelt. Eine L├Âsung k├Ânnten Zero-Waste-Anlagen sein, bei denen kaum Wasser verbraucht wird und keine Abfallprodukte anfallen. Fisch und Garnelen sind dann aber teurer als andere Angebote.

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Von Jennifer Buchholz
GreenpeaceLebensmittelOstsee

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