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Interview mit Fredrik Vahle: "Kannst Du mal Anne Kaffeekanne spielen!"

t-online, cst

26.01.2012Lesedauer: 4 Min.
Fredrik Vahle begeistert Kinder seit 40 Jahren.
Fredrik Vahle begeistert Kinder seit 40 Jahren. (Quelle: imago-images-bilder)
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Eine Kindheit ohne Fredrik Vahle ist möglich, aber sinnlos - das mögen manche Eltern denken, die auf der Suche nach guten Kinderliedern sind. Mit Hits wie "Anne Kaffeekanne" oder dem "Katzentanzlied" ist es Fredrik Vahle gelungen, Generationen von Kindern zu begeistern. Die Fans von einst kommen immer noch und bringen inzwischen ihren eigenen Nachwuchs mit in seine Konzerte. Unglaublich, dass dieser Mann in diesem Jahr 70 Jahre alt wird. Die Eltern-Redaktion von t-online.de hat mit ihm gesprochen.

t-online.de: Herr Vahle, dieses Jahr werden Sie 70. Was wünschen Sie sich?

Vahle: Ich hoffe, dass ich noch Schönes erleben kann, mit vielen Freunden. Dass ich weiterhin singen kann, meine Sachen machen kann und dass ich auch ab und zu nach Gomera fahren kann, wo ich ein Haus habe.

t-online.de: Wie entstehen Ihre Lieder? Kommt erst die Musik, dann der Text?

Vahle: Sehr unterschiedlich. Meist ist eine Lied-Idee da und in dieser Idee steckt schon ein bisschen Musik, ein bisschen Sprache drin. Und daraus entfaltet sich das Lied dann, es kommt sozusagen aus einem Ei. Bei manchen Liedern dauert dieser Prozess zehn Minuten, bei anderen drei Wochen.

t-online.de: Ist Ihre Arbeitsweise anders als vor 40 Jahren?

Vahle: Ja, muss wohl. Wenn man sich nicht entwickelt, ist das immer ein bedenkliches Zeichen. Damals habe ich viel mehr Vortragslieder gemacht, die einfach nur vorgesungen wurden und heute ist es so, dass die Kinder mehr einbezogen werden und ich auch mit mehr Leuten auf der Bühne stehe, auch zum Beispiel mit Kindern.

t-online.de: Nach 40 Jahren des Liedermachens: Haben Sie ein Lieblingslied? Mögen Sie manche Lieder nicht mehr hören?

Vahle: Im Moment singe ich das "Griechische Winterlied" sehr gern. Ein Anti-Lieblingslied habe ich nicht.

t-online.de: Hat sich das Publikum verändert über die Jahre? Mögen Kinder von heute andere Sachen?

Vahle: Ja, die Kinder sind kleiner geworden, jünger und heller. Die wissen mehr, kriegen mehr mit heute, sind rektionsschneller.

t-online.de: Wie haben Sie sich verändert in dieser Zeit?

Vahle: Graue Haare! Ich versuche, mehr Andacht, mehr Besinnung in meine Lieder reinzubringen. Die grobe Linie ist aber eigentlich über die Jahre geblieben. Es gibt immer wieder Projekte, an denen ich arbeite, wie zum Beispiel die Weihnachtslieder oder die neue CD "Singen, das geht so", da geht es um das Singen selber.

t-online.de: Was wollen Sie mit Ihrer Musik erreichen?

Vahle: Also, ich mache die Musik für mich selber und freue mich, wenn andere Leute Spaß daran haben. Es gibt keine besonderen Ziele, die ich erreichen möchte, dazu ist mir die Musik zu schade.

t-online.de: Machen Sie Musik für kleinere Kinder anders als für größere?

Vahle: Ja, ich gehe normalerweise mit einer Klingel vorweg, um die Kinder auch persönlich anzusprechen. Bei den Großen kommen andere Themen, da spielen wir "Ayse und Jan", da geht es um deutsche und türkische Kinder. Schon bei der Entstehung der Lieder hat man das Alter der Kinder mit im Kopf.

t-online.de: Hören Sie auch andere "Kindermusik"? Was mögen Sie?

Vahle: Ja, Linard Bardill, ein Schweizer Kollege. Wir sehen uns auch ein, zweimal im Jahr, das ist ein wunderbarer Austausch. Gerhard Schöne mag ich auch sehr gerne oder Beate Lambert.

t-online.de: Andere Liedermachen singen schon morgens um sieben im Fernsehen. Wäre das auch etwas für Sie?

Vahle: Ich habe selber keinen Fernseher, mir ist die ganze Fernsehwelt ganz fremd.

t-online.de: Wie sieht denn ein typischer Fredrik-Vahle-Tag aus?

Vahle: Den typischen Tag gibt es nicht. Aber ich gehe oft morgens zwei Stunden in den Wald, dann frühstücke ich, singe mit meiner Freundin, wir besprechen bestimmte Dinge, versuchen, unsere unterschiedlichen Tagesabläufe zu koordinieren.

t-online.de: Verraten Sie uns, woran Sie im Moment arbeiten?

Vahle: Nächstes Jahr kommt ein neues Buch mit Geschichten und Gedichten. Und dann ist ein Buch in Arbeit, "Die wahre Geschichte der Anne Kaffeekanne".

t-online.de: Über Kinder und ihre Erziehung wurde in letzter Zeit viel berichtet, nicht immer positiv. Kann man Kinder mit Musik positiv beeinflussen?

Vahle: Die negative Darstellung von Kindern ist teils falsch, teils richtig. Das Fernsehen braucht seine Themen, um die Leute zu unterhalten - ob das dann immer der Wahrheit entspricht ...

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t-online.de: Musik ist heute immer und überall verfügbar - wie stehen Sie dazu?

Vahle: Finde ich weder gut noch schlecht, das ist einfach eine technologische Entwicklung. Ich versuche, aus meiner Situation das Beste zu machen, die Kinder durch direktes Singen anzusprechen.

t-online.de: Kann man sagen, das ein gutes Kinderlied eines ist, das Kindern beim ersten Hören gefällt und Eltern beim hundertsten Mal immer noch?

Vahle: Jein. Es gibt Lieder, die gefallen beim ersten Mal - aber die "Anne Kaffekanne" zum Beispiel, die hat erst mal Anlauf gebraucht. Als wir die zum ersten Mal gesungen haben, war die Resonanz gar nicht so optimal. Inzwischen werde ich manchmal sogar mit "Herr Kaffeekanne" angesprochen.

t-online.de: Ist doch ein Kompliment!

Vahle: Nicht nur! Ein anderer Künstler wird gefragt: "Was hast Du Neues gemacht?" Bei mir sagen die Leute: "Kannst Du mal die Anne Kaffeekanne spielen."

t-online.de: Herzlichen Dank für das Interview!

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