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Kuscheln, schlagen, glucken - Erziehungsstile aus der Tierwelt

t-online, Maria Magdalena Held

15.10.2013Lesedauer: 3 Min.
Kuscheln, streicheln, schnurren, glucken, knurren: unsere Erziehungsstile zeigen Parallelen zur Tierwelt.
Kuscheln, streicheln, schnurren, glucken, knurren: unsere Erziehungsstile zeigen Parallelen zur Tierwelt. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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In Tieren und ihrem Verhalten sehen wir uns selbst: Affenliebe, Glucke, Kuschelbär, Reviergehabe, Balzen - wir wissen sofort was gemeint ist. Kein Wunder, dass auch Erziehungsmethoden mittlerweile nach Tieren benannt sind. Und da gibt es weit mehr als die Tiger-Mama und den Adler-Vater aus China. Kennen Sie beispielsweise die Hühner-Eltern mit den freilaufenden Kindern? Elternabende sind demnach ein wahrer Tierpark.

Amy Chua hat die Elternwelt polarisiert. Sie ist die Tiger-Mutter, für die Drill und Ordnung in der Erziehung über alles gehen. Mit Lob wird gespart, Beschimpfungen, fast Beleidigungen der Kinder für mangelhafte Leistungen sind dagegen an der Tagesordnung und sollen zu mehr Leistung anspornen. Das Leben der Kinder ist durchgeplant, der Tagesablauf gespickt mit Klavierstunden, Sprachenlernen und Ballettstunden. Zocken, chillen, chatten - Fehlanzeige - kein Platz im Leben der Tiger-Kinder.

Tiger-Mutter contra Freerange Kids

Die Tiger-Mutter würde sich bestimmt nicht besonders gut mit der Hühner-Mutter der freilaufenden Küken aus New York verstehen. Zu konträr sind die Erziehungsstile. Freerange Kids, also freilaufende Kinder, nennt Lenore Skenazy ihre Methode. Sie ist absolut keine Glucke, sondern setzt auf Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein ihrer Kinder. Deshalb schickte sie ihren neunjährigen Sohn alleine in den New Yorker Großstadtdschungel, mit Stadtplan und Metro-Fahrkarte. Er hat die Herausforderung angenommen und bestanden, außerdem eine große Portion Selbstbewusstsein gewonnen. Das hilft auch seiner Mutter, nicht vor Sorge um ihr Kind zu vergehen, wenn er alleine unterwegs ist.

Sich Herausforderungen stellen ist ein Prinzip des Adlervaters. Der Chinese He Liesheng ließ seinen vierjährigen Sohn fast nackt durch den Schnee rennen, statt Umarmungen gab es weitere Anforderungen. Mit fünf sollte er einen Rekord aufstellen, um in das Guiness-Buch der Rekorde zu kommen. Er flog alleine ein Flugzeug und landete es sicher. Dieser Drill soll den Kleinen vor Verweichlichung bewahren, die in Chinas Ein-Kind-Familien weit verbreitet ist.

Sie alle - Tiger, Adler, Hühner & Co. - tauchen in der Zusammenstellung der Erziehungsstile aus dem Tierreich auf dem Blog "Rabenmutter.ch" auf.

Kuscheln, schnurren, schlagen - es gibt alles

Kuschelig geht es beim Panda-Daddy zu. Für Alan Paul, der in seinem Buch "Big in China" seine Erlebnisse mit den eigenen Kindern und anderen Familien schildert, ist "das Leben kontrolliertes Chaos und der Erfolg hängt davon ab, wie man es umschifft." Auch die Katzenmamis geben ihren Kindern Geborgenheit und ermutigen sie, in ihrem eigenen Tempo ihren eigenen Weg zu gehen und ihre Talente zu finden, egal ob sie damit berühmt und erfolgreich werden, Hauptsache glücklich und motiviert. Entspannt erziehen die Koala-Mütter beschreibt die Bloggerin Nathalie Sassine deren Methode. Sie können einfach mal den Stress vergessen, um die Welt zu genießen.

Ganz anders die Hippo-Eltern. Wenn es sein muss setzen sie sich auch mal auf ihre lieben Kleinen drauf, um sie von unerwünschtem Verhalten abzubringen. Zumindest nehmen sie ihnen Dinge weg, ohne lange Diskussion: Smartphone, Game-Controller und ähnliches. Sie bitten nicht lange, sie diskutieren nicht, sie haben sich entschieden und setzen das durch. Wenn nach 22 Uhr nicht mehr gechattet werden soll, dann muss eben das Handy weg. Das ist nicht Gewalt, das ist in ihren Augen Konsequenz.

Gewalt geht gar nicht

Gewalt wenden die Wolf-Väter an. Schläge für Kinder gehören zum stark kritisierten Erziehungsrepertoire des Wolf-Vaters Xiao Baiyou, natürlich alles aus Liebe. Verglichen mit ihm ist die Tiger-Mutter ein Lämmchen. Er hat seine Kinder mit dem Rohrstock an die Universität geprügelt, davon ist er überzeugt. In seinem Buch rät er, Kinder alle drei Tage zu schlagen, damit sie spuren. Dank seiner brutalen Methode hätten es drei seiner vier Kinder an die Pekinger Elite-Uni geschafft. Sie durften keine Freunde haben, sie durften ohne Erlaubnis nicht einmal den Kühlschrank öffnen - alles aus Liebe.

Hätten wir noch die Chamäleon-Eltern, sie reagieren, sie passen ihren Erziehungsstil dem Temperament und den Talenten ihrer Kinder an, denn aus einem Picasso wird kein Einstein.

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