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Pfingsten: Alte Bräuche und Traditionen zum Pfingstfest

Rituale am Feiertag  

Pfingstbräuche: Alte Traditionen zum Fest

15.05.2016, 11:18 Uhr | jb (CF)

Pfingsten: Alte Bräuche und Traditionen zum Pfingstfest. Pfingstbraut, Maibaum, Fruchtbarkeitsrituale – um Pfingsten ranken sich viele Bräuche. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

An vielen Orten Deutschlands können Sie zu Pfingsten Maibäume bewundern. Nicht nur in Bayern ist das Aufstellen der meterlangen Holzpfähle seit Jahrhunderten guter Brauch. Auch in Niedersachsen und Baden-Württemberg ist diese Tradition verbreitet (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Pfingsten ist ein fröhliches Fest, denn Christen feiern an diesem Termin die Entsendung des Heiligen Geistes. Auch weltliche Pfingstbräuche gibt es, mit denen die Menschen seit Jahrhunderten den Frühling begrüßen. Dabei spielt in ländlichen Gegenden traditionell die erwachende Natur und die Bitte um eine gute Ernte eine große Rolle.

Pfingstbaum oder Maibaum: Regionale Unterschiede

Der Pfingstbaum gehört in vielen Gegenden Deutschlands zu den bekanntesten Bräuchen an Pfingsten. Verschiedene Traditionen, die damit zusammenhängen, werden bis heute gepflegt.

Dabei gibt es jedoch regionale Unterschiede: Im Süden Deutschlands kennt man den Pfingstbaum eher in Form eines Maibaums, also eines hohen Baumstamms mit abgesägten Ästen, der dann feierlich geschmückt im Dorf aufgestellt wird. Bänder, Fahnen und ein Pfingstkranz gehören zum Baumschmuck. Der Pfingstbaum bildet anschließend den Mittelpunkt ausgelassener Feiern.

In manchen Regionen wiederum ist der Pfingstbaum eine frisch geschlagene junge Birke, den junge Männer am Abend vor Pfingstsonntag vor die Häuser stellen, in denen unverheiratete Mädchen wohnen. Dieser traditionelle Brauch, "Pfingstbaumpflanzen" oder "Birkenstecken" genannt, geht vermutlich auf die Germanen zurück und ist vor allem in Niedersachsen verbreitet. Es gibt dabei verschiedene Varianten, so werden in einigen Gegenden die jungen Birken auch an alle Bewohner eines Dorfes verteilt. Diese halten für die "Pfingstbaumpflanzer" dann alkoholische Getränke, Essen oder kleine Geldspenden bereit.

Pfingstbräuche rund um das Heiraten

Viele Pfingstbräuche drehen sich traditionell darum, einen Partner oder eine Partnerin zum Heiraten zu finden – wenngleich dies heute wie früher meist eher scherzhaft gemeint ist. So werden bei Feiern vielerorts durch Spiele oder sonstige Bräuche "Pfingstbraut" und "Pfingstbräutigam" ermittelt.

Eine besondere Rolle spielt das Wasser aus Bächen und Brunnen: Es soll zu dieser Zeit nach traditioneller Annahme besondere Segenskraft besitzen und auch die Fruchtbarkeit steigern. In diesem Zusammenhang gehörte es beispielsweise in Thüringen lange Zeit zu den Pfingstbräuchen, dass junge Mädchen morgens Wasser aus einem Brunnen holen. Dabei durften sie jedoch nicht sprechen. Die jungen Männer machten sich dann einen Spaß daraus, sie doch zum Sprechen zu bewegen.

Im Bergischen Land gibt es mit dem Pfingstsingen einen Brauch, der in anderen Teilen Deutschlands kaum bekannt ist. Dabei handelt es sich um einen traditionellen Heischebrauch, also einen Brauch zum Erbitten von Gaben. Neben dem Ersingen von Eiern und Speck – daher auch Eiersingen genannt – ging es für junge Männer traditionell darum, ledige Frauen im heiratsfähigen Alter zu besingen. Mittlerweile ist der Altersdurchschnitt der Pfingstsänger, anders auch Pingstjonge, gestiegen, da vor allem noch Männergesangsvereine dieser Tradition nachgehen, und auch Frauen nehmen heutzutage am Brauch des Eiersingens teil.

Pfingstfeuer und andere Traditionen: Abschied vom Winter

Heute eher seltener zu finden ist das Pfingstfeuer, das dem Brauch des weiter verbreiteten Osterfeuers ähnelt. Häufig wird es am Samstag des Pfingstfestes im Rahmen eines Gottesdienstes entfacht. Das Pfingstfeuer als Symbol für den Heiligen Geist soll die Gläubigen reinigen und ihnen Erleuchtung schenken. In früheren Zeiten wurde mit dem Entzünden des Pfingstfeuers der Winter verabschiedet und der Frühling begrüßt. Dabei wurden spezielle Pfingstlieder gesungen.

Eine besonders skurrile Tradition ist die Auferstehung des Laubmanns. Die Sage des Dorfes Langenbach handelt von einem riesenhaften grünen Ungetüm, das jedes Jahr zu Pfingsten erwacht, um durch das Dorf zu marschieren und Menschen nur gegen ein Wegegeld vorbeiziehen zu lassen. Der Laubmann gilt als personifizierter Frühling oder germanischer Lichtgott. Traditionsbewusste Dörfer pflegen diesen Brauch noch immer: Dabei wird der älteste Junge des letzten Schuljahrganges in frisches Maiengrün eingewickelt und zieht anschließend mit zwei weiteren Jungen, den Baumträgern, durchs Dorf. Währenddessen fordern die Kinder des Dorfes Wegegelder von Einwohnern und Autofahrern.

Je nach Region wird die Ankunft des Sommers auch durch den sogenannten Pfingstbutzen verkörpert. Dabei schlüpft entweder ein Jugendlicher in das Naturkostüm oder es wird eine meterhohe Laubfigur mit einem Traktor durch die Gemeinde gefahren.

Fruchtbarkeitsriten an Pfingsten

Ähnliche Traditionen wie die des Laubmanns findet man auch in anderen Regionen Deutschlands oder der Schweiz. Pfingstblüttler, Pfingstlümmel, Wasservogel und ähnliche Bräuche gelten als Fruchtbarkeitsrituale, die auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführen sind. Der Mythos des Grünen Mannes, auch Grüner Georg genannt, entwickelte sich in vorchristlichen Zeiten. Der Grüne Mann vereint viele Attribute der Natur in sich und befruchtet zunächst die Erde, bevor er rituell aus dem Leben scheidet, bis er im nächsten Jahr zu Pfingsten wieder aufersteht.

Beim Pfingstblüttler-Brauch aus der Schweiz ziehen junge Männer in Pflanzenteilen gekleidet zum Dorfbrunnen und nehmen ein Bad. Dabei bespritzen sie die umstehenden Zuschauer, vor allem die jungen Frauen. Im Taunus wird der ähnliche Wasservogel-Brauch begangen, bei dem ein mit Blättern geschmückter Junge im Dorfweiher untergetaucht wird.

Weitere Traditionen zu Pfingsten

Viele Pfingstbräuche haben auch einen jahreszeitlichen Hintergrund: Die Ackerbausaison beginnt, und die Bauern hoffen auf eine reiche Ernte. In früheren Zeiten war es vielerorts üblich, das Vieh zu Pfingsten zum ersten Mal im neuen Jahr zum Grasen auf die Weiden zu lassen. Oft führte dabei ein besonders geschmücktes Tier – der Pfingstochse – den feierlichen Zug an.

Vor allem in katholischen Kirchen sprachen die Priester früher in ländlichen Regionen zudem oft den "Großen Wettersegen", mit dem sie um günstiges Wetter und eine reiche Ernte für die Bauern baten. Diese Tradition wird heute jedoch kaum noch gepflegt.

Pfingstessen: Bräuche und Mahlzeiten

Auch beim Essen gibt es unterschiedliche Traditionen, was am Pfingstfest auf den Tisch kommt. Im Brauchtum bekamen die Bauernmägde zu Pfingsten die gesamte gemolkene Milch zugesprochen. Diese sogenannte Pfingstmilch wurde mit Mandeln und Eiern als Suppe gegessen. Die Milchsuppe passt daher auch heute noch hervorragend zum Speiseplan.

Aus biblischer Sicht, spielte die Taube eine tragende Rolle an Pfingsten. Symbolisch steht sie für den Heiligen Geist. Traditionell kam häufig gebratene Taube auf den Tisch, heutzutage werden Tauben eher in Form von Brotvögeln verschenkt oder serviert.

Zu früheren Zeiten legten Kinder in der Nacht vor dem Feiertag Huflattichblätter aus, die am nächsten Morgen durch Brezeln ersetzt worden waren. Daher gibt es auch heute noch in vielen Teilen Deutschlands die Pfingstbrezel zum Essen.

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