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Hunden unnötiges Bellen abgewöhnen: So geht’s

Sieben verschiedene Belllaute  

Hunden unnötiges Bellen abgewöhnen: So geht’s

10.10.2019, 07:55 Uhr | dpa , sah , t-online.de

Hunden unnötiges Bellen abgewöhnen: So geht’s. Hund bellt: Oft liegen die Ursachen für unerwünschtes Dauerkläffen beim Besitzer. (Quelle: Getty Images/sanjagrujic)

Hund bellt: Oft liegen die Ursachen für unerwünschtes Dauerkläffen beim Besitzer. (Quelle: sanjagrujic/Getty Images)

Sobald es klingelt, schlägt so mancher Hund Alarm – und das aus voller Leibeskraft. Wer seinem Hund das Bellen abgewöhnen möchte, muss dafür fast genau so viel Disziplin aufbringen wie das Tier. Diese Tipps helfen Ihnen dabei.

Ob am Gartenzaun, hinter der Wohnungstür oder beim Anblick von Artgenossen: Hunde bellen, weil es ihre Art ist, zu kommunizieren und ihre Stimmung auszudrücken. Das ist normal. Teilweise wurden sie sogar gezüchtet, besonders viel und freudig zu bellen wie beispielsweise Jagdhunde. Sie zeigen mit Bellen an, wo ein erlegtes Tier liegt.

"Bellen ist oft unbewusst antrainiert"

Problematisch wird es, wenn ein Hund ständig bellt und sich die Nachbarn beschweren. Doch oft liegen die Ursachen für unerwünschtes Dauerkläffen auch beim Besitzer. "Häufiges, unerwünschtes Bellen ist oft unbewusst antrainiert", sagt die Verhaltensbiologin Juliane Bräuer vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Hundestudien.

Im Rahmen ihrer Forschungen hat Juliane Bräuer unter anderem nachgewiesen, dass selbst Leute ohne Hundeerfahrung, die verschiedenen Belllaute von Hunden deuten können. Bis zu sieben verschiedene Belllaute soll es geben:

  • freudig 
  • ungeduldig
  • traurig
  • verzweifelt
  • gelangweilt
  • sauer
  • empört

Bellen vor dem Spaziergang oder dem Füttern abgewöhnen

So würde das Bellen zum Beispiel antrainiert, wenn der Besitzer die Leine nimmt, den Mantel anzieht und die Wohnung verlassen will. Für den Hund ist klar – es geht raus zum Spaziergang. "Wenn der Hund vor Freude bellt und der Mensch verlässt mit ihm das Heim, wird der Hund positiv bestärkt. Beim nächsten Mal bellt er vielleicht schon, wenn der Mensch nur zum Schlüssel greift."

Die Forscherin rät, so lange stehen zu bleiben, bis sich das Tier beruhigt hat und leise ist. "Erst dann sollte man das Haus verlassen." Unerwünschtes Bellen würde auch bestärkt, wenn der Hund sein Futter bekommt, obwohl er sich vorher lauthals gemeldet hat. Auch hier gilt – Futter gibt’s erst, wenn der Hund leise ist.

Hunden das Bellen an der Haustür abgewöhnen

Hund an der Wohnungstür: Wenn es klingelt, bellen manche Hunde das ganze Haus zusammen. (Quelle: dpa/tmn/Florian Schuh)Hund an der Wohnungstür: Wenn es klingelt, bellen manche Hunde das ganze Haus zusammen. (Quelle: Florian Schuh/dpa/tmn)

Bellt Ihr Hund, sobald es an der Haustür klingelt, schicken Sie ihn auf seinen Platz. Hört er auf zu bellen, können Sie ihn loben und belohnen. Kläfft er weiter, beachten Sie ihn nicht mehr. Mit Anweisungen wie "Aus!" oder "Schluss!" bekräftigen Sie ihn dagegen nur in seinem Verhalten, weil er Aufmerksamkeit bekommt.

Sie und Ihr Besuch sollten den bellenden Hund solange ignorieren – kein Worten und kein Blick – bis er sich beruhigt hat. Erst dann dürfen Sie ihn loben. Damit vermitteln Sie dem Tier, welches Verhalten sich positiv auszahlt.

Hunden das Bellen im Garten abgewöhnen

Dagegen kann ein Bellen am Gartenzaun bedeuten, dass der Hund, alleingelassen, nach seinen Menschen "ruft". "Man könnte dieses Bellen als Trennungsbellen bezeichnen. Wölfe, die Mitglieder "rufen" würden ein Trennungsheulen vokalisieren", so Verhaltenswissenschaftlerin Dorit Feddersen-Petersen.

Aus Hundesicht scheint dieses Trennungsbellen verständlich. Denn Hunde sind hochsoziale Wesen, die in Familienverbänden leben. Sie verstehen nicht, wenn der Rudelchef sie allein lässt. "Hunde müssen lernen, dass ihr Mensch sie auch mal alleine lässt, aber immer wieder kommt", sagt die Tierpsychologin Angela Pruß aus Brandenburg.

Das könne man üben, in dem man einige Sekunden aus dem Zimmer geht, die Tür schließt und zurückkehrt. Das wiederholt man mehrmals täglich. Nach und nach könne die Zeit gesteigert werden. Aber Achtung: Man sollte nie zum Hund zurückkehren, wenn er bellt oder winselt. "Mit der Rückkehr würde man sein Verhalten bestärken", so Pruß. Diese Eingewöhnungszeit könne Wochen dauern. Da sei viel Timing gefragt. Laut Experten sollten Hunde nur im Ausnahmefall mal über sechs Stunden alleine bleiben. 

Hunden das Bellen in der Wohnung abgewöhnen

Ein Hund kann aber auch Rabatz am Zaun oder hinter der Wohnungstür machen, wenn er gefrustet und nicht ausgelastet ist. "Je nach Rasse, Alter und Temperament müssen Hunde sowohl psychisch als auch physisch ausgelastet sein, um ausgeglichen und zufrieden zu sein", sagt Gerd Fels, Sachverständiger für die Hundehalteverordnung vom Land Brandenburg. Der Schäferhundzüchter rät, Hunde zum Beispiel neben angemessener Bewegung auch mit Suchspielen zu beschäftigen. So kann man Leckerchen verstecken, die das Tier finden muss.

"Kommt man zurück ins Haus und legt sich der Hund dann zufrieden und ruhig auf seinem Platz, kann man die Wohnung verlassen. Auch hier gilt, die Zeit der Abwesenheit langsam auszudehnen", so Fels. Es gäbe auch Hunde, die erst nach drei, vier Stunden Abwesenheit ihres Besitzers unruhig und schließlich laut werden. Auch in diesem Fall müsse das Tier langsam an eine längere Abwesenheit seines Menschen gewöhnt werden. So solle man zurückkehren, bevor das Tier unruhig wird und die Zeiten erst dann langsam ausdehnen. "So registriert der Hund, dass sein Mensch immer zurückkommt", sagt Fels. Eine Videoüberwachung könne bei der Analyse über das Verhalten des Hundes hilfreich sein.

Hunden das Bellen beim Revierverhalten abgewöhnen

Hund hinterm Gartenzaun: Bellt er hier, will er Menschen und Artgenossen mitteilen: Das ist mein Revier! Haltet Distanz! (Quelle: dpa/tmn/Jeanette Hix)Hund hinterm Gartenzaun: Bellt er hier, will er Menschen und Artgenossen mitteilen: Das ist mein Revier! Haltet Distanz! (Quelle: Jeanette Hix/dpa/tmn)

Aber warum bellen Hunde beispielsweise am Zaun, wenn ihr Besitzer in unmittelbarer Nähe ist? "Dann kann es sein, dass sie ihr Revier verteidigen oder Artgenossen mitteilen, mehr Distanz zu wahren", erklärt Fels.

Besitzer sollten in diesem Fall die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. "Eine lange Leine kann da hilfreich sein", so der Schäferhundzüchter. Zeige der Hund am Zaun unerwünschtes Verhalten und reagiert nicht auf ein Unterlassungskommando, könne man ganz sanft über die Leine einen Impuls geben. "Schaut der Hund zum Besitzer und kommt im Idealfall sogar zurück, wird gelobt, gestreichelt und belohnt", sagt Fels.


Pruß ergänzt: "Viele Leute haben das Hundekörbchen im Flur stehen, weit weg, wo sich der Besitzer aufhält." Doch so überlasse man dem Hund die Verantwortung, allein auf das Rudel aufzupassen. Er werde programmiert, dass er beim kleinsten Geräusch draußen Laut gibt, weil er vielleicht sogar überfordert ist mit der Situation. "Das ist vergleichbar mit einem Chef, der seiner Sekretärin die Schlüssel für die ganze Firma übergibt und sagt, er sei dann mal weg."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherchen

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