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Wachsen Kinder weniger, wenn sie auf Kuhmilch verzichten?


Wachsen Kinder weniger, wenn sie zu Sojadrinks und Co. greifen?

t-online, dpa-tmn, Larissa Koch

Aktualisiert am 17.07.2017Lesedauer: 3 Min.
Nicht jedes Kind bekommt Kuhmilch.Vergrößern des BildesNicht jedes Kind bekommt Kuhmilch (Quelle: Symbolbild/Choreograph/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Du sollst groß und stark werden, sagen wir gern mal zu unseren Kindern. Und so wie es aussieht, klappt das ganz gut mit Milch. Zahlreiche Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Körpergröße.

Demnach sind Kinder kleiner, die keine Milch, sondern Alternativen wie Soja- oder Reismilch trinken. Ein kanadisches Forscherteam unter Leitung des Kindermediziners Jonathon Maguire vom St. Michael’s Hospital in Toronto untersuchte gut 5000 Kinder im Alter zwischen zwei und sechs Jahren. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Ärtze im Fachmagazin "American Journal of Clinical Nutrition". Im Kern haben sie festgestellt, dass Kinder, die drei Tassen Kuhmilch täglich tranken, anderthalb Zentimeter größer waren als gleichaltrige, welche die gleiche Menge in Form von pflanzlichen Alternativen wie Soja-, Mandel-, Hafer- oder Reismilch tranken.

Die Körpergröße hing von der Dosis ab. Je mehr Ersatzprodukte ein Kind trank, desto kleiner war es. Der Größenunterschied bei dreijährigen Milchtrinkern zu Nichtmilchtrinkern lag bei immerhin 1,5 Zentimetern: Diejenigen, die täglich drei Tassen Kuhmilch tranken, waren anderthalb Zentimeter größer als die Kinder, die zu den pflanzlichen Alternativen griffen.

Hemmen pflanzliche Milchersatzprodukte das Wachstum?

Die Studie zeigte zwar, dass diejenigen Kids, die Ersatzprodukte tranken, kleiner waren, und zwar je mehr sie davon zu sich nahmen. Die jetzige Studienlage ist allerdings noch viel zu dünn, um diesen Zusammenhang gesichert zu belegen. Es wäre daher ein voreiliger Schluss, davon auszugehen, dass Sojamilch und Co das Wachstum von Kindern bremsen.

Die Inhaltsstoffe der pflanzlichen Alternativen sind zu unterschiedlich, um eine entsprechende Aussage über einen wachstumshemmenden Effekt treffen zu können. So haben die Produkte eine ganz unterschiedliche Nährstoffzusammensetzung: Die einen enthalten mehr Fett, Eiweiß und Zucker als die anderen. Die Forscher sagen deshalb selbst, dass zunächst weitere Studien nötig sind.

Was macht Milch mit unserem Wachstum?

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind die Deutschen immer größer geworden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Milch dafür zumindest teilweise verantwortlich ist. Denn es gibt zahlreiche Studien, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen Kuhmilchkonsum und Körpergröße zeigen. Das liegt offenbar daran, dass Milch von Kühen verschiedene Wachstumshormone enthält, die auch das Wachstum beim Menschen anregen.

Ob diese Wachstumshilfe der Milch gut ist, ist sehr umstritten. Milch erhöht etwa den Spiegel des Wachstumsfaktors IGF-1 und zwar in unnatürlichem Ausmaß, wie das Ärzteblatt in einem Bericht schreibt.

Zu viel Milch steht im Verdacht, einige Erkrankungen zu begünstigen

Außerdem führt Milch dazu, dass die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin produziert. Es wird sogar vermutet, dass die Veränderung im Hormonhaushalt von Kindern durch hohen Kuhmilchkonsum eine Fehlprogrammierung von Genen verursacht. Diese Falschprogrammierung löst wiederum offenbar das verstärkte körperliche Wachstum aus.

Zu viel Milch steht deshalb im Verdacht, die Entstehung folgender Erkrankungen zu begünstigen: Akne, Fettleibigkeit, Diabetes, metabolisches Syndrom, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs. Studien haben gezeigt, dass ein intensiver Milchkonsum das Risiko für Prostatakrebs erhöhen kann. Das Max-Rubner-Institut berechnete, dass das ab einer Aufnahme von 1,5 Gramm Kalzium am Tag relevant wird: So viel Kalzium enthalten beispielsweise 1,25 Liter Milch oder 140 Gramm Hartkäse. Männer sollten daher Milch und kalziumreichen Käse nicht in rauen Mengen zu sich nehmen. Dazu gehören vor allem die Sorten Parmesan und Emmentaler, aber auch Gouda und Edamer.

Erhöht Kuhmilch das Risiko für Allergien?

Viele Eltern geben ihrem Kleinkind zudem keine Milch, um es vor Allergien zu schützen. Neuen Studien zufolge erhöht der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel das Risiko für eine Allergie aber erst. Kinder, die keine Kuhmilch trinken, bis sie ein Jahr alt sind, haben einer kanadischen Untersuchung zufolge ein fast viermal so hohes Risiko, auf Kuhmilcheiweiß allergisch zu reagieren, wie Kinder, die Milch früher zu trinken bekamen. Darauf weist der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hin. Die aktuelle Empfehlung lautet: die ersten vier Monate stillen oder Flasche geben, dann zügig Beikost einführen.

Sojamilch ist auch nicht ohne

In Sojamilch stecken sogenannte Phytoöstrogene, das sind pflanzliche Hormone. Sie ähneln dem weiblichen Sexualhormon Östrogen. Es heißt, dass sie Wechseljahrsbeschwerden lindern können. Außerdem können sie möglicherweise vor Brustkrebs schützen oder aber im Gegenteil: das Wachstum von Brustkrebszellen fördern. Hier ist die Forschungslage noch uneinheitlich. Ernährungsexperten raten deshalb davon ab, viel Sojamilch zu trinken. Ein halber Liter gilt aber noch als unbedenklich.

Das Eiweiß aus der Sojabohne kann zudem allergische Reaktionen auslösen.

Was nun?

Bis es aussagekräftigere Studien zu den Auswirkungen von Milchkonsum und Sojamilchkonsum gibt, ist wohl noch Geduld angesagt. Bis dahin sollte weder Milch noch Soja in rauen Mengen verzehrt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt sehr überschaubare Portionen von Milch beziehungsweise Milchprodukten am Tag:

  • 200 bis 250 g fettarme Milch und Milchprodukte und
  • 2 Scheiben (50 bis 60 g) fettarmen Käse

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) emfpielt, Babys nicht mit Produkten auf Sojabasis zu füttern, weil es noch an gesicherten Erkenntnissen zur Auswirkung fehlt.

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