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Wie sinnvoll sind Lernspiele f├╝r Kinder?

Von dpa-tmn
09.11.2011Lesedauer: 3 Min.
Brauchen Kinder spezielle Lernspiele, oder gen├╝gt das gute, alte Puzzle?
Brauchen Kinder spezielle Lernspiele, oder gen├╝gt das gute, alte Puzzle? (Quelle: /imago-images-bilder)
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Profitieren Kinder wirklich von Lernspielen? Die Auswahl auf dem Spielemarkt ist mittlerweile schier un├╝berschaubar. Viele Eltern fragen sich: Welches Lernspiel f├Ârdert mein Kind am besten? Braucht es ├╝berhaupt industriell hergestellte Spiele, um zu lernen? Psychologen halten Alltagsgegenst├Ąnde oft f├╝r das gelungenere Spielzeug.

Spielerisch ein kleiner Einstein werden?

Ob Albert Einstein wohl regelm├Ą├čig mit seinem Fu├č gekreist hat? Oder wie ein Hase geh├╝pft ist? Solche ├ťbungen sollen Kinder ab vier Jahren bei dem Spiel "Einstein Exercises" des kanadischen Herstellers Roylco ausf├╝hren. Vom kindlichen Stress sollen diese Bewegungen befreien, gleichzeitig die Leistung in der Schule verbessern helfen und die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn um 20 Prozent steigern, hei├čt es auf der Spieleverpackung. Und apropos Gehirn: Bei den "Brain Molds" glibbert ein aus Gelatine geformtes Gehirn vor sich hin. Kinder ab f├╝nf Jahren k├Ânnen die Form mit verschiedenen Farben f├╝llen, um etwas ├╝ber die einzelnen Gehirnareale zu lernen. In der Kategorie Lernspiele erscheinen jedes Jahr neue Produkte auf dem Markt. Die Spielwarenmesse in N├╝rnberg widmete dem Segment in diesem Jahr sogar zwei Hallen.

Durch Spiele erschlie├čen sich Kinder die Welt

Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist Spielen f├╝r Kinder der Hauptzugang zur Welt. Dabei lernen sie automatisch etwas, zum Beispiel mit anderen zu interagieren oder Regeln einzuhalten. "Die Trennung von Spielen und Lernen ist von Erwachsenen gemacht", sagt Gudrun Schwarzer, Leiterin der Abteilung f├╝r Entwicklungspsychologie an der Justus-Liebig-Universit├Ąt Gie├čen. Durch Spielen k├Ânnen Kinder au├čerdem Erlebtes verarbeiten.

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Viele Spielzeuge lassen nicht genug Raum f├╝r eigene Entdeckungen

Eine spezielle Form oder Idee muss das Spielzeug nicht besitzen. "Kinder finden per se alles interessant, auch Alltagsdinge, die Eltern in der Hand haben", sagt Schwarzer. Dem schlie├čt sich Donata Elschenbroich an: "In den Alltagsgegenst├Ąnden steckt so viel Wissen. Spielzeug ist oft viel zu eindimensional, es ist schon fertig, und das Spiel im Voraus definiert", erkl├Ąrt die Kulturwissenschaftlerin. "Gutes Spielzeug sollte nur zu zehn Prozent Spielzeug sein und zu 90 Prozent Kind."

Folge der Pisa-Studie: Kinder sollen mehr lernen

Viele Produkte auf dem Markt gaukeln allerdings vor, dass es anders geht: Lesef├Ârderung durch Buchstabenspiele, Schulung der Feinmotorik durch Bausets. "Eltern sind besonders empf├Ąnglich daf├╝r, ihre Kinder schon im Vorschulalter zu f├Ârdern", sagt der Entwicklungspsychologe Professor Axel Sch├Âlmerich. Diese Einsch├Ątzung teilt Katja Nikisch, Pressesprecherin beim Spielehersteller Haba. Dort machen Lernspiele etwa 40 Prozent der Produktpalette aus: "Seit der Pisa-Studie achten die Eltern verst├Ąrkt darauf, dass ihre Kinder beim Spielen etwas lernen. F├╝r uns ist das ein stetig wachsendes Segment."

Kinder nicht mit Lernspielen unter Druck setzen

Professor Sch├Âlmerich von der Ruhr-Uni Bochum sieht die gut gemeinte F├Ârderung kritisch: "F├╝r Eltern ist es schwierig, eine Balance zu finden. Doch neben einer intellektuellen Unterversorgung gibt es auch eine ├ťberstimulierung." Seiner Meinung nach sollten Spiele in erster Linie Spa├č machen - und nicht zum Lenken kindlicher Interessen eingesetzt werden. Kinder h├Ątten ohnehin einen ganz guten Schutzmechanismus, um sich gegen ungeliebte Dinge zu wehren: "Kindern ein Rechenspiel hinzustellen und zu sagen 'Jetzt spielt mal sch├Ân' funktioniert einfach nicht, wenn sie sich f├╝r B├╝cher und Sprache interessieren."

Auch von Haustieren k├Ânnen Kinder lernen

Grunds├Ątzlich fehlt eine Definition dar├╝ber, was genau ein Lernspiel ist. "Warum ist ein Haustier zum Beispiel keines?", fragt Sch├Âlmerich. Schlie├člich lernten Kinder dabei eine Menge, etwa Verantwortung zu ├╝bernehmen oder, bei gr├Â├čeren Tieren, ihre Angst zu ├╝berwinden. Zum zweiten fehlen bei den als Lernspielen beworbenen Produkten wissenschaftliche Erkenntnisse dar├╝ber, ob sie einen messbaren Effekt erzielen - also ob das Kind danach besser lesen, rechnen oder greifen kann.

Wie Eltern Spiele begleiten sollten

Spiele sind vor allem bei kleinen Kindern kein Selbstl├Ąufer. Experten sind sich einig, dass die Kommunikation dar├╝ber und die Einbettung in einen sozialen Kontext wichtig sind. "Kinder lernen durch Beobachten und Nachahmen. Eltern sollten deshalb beim Spielen mitmachen", r├Ąt Sch├Âlmerich. Um das richtige Spiel f├╝r ihre Kinder zu finden, sollten sie sich haupts├Ąchlich an deren Interessen orientieren. Dabei k├Ânne es aber nicht schaden, Alternativen anzubieten. Professor Sch├Âlmerich beschreibt das als "Blumenstrau├č-Modell": Interessiert sich das Kind zum Beispiel f├╝r Dinosaurier, kommt vielleicht auch ein Buch zur Geschichte der Evolution gut an.

Das richtige Ma├č finden

Eine Garantie daf├╝r, dass Eltern damit richtig liegen, gibt es aber nicht: "Damit m├╝ssen die Erwachsenen dann leben, wenn ihr Angebot nicht akzeptiert wird", sagt Sch├Âlmerich. Letztlich gehe es genau darum, findet Entwicklungspsychologin Schwarzer: "Lernspiele sollten ein Angebot sein. Werden Kinder mit einem Thema ├╝ber die Grenzen getriezt, kann das noch als Erwachsener wie ein rotes Tuch sein."

Spiele kostenlos ausprobieren

Viele Bibliotheken oder Spieletreffs haben ├╝ber eine Auswahl an Spielen, die Eltern mit ihren Kindern erst einmal ausprobieren k├Ânnen. "Es lohnt sich zu schauen, ob das Spiel dem Kind liegt und es daran Spa├č hat", sagt Katja Nikisch, Pressesprecherin beim Haba-Spieleverlag. Dann k├Ânnten Eltern entscheiden, welche Spiele zum Beispiel unter dem Weihnachtsbaum liegen sollen.

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