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"Vertrauliche Geburt" – Gute Alternative zur Babyklappe?

Fragen und Antworten  

"Vertrauliche Geburt" – gute Alternative zur Babyklappe?

16.05.2019, 10:08 Uhr | dpa, AFP, cch, t-online.de

"Vertrauliche Geburt" – Gute Alternative zur Babyklappe?. Neugeborenes: Nicht jedes Baby ist ein Wunschkind. (Symbolbild) (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/nazar_ab)

Neugeborenes: Nicht jedes Baby ist ein Wunschkind. (Symbolbild) (Quelle: nazar_ab/Thinkstock by Getty-Images)

Als Alternative zur Babyklappe ist im Mai 2014 in Deutschland die "vertrauliche Geburt" eingeführt worden. Was hat sie bisher gebracht?

Welchen Sinn soll die "vertrauliche Geburt" haben?

Überforderung, Vergewaltigung, gewalttätige Väter – es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen ihr Baby weggeben und unerkannt bleiben wollen. In solchen Fällen ist die Babyklappe eine mögliche Option, aber keine unproblematische: Die Frauen bringen ihr Kind nämlich allein zur Welt, ohne medizinische Betreuung. Zudem wird den Kindern damit jede Möglichkeit genommen, jemals etwas über ihre Herkunft zu erfahren.

Die "vertrauliche Geburt" hingegen ermöglicht einer Schwangeren, ihr Kind in einem Krankenhaus oder bei einer Hebamme zur Welt zu bringen und trotzdem vorerst anonym zu bleiben. Die Personendaten der Mutter werden in einem versiegelten Umschlag bei der zuständigen Adoptionsstelle aufbewahrt, bleiben jedoch mindestens bis zum 16. Geburtstag des Kindes unter Verschluss.

Mit der "vertraulichen Geburt" soll auch verhindert werden, dass verzweifelte Frauen ein Kind ohne medizinische Betreuung heimlich zu Hause gebären oder das Neugeborene aussetzen oder sogar töten.

Vertrauliche Geburt: So läuft eine vertrauliche Geburt ab. (Quelle: dpa)Vertrauliche Geburt: So läuft eine vertrauliche Geburt ab. (Quelle: dpa)

Wird diese Regelung von den Schwangeren angenommen?

Seit der Einführung der vertraulichen Geburt 2014 sind mehr als 570 Kinder auf diesem Wege zur Welt gekommen. Das geht aus einer Analyse des Bundesfamilienministeriums hervor. Von insgesamt 536 solcher Geburten in den Jahren 2014 bis 2018 blieben laut Familienministerium 499 bis heute anonym. In den übrigen Fällen verzichteten die Mütter später auf die Anonymität.

Die Zahl anonymer Kindesabgaben, die bis 2013 stetig auf damals 147 Fälle angestiegen war, ging 2014 zunächst deutlich zurück. Sie stieg danach aber wieder auf jährlich gut 150 Fälle an. Der starke Anstieg der Jahre zuvor setzte sich jedoch nicht mehr fort. Das Familienministerium warnte auch davor, die Zahlen der Kindesabgaben mit denen der vertraulichen Geburten zu addieren. So hätte sich ein Teil derjenigen Frauen, die von der zweiten Möglichkeit Gebrauch machten, sonst möglicherweise für eine Abtreibung entschieden.

Das Hilfetelefon "Schwangere in Not – anonym & sicher" ist 24 Stunden kostenlos erreichbar unter der Telefonnummer 0800/4040020. Auf der Website www.geburt-vertraulich.de finden schwangere Frauen in Not weitere Informationen und eine Beraterin in ihrer Nähe.

Was passiert nach der Geburt?

Das Jugendamt nimmt das Baby in Obhut und macht sich auf die Suche nach Adoptiveltern. Der Name der leiblichen Mutter wird unterdessen in einem versiegelten Umschlag verwahrt, den niemand öffnen darf – außer dem Kind, wenn es 16 Jahre alt ist. In Ausnahmefällen kann die Mutter sogar vor Gericht durchsetzen, dass sie dauerhaft anonym bleibt. Dafür müsste allerdings ihr Leben, ihre Gesundheit oder ihre persönliche Freiheit bedroht sein.

Wer übernimmt die Koste für eine "vertrauliche Geburt"?

Für die Schwangere ist sowohl die Beratung als auch die "vertrauliche Geburt" an sich kostenlos. Die Kosten trägt der Bund. Wenn die Mutter nach der Geburt ihre Anonymität doch aufgeben möchte, kann der Bund die Kosten von der Krankenversicherung zurückfordern. Auf die Mutter kommen auch dann keine Kosten zu.

Kann sich die Mutter nach der Geburt noch einmal umentscheiden?

Die Mutter wird auch nach der Geburt von der Beratungsstelle und Medizinern unterstützt. Wenn sich die Situation der Mutter ändert, kann sie sich in den ersten Monaten nach der Geburt doch noch für ein Leben mit ihrem Kind entscheiden. Allerdings nur bis zum Beginn des offiziellen Adoptionsverfahrens; das startet in der Regel nach etwa einem Jahr. Wenn diese Frist abgelaufen ist, gibt es für die leibliche Mutter keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mehr.

Welche Kritik gibt es an der "vertraulichen Geburt"?

Als das entsprechende Gesetz im Juni 2013 vom Bundestag verabschiedet wurde, gab es Zweifel am Erfolg des Vorhabens. Die Grünen-Abgeordnete Katja Dörner warnte damals: "Dass letztlich die Entscheidung über die Aufgabe der Anonymität beim Familiengericht und nicht bei der Mutter liegt, ist ein entscheidender Webfehler im Gesetzentwurf."

Verwendete Quellen:

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