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Neues Gesetz: Bundesweit vernichten Samenbanken Spermien

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Neues Gesetz  

Samenbanken vernichten Spermien

08.08.2018, 18:26 Uhr | Larissa Koch, t-online.de, lk

Neues Gesetz: Bundesweit vernichten Samenbanken Spermien. Arzt hält Samenspende im Becher (Quelle: Getty Images/Tero Vesalainen)

Samenspende: Lehnt der Spender die zentrale Speicherung seiner Daten ab, müssen die Spermien vernichtet werden. (Quelle: Tero Vesalainen/Getty Images)

Wer eine Samenspende geben möchte, muss seine Daten jetzt in einem zentralen Register in München hinterlegen. Dort werden sie für mehr als hundert Jahre gespeichert. Bundesweit vernichten Samenbanken deshalb jetzt Samenspenden.

Die einzige Samenbank im Freistaat Thüringen hat ihre gesamten Samenspenden vernichtet. Der Grund: Es gibt ein neues Gesetz über den Umgang mit den Daten der Spender. Denn diese müssen im Falle der Zeugung eines Kindes seit dem 1. Juli 2018 alle an das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (Dimdi) in Köln gemeldet werden. Dort werden sie aktuell gehalten, das heißt der Wohnort des Spenders wird stets erfasst. Die Informationen werden dann für 110 Jahre gespeichert. 

Jeder, der sein Leben einem Samenspender zu verdanken hat, kann dann ab dem Alter von 16 Jahren die Daten (Name, Geburtsdatum, Wohnort) seines Vaters abfragen und ihn kontaktieren. Sie haben einen gesetzlichen Auskunftsanspruch, der dann auch realisiert werden kann. Und zwar ausgesprochen schnell: Die Informationen werden binnen 48 Stunden zur Verfügung gestellt. Das zentrale Register informiert auch den Spender, damit dieser sich auf eine Kontaktaufnahme einstellen kann.

Bislang mussten lediglich die Samenbanken die Daten der Spender für 30 Jahre speichern und nicht aktuell halten. War der Spender verzogen, mussten seine Nachkommen die Suche selbst in die Hand nehmen. Kinder, die vor dem 1. Juli 2018 gezeugt wurden, müssen nach wie die Samenbank bitten, ihnen Auskunft über den Erzeuger zu geben. 

Noch ist unklar, wie groß der Verlust von Samenspenden bundesweit ist

Die Neuregelung bedeutete für die Thüringer Samenbank das Aus für sämtliche Spenden. Weitere wird es nicht geben. Wie eine Mitarbeiterin t-online.de sagte, sei keiner der Spender bereit, seine Daten zentral und für diesen langen Zeitraum erfassen zu lassen. Die Samenbank, die zudem ein reproduktionsmedizinisches Zentrum ist, verhandelt laut Medienberichten nun mit einer Berliner Samenbank. Gegebenenfalls würden die Thüringer dann Spenden aus der Hauptstadt beziehen. Denn selber Spender zu rekrutieren, die mit den neuen Bedingungen zur Datenspeicherung einverstanden sind, ist der Praxis offenbar zu aufwändig.  

Wie groß der Verlust von Spenden bundesweit ist, lässt sich noch nicht beziffern. Die Samenbanken sind teilweise noch damit beschäftigt, ihre Spender zu kontaktieren. Diese müssen nämlich der Weitergabe ihrer Daten an das Zentralregister zustimmen. Ob die Samenbanken ihre Spender erreichen und überzeugen, variiert von Samenbank zu Samenbank. Einer Berliner Samenbank zufolge würden sich einige Spender nicht melden. Bis dahin halte man die Proben zurück. Der Großteil der Spender habe jedoch der Datenweiterleitung zugestimmt, erklärte eine Mitarbeiterin. Insofern ist in dieser Samenbank die Bereitschaft zur Weitergabe der personenbezogenen Informationen offenbar größer als bei den Thüringern. 

Spermien sind übrigens kein Sondermüll. Die Labore können sie ganz normal in der Hausabfalltonne entsorgen.

Die Zahl der Samenspender wird weiter sinken

Es ist absehbar, dass die Zahl der Samenspenden infolge der Neuregelung weiter sinken wird. Ohnehin hat sich die Spenderzahl in den letzen Jahren deutlich verringert. Grund ist jedoch nicht etwa eine gesunkene Spendenbereitschaft, sondern der medizinische Fortschritt. Denn Samenspenden waren bislang vor allem dann nötig, wenn die Spermien des Mannes im Ejakulat fehlten oder nicht vital genug waren, um es bis zur Befruchtung zu schaffen. Manche Männer produzieren zwar Spermien, aber sie werden nicht mit dem Ejakulat ausgeschieden. Reproduktionsmediziner können dann die Keimzellen aus dem Hoden des Mannes entnehmen und für die Befruchtung der Frau verwenden. Sind die Spermien langsam oder kraftlos, können die Ärzte sie in der Petrischale auf Trapp bringen und die Befruchtung in Vitro vollziehen, während sie beim Geschlechtsakt nicht funktionierte. 

Insofern sind es nur noch recht wenige Frauen, die tatsächlich auf einen Fremdspender angewiesen sind, weil der Partner keine Spermien produziert oder aber diese nicht funktionieren. Durch Spenden an die Thüringer Samenbank etwa sind in früheren Jahren jährlich rund 30 Kinder entstanden. Inzwischen, so heißt es in der Praxis, sind es nur noch etwa zehn pro Jahr. Insofern ist auch fraglich, ob sich das Geschäft für manche Samenbank überhaupt noch lohnt.

Eine Samenspende ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Zunächst wird der Spendenwillige gesundheitlich durchgecheckt. Vor jeder erneuten Spende wird Blut abgenommen, etwa um Infektionen auszuschließen. Der Verdienst je Spende liegt bei rund 60 bis 100 Euro. In Deutschland werden jährlich etwa 1.000 Kinder infolge einer ärztlich durchgeführten Spendersamenbehandlung geboren. 

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