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Lange Kleidung auch bei ├╝ber 30 Grad

  • Jennifer Buchholz
Von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 11.06.2019Lesedauer: 5 Min.
Obdachlose auf der Stra├če: Wohnungslose haben meist ihr ganzes Hab und Gut bei sich.
Obdachlose auf der Stra├če: Wohnungslose haben meist ihr ganzes Hab und Gut bei sich. (Quelle: Rust/imago-images-bilder)
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"Der Sommer ist f├╝r viele Obdachlose doch gar kein Problem, schlie├člich k├Ânnen sie jetzt drau├čen schlafen und erfrieren nicht", m├Âgen viele denken. Das ist aber falsch. Denn der Sommer und gerade die hohen Temperaturen machen es Menschen, die auf der Stra├če leben, besonders schwer. t-online.de war vor Ort und hat mit Betroffenen gesprochen.

Wer auf der Stra├če lebt, riecht ÔÇô vor allem im Sommer. Gerade jetzt f├Ąllt Obdachlosigkeit eher durch einen bei├čenden, stechenden Geruch auf. Kein Wunder. Denn im Gegensatz zu uns haben Obdachlose selten die M├Âglichkeit, morgens oder abends zu duschen, ihre durchgeschwitzte Kleidung zu waschen oder vor der Hitze an einen k├╝hlen, klimatisierten Platz zu fl├╝chten.

Einige Notunterk├╝nfte und Einrichtungen f├╝r Bed├╝rftige haben zudem im Sommer geschlossen. Zum einen sind viele ehrenamtliche Mitarbeiter im Urlaub, zum anderen fehlen Mittel, Hilfsprojekte das ganze Jahr ├╝ber finanziell zu unterst├╝tzen. Und so ├╝bernachten einige Obdachlose nachts unter freiem Himmel oder in behelfsm├Ą├čigen Zelten in Parks ÔÇô doch sp├Ątestens bei Sonnenaufgang werden diese Orte vom Ordnungsamt oder Sicherheitspersonal ger├Ąumt.

"Fr├╝her war das noch nicht so", berichtet Uwe, ein ehemaliger Obdachloser t-online.de. Da wurde es den auf der Stra├če lebenden Menschen sogar noch gestattet, kostenlos in Krankenh├Ąusern oder anderen Einrichtungen zu duschen. "Mittlerweile kostet alles Geld", sagt Uwe, der bei Stadtf├╝hrungen von querstadtein e. V. Interessierten das Leben auf der Stra├če aus seiner Sicht erkl├Ąrt. Teilweise sei es aber auch f├╝r Bed├╝rftige nicht mehr m├Âglich, Sanit├Ąrr├Ąume in ├Âffentlichen Einrichtungen aufzusuchen. Das Sicherheits- und Wachpersonal hindere sie daran. "Dass du stinkst, ist dir dann nach einiger Zeit auch egal und eins deiner geringsten Probleme", erinnert sich Uwe. Man gew├Âhne sich an die mangelnde Hygiene, sagt er. Es gibt aber auch viele Obdachlose, f├╝r die ein gepflegtes ├äu├čeres sehr wichtig ist.

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Lange Kleidung auch bei ├╝ber 30 Grad

Viele Obdachlose besitzen nur wenige Sachen, die sie wenn m├Âglich, immer bei sich tragen. So auch im Sommer. Das hat zur Folge, dass viele von ihnen trotz hoher Temperaturen sehr dick angezogen sind. Entweder weil sie ihre Kleidung sonst in T├╝ten mich sich herumschleppen m├╝ssten oder weil sie nicht ausreichend luftige Kleidung besitzen. Einige Obdachlose tragen trotz hoher Temperaturen ihre lange Kleidung aber auch, um sich vor der Sonne zu sch├╝tzen. Sonnenschutzcremes besitzen die wenigsten ÔÇô schwere und schmerzhafte Sonnenbr├Ąnde sind die Folge, wenn die Haut nicht durch die Kleidung gesch├╝tzt wird.

Das hat gesundheitliche Folgen: Auf der Stra├če lebende Menschen schwitzen schnell und stark und dehydrieren h├Ąufiger. Zudem k├Ânnen Wunden, Hauterkrankungen sowie eitrige Flechte oder Pilzerkrankungen wegen der Kleiderschichten, dem Schwei├č und der mangelnden Hygiene nicht verheilen. Zwar gibt es Duschm├Âglichkeiten, diese d├╝rfen jedoch ÔÇô beispielsweise bei der Caritas ÔÇô nur bei gesundheitlichen Notf├Ąllen benutzt werden. Andere M├Âglichkeiten, beispielsweise ├Âffentliche Duschen an Hauptbahnh├Âfen ÔÇô sind h├Ąufig teuer. Sie zu benutzen kostet rund sieben Euro. Geld, das viele Obdachlose nicht haben, oder lieber f├╝r andere Dinge ausgeben.

Obdachloser in einer U-Bahn-Station. K├Âln
Wohnungslos: Auch an hei├čen Sommertagen tragen viele Obdachlose lange Kleidung und Jacken ÔÇô und schwitzen dadurch besonders stark. (Symbolbild) (Quelle: picture alliance/Geisler-Fotopress, Fotograf: Christoph Hardt)

In Berlin wei├č man das und so hat die Deutsche Bahn mit der Berliner Stadtmission 2015 das bisher einzige Hygienecenter in Deutschland er├Âffnet. "Dort haben Obdachlose und Bed├╝rftige die M├Âglichkeit, sich zu duschen, sich zu rasieren oder sich auch mal die Haare schneiden zu lassen", erkl├Ąrt Ortrud Wohlwend, Leiterin der ├ľffentlichkeitsarbeit der Berliner Stadtmission. "Das Angebot ist kostenlos und steht jedem zur Verf├╝gung." Wohlwend berichtet t-online.de, dass das Angebot gerne angenommen werde. Die Hygiene und die Pflege gebe ihnen ein St├╝ck W├╝rde zur├╝ck. Einige nehmen das kostenlose Angebot sogar fast t├Ąglich an, erkl├Ąrt Wohlwend stolz.

Aufgrund der extremen Hitze will der Berliner Senat am Wochenende kostenlose Wasserflaschen und Sonnencreme an Obdachlose verteilen. "Wir alle versuchen, uns in diesen Tagen vor den Folgen der anhaltenden Hitze und Trockenheit zu sch├╝tzen. F├╝r Menschen, die auf der Stra├če leben, ist das sehr viel schwerer", sagte Daniel Tietze, Staatssekret├Ąr f├╝r Integration. Obdachlosen fehle es an gesch├╝tzten R├╝ckzugsr├Ąumen, angemessener Kleidung und wetterangepasstem Essen und Trinken.

"Du trinkst mehr ÔÇô um alles auszublendenÔÇť

"Trinken ist wichtig, sonst versagt der Kreislauf", wei├č auch Uwe aus eigener Erfahrung. Dass Obdachlose, wie einige Medien berichten, absichtlich dehydrieren, um dann im Krankenhaus einige Tage versorgt zu werden, ist ihm nicht bekannt. Vor allem in Berlin gebe es genug M├Âglichkeiten, an Trinkwasser zu gelangen, best├Ątigen Uwe und auch Ortrud Wohlwend. "Vielmehr ist das Problem im Sommer, dass du mehr trinkst. Und zwar Alkohol. Unter anderem, um deine Psychosen auszublenden", so Uwe. Diese treten im Sommer verst├Ąrkter als im Winter auf. Den wenn es kalt ist, geht es ums nackte ├ťberleben. Sobald die Temperaturen wieder angenehm sind, kommt alles hoch, was man w├Ąhrend des Winters so gut verdr├Ąngt hat: Depressionen, Halluzinationen und andere psychische St├Ârungen. Diese sind teilweise so stark, dass eine Bew├Ąltigung des Alltags kaum m├Âglich ist. Dabei ist gerade die Kombination, Alkohol und Hitze, besonders gef├Ąhrlich. Der Alkohol verschlechtert den Gesundheitszustand drastisch und mache zudem noch aggressiv. Doch in dem Moment sei dir das egal, so Uwe. "Du willst alles ausblenden. Zudem sind zwei Bier auch eine Schrippe und f├╝llen den Magen."

Das w├╝nschen sich Obdachlose

M├Âchten Sie Menschen helfen, aber einem auf der Stra├če Lebenden kein Geld geben, so k├Ânnen Trinkwasser, Limonade, Hygieneartikel (Deo, Seife, Sonnenschutzcreme) oder Obst gespendet werden, sagt Uwe. Auch ├╝ber ein Eis freuen sich viele Obdachlose an hei├čen Tagen. Am besten fragen Sie vorher, welche Dinge ben├Âtigt werden. Zudem sollen Spender nicht entt├Ąuscht sein, falls ihr Geschenk nicht angenommen werde, r├Ąt Uwe. "Einige auf der Stra├če lebenden Menschen sind manchmal sehr eigen." Viele nehmen Hilfe ungern an. "Es gibt M├Âglichkeiten, aus diesem Sog der Obdachlosigkeit herauszukommen. Aber der Weg ist steinig, hart und schwer. Das bedeutet: Stolpern, hinfallen und wiederaufstehen", sagt Uwe. Und das k├Ânne man nur, wenn man wirklich will und sich helfen l├Ąsst.

Berlin plant Trinkbrunnen

Sowohl f├╝r die Berliner als auch f├╝r die Touristen und Obdachlosen will die Stadt Berlin bis Ende 2019 zus├Ątzlich mindestens 100 neue Trinkbrunnen in der Stadt errichten. Einige von ihnen wurden bereits errichtet. Sie sind frei zug├Ąnglich und sollen helfen, den Durst zu stillen. Das Wasser der Brunnen hat Trinkwasserqualit├Ąt. Die Standorte der Trinkbrunnen in Berlin k├Ânnen auf der Seite der Berliner Wasserbetriebe eingesehen werden.

Die Brunnen sollen dar├╝ber hinaus helfen, die Zahl der an Hitzschlag Erkrankten zu verringern und den M├╝ll durch weggeworfene Plastikfalschen zu verringern.

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Dar├╝ber hinaus sollen ├╝ber 520 Refill-Stationen in Bars, L├Ąden und Caf├ęs eingerichtet werden, an denen Flaschen ebenfalls kostenlos mit Trinkwasser gef├╝llt werden k├Ânnen. Die teilnehmenden Gesch├Ąfte werden mit einem entsprechenden Aufkleber gekennzeichnet.

"Hygieneartikel werden immer gebraucht"

Wer keinen bed├╝rftigen Menschen direkt helfen m├Âchte, kann dies auch ├╝ber soziale Einrichtungen tun. Beispielsweise sammelt der Hamburger Verein Hanseatic Help seit mehreren Jahren Schlafs├Ącke, Isomatten und Zelte nach Festivals wie Hurricane oder Deichbrand von Besuchern oder auf dem Gel├Ąnde ein. Sie werden dann aufbereitet und an Obdachlose und Bed├╝rftige verteilt.

Till Bork von der Caritas-Ambulanz f├╝r Wohnungslose in Berlin sagt t-online.de: "Nicht nur Sachspenden wie Schlafs├Ącke und Isomatten sowie Socken und festes Schuhwerk sind willkommen." Auch Sommerkleidung, gute Sandalen oder Hygieneartikel werde ben├Âtigt. "Hygieneartikel wie Einwegrasierer, Sonnencreme und Zahnb├╝rsten werden immer gebraucht und direkt an die Wohnungslosen weitergegeben."

Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um einen ├Ąlteren Artikel, der neu aufbereitet wurde.

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