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Brüste raus! Darum sollten sich Frauen auch oben ohne sonnen [dürfen]


Packt eure Brüste aus!

  • Jennifer Buchholz
Eine Kolumne von Jennifer Buchholz

04.08.2021Lesedauer: 3 Min.
Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Benehmen: Frauen dürfen in der Öffentlichkeit nicht zu viel Haut zeigen – dieser Meinung sind zumindest viele.
Benehmen: Frauen dürfen in der Öffentlichkeit nicht zu viel Haut zeigen – dieser Meinung sind zumindest viele. (Quelle: Sean Hagwell Studios/getty-images-bilder)
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Es ist Sommer. Es ist heiß und wir schwitzen. Wohl dem, der einen See zum Abkühlen in der Nähe hat – und männlich ist. Denn Frauen ist der spontane Sprung ins kühle Nass häufig verwehrt. Das zeigt die Erfahrung.

Am Wochenende machte ich mit ein paar Freundinnen einen Ausflug. Nachdem wir mehrere Stunden über Wiesen, Felder und durch ein kleines Wäldchen gestapft waren, entdeckten wir einen einsamen See. Die ideale Abkühlung – da war sie! Also raus aus unseren Klamotten und rein ins Wasser. Zu sehen war zwar weit und breit niemand. Trotzdem ließen wir unsere Unterwäsche an – man weiß ja nie. Und tatsächlich hatten wir mit unserer Vorahnung recht.

Zurück am Ufer hängten wir unsere BHs zum Trocknen auf und legten uns in die Sonne. Alles schien friedlich – perfekt. Bis ein älterer Herr auftauchte und mit erhobenem Zeigefinger und lauter Stimme brüllte "Packen Sie sofort Ihre Brüste ein!" "Aber hier ist doch niemand – somit stört es doch auch nicht", entgegnete meine Freundin. Doch, ihn würde das beim Spazierengehen stören. Hier in der Gegend gehe es gesittet zu, Frauen hätten sich entsprechend zu kleiden, schimpfte der erboste Flaneur weiter.

Des Friedens willen zogen wir uns etwas über – allerdings nur so lange, bis der Spaziergänger außer Sichtweite war. Haben Sie sich schon einmal in nasser Kleidung gesonnt? Man fühlt sich wie eine kalte, schon gekochte Pellkartoffel, deren Haut matschig und schrumpelig geworden ist.

Warum die Aufregung?

Mag sein, dass der pikierte Herr mit der Situation, plötzlich drei barbusigen Frauen zu begegnen, einfach überfordert war. Vielleicht fühlte er sich durch die Story über die Frau, die sich oben ohne in einem Park sonnte, in der bitteren Wahrnehmung bestätigt, dass "die Welt immer mehr verkommt". Ende Juni sonnte sich eine Frau auf einem Wasserspielplatz – oben ohne. Die Aufseher fassten den sichtbaren Frauenbusen als Handlung auf, die die Allgemeinheit belästige und zur Gefährdung der öffentlichen Ordnung beitrage.

Bereits damals erzürnte das Thema meine Freundinnen und mich: Nicht nur die sozialen Netzwerke verbieten das Zeigen von Brüsten und Nippeln – nein! Auch unsere angeblich doch so aufgeklärte moderne Gesellschaft ist empört, sobald Frauen mal auf das ein oder andere Kleidungsstück verzichten. Siehe die Aufregung um die Frage, ob auch mal der BH unter dem T-Shirt weggelassen werden kann.

Wer ist hier das Opfer?

Ich sehe allerdings so einige Aspekte, die bei der Diskussion nicht stimmig sind: Fast jedem (Mann) dürfte geläufig sein, wie eine weibliche Brust aussieht – egal ob durch die Partnerin, den Saunabesuch oder die Internetseite, auf der man "aus Versehen" gelandet ist. Und den Aufklärungsunterricht in der Schule gab und gibt es ja auch noch. Ein weiblicher Busen sollte also nichts Unerwartetes sein. Oder etwas, dessen Anblick einen erschreckt, erschaudern lässt oder gar verstört. Wo ist also das Problem?

Ach ja, ich weiß es: Durch eine entblößte weibliche Brust könnten einige Männer zum Opfer werden. Das zumindest offenbaren Vorwürfe wie jene, dass sich durch die körperbetonte Kleidung einiger Schülerinnen heranwachsende junge Männer nicht mehr im Unterricht konzentrieren könnten. Wirklich schlimm sind jedoch die Vorfälle, bei denen Frauen aufgrund ihrer Freizügigkeit sexuell belästigt oder gar missbraucht wurden. Einige Täter gaben an, sie könnten nichts für ihre Taten. Die fehlenden oder knappen Textilien hätten sie als Einladung für entsprechende Handlungen gedeutet – das wird übrigens auch Slutshaming genannt.

Sicherlich sollte im Beruf oder auch in der Schule ein gewisser Dresscode eingehalten werden. Aber in der Freizeit? Und im Sommer bei über 30 Grad? Also ich bin kein Fan von einem mit Schweiß vollgesogenen BH, der an der Haut klebt und darüber hinaus den Brustkorb in gewissem Maße zusammenschnürt. Und auch kreidebleiche Brüste mit dem Bikiniabdruck im Sommer, die nur mithilfe von Selbstbräuner so aussehen, als würden sie zu meinem Körper gehören, finde ich nicht so sexy.

Ich würde auch gerne beim Sonnen im Park unbesorgt mein T-Shirt ausziehen, beim Fahrrad- oder Autofahren den erfrischenden Wind am ganzen – nackten – Oberkörper spüren oder spontan in einen See hüpfen können, wenn ich keinen Bikini parat habe. Aber wo Männer nicht einmal nachdenken müssen, werden die Möglichkeiten von uns Frauen durch unsere wohlgeformten Brüste ziemlich eingeschränkt.

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Anstatt also die Brüste einzupacken, sollten Frauen sie lieber auspacken. Denn vielleicht wird ihr Anblick dadurch gewohnter und sorgt irgendwann auch bei bestimmten, sensibleren Personen für weniger Aufregung.

Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe" über Liebe, Partnerschaft und Sex.

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