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Kreuzfahrten: Ein Aida-Animateur erzählt

Ein Kreuzfahrt-Animateur erzählt  

Mit wie vielen Gästen geht's aufs Zimmer?

Von Arno Woelk, Lukas Martin, Philip Friedrichs

18.05.2019, 11:59 Uhr
 (Quelle: t-online.de)
"Frag mich": Kreuzfahrtschiff-Animateur stellt sich den Fragen der t-online.de User

Wie gut verdient eigentlich so ein Animateur auf einem Kreuzfahrtschiff? Wie wild sind die Partys an Bord wirklich? Und mit wie vielen Gästen geht es auf's Zimmer? Andreas Hompesch kann all das beantworten und stellt sich den Fragen der t-online.de User. (Quelle: t-online.de)

"Mit wie vielen Gästen geht's aufs Zimmer?": Hier stellt sich ein Kreuzfahrtschiff-Animateur den Fragen der t-online.de-User. (Quelle: t-online.de)


Andreas Hompesch hat jahrelang auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Mit der Aida war er vom Mittelmeer bis zur Karibik, von der Nordsee bis zum Nordkap unterwegs. Er hat die Kreuzfahrtwelt hinter den Kulissen erlebt. Die t-online.de-Nutzer haben ihm Fragen gestellt, er antwortet im Video.

Rebekka Wagner: Hattest du ein schlechtes Gewissen wegen des Feinstaubs und der Umweltbelastung durch Kreuzfahrtschiffe?

Andreas Hompesch: Ganz ehrlich? Nö. Das einzige, wo es ein bisschen gestört hat: Wir hatten hinter dem Schornstein ein Volleyballfeld. Wenn wir dort gespielt haben, musste der ein oder andere Gast danach ein bisschen husten. Aber ansonsten: Spaß war da angesagt.

Tobias: Wer sind die schlimmsten Gäste?

Man steht als Animateur unten an der Gangway und begrüßt die neuen Gäste. Auf der Aida galt das "Du". Wenn man jetzt die Gäste auf den Kanarischen Inseln mit "Du" begrüßt hat, kamen Sätze wie: "Kennen wir uns schon?" und "Ich möchte gesiezt werden". Das fand ich immer unangenehm.

Pit: Die internen Schiffspartys sind berüchtigt. Ist was an den Gerüchten dran?

Es ist auf jeden Fall was dran, das ist aber ein bisschen abgeebbt. Man hatte früher Partys wie "Haifischbar" oder "Piratenpoolparty". Da hat man sehr starken Kontakt zu den Gästen gehabt. Wir sind durch die Restaurants gezogen und haben das Essen vom Teller geklaut und den Wein in uns hineingeschüttet. Das waren mit die berüchtigtsten Partys, die wir auf den Schiffen gefeiert haben. Schade, gibt's leider nicht mehr.

Rhabarbara: Wie groß ist das Problem Alkohol an Bord?

Dazu kann ich einen Schwank erzählen: Es gab einen Abend so eine Hüttenparty, wo das Bayerische Einzug gehalten hat. Dort wurde extra ein Holzpflock auf's Schiff gebracht und "genagelt". Da haben die Gäste immer sehr darüber gelacht und gefragt: "Wen nagelt Ihr denn da?" Es ging darum: Man hatte einen Hammer und einen längeren Nagel – den musste man im Holzpflock versenken. Wer ihn als Vorletzter geschlagen hatte, der musste eine Runde zahlen. Aida-Schiffe werden auch gechartert. Weil die Leute sonst alles kostenfrei nutzen konnten, hatten sie Geld fürs "Nageln" übrig. Da waren sie sehr aktiv und wir Animateure waren die ganze Zeit mit dabei. Nach vier Stunden hat man nur noch verwaschen gesprochen. Das ist schon recht heftig gewesen. Wie man dann auf Kabine kam, wussten manche am nächsten Tag nicht mehr.

Silke Wiedersich: Stichwort Küblböck. Angeblich verschwinden pro Jahr 23 Personen von Kreuzfahrtschiffen. Haben Sie das mal erlebt und wie reagiert die Crew darauf?

Es gibt Selbstmörder, die buchen eine Kreuzfahrt, um irgendwann vom Balkon runterzuspringen oder ganz oben vom Pooldeck. Die fallen erst auf, wenn man komplett ausgeschifft hat. Naja, wie soll man darauf reagieren? Man kriegt das erstmal nicht mit und wenn es dann auffällt, ist es auch schon wieder zu spät.

Peter Frank: Was würdest du machen, wenn Florian Silbereisen Dein Kapitän wäre?

Ich glaube ich würde die Flotte wechseln und auf eine andere Reederei gehen. Nö, das muss nicht sein. Das würde natürlich die Schiffe füllen, wenn man sich die Einschaltquoten anschaut, die Florian Silbereisen im deutschen TV hat. Ist nicht so ganz mein Typ.

Martin Liebler-Seitz: Warum hat man an Bord von Nervköppen wie Dir niemals seine Ruhe?

Ich finde, das entspricht nicht der Wahrheit. Wir fragen freundlich, ob jemand die Aktion mitmachen möchte. Es wird niemand gezwungen. Wir haben noch keinen mit Handschellen abgeführt, der dann beim Bingo mitmachen musste oder beim Shuffleboard. Es ist alles freiwillig und wir versuchen einfach so freundlich wie möglich, die Leute zu motivieren, mitzumachen. 

Ralle Belle: Wo kann man auf dem Schiff auch mal entspannt abtauchen?

Die neuen Schiffe bewegen sich so zwischen 2.500 und 5.000 Leuten. Wenn jetzt alle gleichzeitig entspannen wollten, dann wäre eine Wellness-Oase relativ schnell voll. Es ist aber erstaunlich, das Leben auf dem Schiff verteilt sich relativ gut. Ich kann deshalb trotzdem nur den Wellnessbereich empfehlen, wo man seine Abtauch-Oase hat und wo man sich auch mal privat zurückziehen kann. 

Mirko Pfeifer: Geht die Kacke und das Pipi in den Ozean oder werden sie gefiltert für neues Duschwasser?

Die heutigen Schiffe arbeiten nach gewissen DIN-Normen, sonst dürfen sie den Hafen gar nicht verlassen. Bei denen ist natürlich auch der Umweltaspekt berücksichtigt. Dort wird alles entsprechend gefiltert und in das Meerwasser entlassen: Das ist das sogenannte Brackwasser. Es gibt auch Müllverbrennungsanlagen, weil keine Müllberge ins Wasser abgelassen werden dürfen.

Gerald Kuklinski: Wie lange dauert es, bis der letzte Rest Selbstachtung flöten gegangen ist?

Da sehe ich nicht das Problem. Ich bin ja freiwillig dorthin gegangen, weil ich die Leute bespaßen möchte – und das ist, was viele Leute nicht nachvollziehen können, weil das ein Leben fernab von dem ist, was wir Otto Normalverbraucher in Deutschland oder auf der Welt haben und das macht als Animateur nur Spaß. Man darf gut drauf sein, man darf Späße machen, was will man mehr? Ich hatte da kein Problem mit meiner Selbstachtung. 

Michael Kremser: Mit wie vielen Gästen geht's aufs Zimmer?

Es kommt häufig eine Frage von Gästen an Animateure, ob männlich oder weiblich: "Ich habe hier 'All inclusive' gebucht, gehörst Du denn auch mit dazu?" Und dann kann man ja entscheiden, ob man das machen möchte oder nicht. Ich sag mal so: Von der Schiffsordnung her ist es eigentlich unerwünscht, dass dort so ein Kontakt zustande kommt. Aber ein befriedigter Gast ist ja auch ein wiederkehrender Gast.

Alfred Haagen: Welche Kabinen sollte man meiden?

Beim Anlegen wackelt das ganze Schiff. In der Nähe vom Motor sollte man Innenkabinen möglichst meiden. Dort ist es einfach lauter. Aber ihr seid doch nur zum Schlafen da. Und wenn ihr vorher bei uns beim "Hüttenzauber" wart und "genagelt" habt, dann könnt ihr prima schlafen. Auch neben dem Motor.

Tobi Kimetto: Wieviel verdient man?

Ich sag mal so: Es reicht zum Leben. Stellt euch einfach vor, ihr braucht zu Hause keine Mietwohnung mehr bezahlen, ihr werdet dort verpflegt. Da hat man Spaß und es lohnt sich.  

Adi Sporer: Was war Ihre schönste Seereise?

Ich habe eine ganze Menge von der Welt gesehen. Ich war im Mittelmeer, auf Korfu, in Cannes, in Barcelona, wir waren im Geirangerfjord unterwegs, sind durch die Karibik gecruist, das sind alles unterschiedliche Eindrücke. Aber sehr beeindruckend war der Geirangerfjord, wo auf einmal so ein riesiges Schiff mickrig und klein wirkt. Es ist aber auch wahnsinnig schön, in Mahon auf Menorca in den Hafen einzufahren, um am Abend, wenn es dunkel ist, an den ganzen kleinen Gaststätten vorbeizufahren und man steht oben auf dem Pooldeck und winkt den Leuten dort unten zu. Das ist ein traumhaft schönes Erlebnis. Eines von vielen.



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