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Waldzustandsbericht 2020: So schlecht ging es dem deutschen Wald noch nie


"Unsere Wälder sind krank"  

So schlecht ging es dem deutschen Wald noch nie

24.02.2021, 20:36 Uhr | dpa

Waldzustandsbericht 2020: So schlecht ging es dem deutschen Wald noch nie. Abgestorbene Fichten in einem Waldgebiet mit gesunden Nadel- und Laubbäumen in Sieversdorf in Brandenburg. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Abgestorbene Fichten in einem Waldgebiet mit gesunden Nadel- und Laubbäumen in Sieversdorf in Brandenburg. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Die Bundesregierung schlägt Alarm: Der Zustand der deutschen Wälder ist so schlecht wie noch nie zuvor. Auch Umweltverbände und Klimaforscher zeigen sich besorgt.

Im vergangenen Jahr ist es den Bäumen in Deutschland so schlecht ergangen wie noch nie seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Das geht aus dem aktuellen Bericht zum Zustand der Wälder hervor, den Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin vorgestellt hat.

Demnach haben Sturmschäden, Dürre und Schädlinge – allen voran der Borkenkäfer – dem Wald im Jahr 2020 schwer zugesetzt. In den Jahren 2019 und 2020 sei die Sterberate der Bäume im Vergleich zu den Vorjahren "deutlich höher geworden". Vor allem ältere Bäume über 60 Jahre seien vom Absterben bedroht, heißt es in dem Bericht. Derzeit betrage die Fläche, die potenziell wieder aufgeforstet werden müsste, 277.000 Hektar. "Jeden Baum, den wir heute nicht nachziehen, der fehlt der kommenden Generation", erklärte Klöckner. Die aktuelle Schadholzmenge beläuft sich demnach auf 171 Millionen Kubikmeter.

Klöckner: "Unsere Wälder sind krank"

Dem Bericht zufolge nimmt auch die Verlichtung der Baumkronen immer weiter zu – also der Verlust von Nadeln und Blättern. Demnach wiesen im vergangenen Jahr vier von fünf Bäumen lichte Kronen auf. Das betraf 89 Prozent der Buchen, 80 Prozent der Eichen und Kiefern sowie 79 Prozent der Fichten. "Die Waldzustandserhebung zeigt: Unsere Wälder sind krank", bilanzierte die Ministerin.

Der Klimawandel habe einen großen Schaden angerichtet, nun gehe es darum, den Wald nachhaltig wiederzubewalden, sagte Klöckner. Dafür stünden Waldbesitzern und Forstwirten derzeit 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Ein Teil des Geldes – 800 Millionen Euro – war bereits im Jahr 2019 als Bund-Länder-Paket auf den Weg gebracht worden. 2020 sei aus diesem Topf mehr Geld beantragt worden, als vorgesehen war, sagte Klöckner.

Umweltverbände schlugen am Mittwoch angesichts der Befunde Alarm. Greenpeace beklagte, dass sich an der Waldbewirtschaftung nichts geändert habe und immer noch zu viele Flächen "kahlgeschlagen" würden. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte die Bundesregierung auf, "endlich wirksame Klimaschutzmaßnahmen" zu ergreifen, um dem Waldsterben Einhalt zu gebieten.

Umweltministerin: Waldbesitzer sollen nachhaltig investieren

Zuvor hatte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) die Waldbesitzer ermahnt, die Finanzhilfen der Bundesregierung in nachhaltige Bewirtschaftung zu investieren. Klöckner verteidigte die Branche und sagte, dass die Waldbauern schon sehr genau wüssten, was zu tun sei. Sie hätten im Zweifelsfall auch "mehr Ahnung als eine Ministerin", sagte Klöckner.

Christopher Reyer ist Arbeitsgruppenleiter Waldresilienz am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er schätzt die Lage dramatisch ein: „Wälder weltweit werden vom menschgemachten Klimawandel getroffen – auch die Wälder in Deutschland", erklärte er. Der Trockenstress habe den Bäumen in den vergangenen Sommern zugesetzt. "Und zwar nicht nur in den heißen Monaten, sondern mit Langzeitfolgen: die vorgeschädigten Bäume werden in Folgejahren verstärkt von Insekten wie dem Borkenkäfer befallen. Klimaschutz ist Waldschutz: Wir müssen den Ausstoß von Treibhausgasen rasch reduzieren", mahnte Reyer.

Wälder würden dabei einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung unseres Klimas leisten, betonte der Experte. Einerseits könnten intakte Wälder CO2 binden, würden dadurch die Erwärmung bremsen und sollten daher nicht entwaldet werden. Anderseits könne Holz etwa im Hausbau klimaschädlichen Zement ersetzen, dabei werde das gebundene CO2 in den Gebäuden gespeichert. "Hier ergeben sich teils Zielkonflikte zwischen Naturschutz und Holznutzung, die angepackt werden müssen", erklärte Christopher Reyer. "Dabei kann es kein Entweder-Oder geben, sondern es braucht – und das ist schwierig – ein differenziertes, auch regional unterschiedliches, angepasstes, nachhaltiges Waldmanagement. Der Wald müsse angepasst und resilienter gestaltet werden.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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