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Fischsterben in der Oder: Hat zu viel Salz die Katastrophe ausgelöst?


Hat zu viel Salz im Oder-Wasser das Fischsterben ausgelöst?


Aktualisiert am 14.08.2022Lesedauer: 4 Min.
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Fischsterben: Tausende Fische treiben an der Oberfläche. Nun gibt es neue Erkenntnisse. (Quelle: Reuters)

Die Oder ist zur Todesfalle für Fische geworden. Erste Analysen deuten auf stark erhöhte Salzwerte hin. Die Ursache könnte bei der Industrie liegen.

Der deutsch-polnische Grenzfluss Oder ist aktuell ein Katastrophengebiet. Tonnenweise verendeter Fische haben Einsatzkräfte, Freiwillige und Behördenmitarbeiter schon aus dem Gewässer gekeschert. Und es dürften noch mehr werden.

Eine hochgiftige Substanz durchzieht weite Abschnitte des viertlängsten Flusses der Bundesrepublik. Nachdem erste Analysen auf eine Quecksilberverseuchung hingedeutet hatten, schließt die polnische Regierung dies als Ursache seit dem Wochenende aus. Vielmehr könnte ein erhöhter Salzgehalt im Wasser verantwortlich für den Tod der Fische sein.

Die Behörden vermuten weiterhin, dass Chemie-Abfälle das Fischsterben ausgelöst haben dürften. Seit einigen Tagen ist auch ein deutscher Nationalpark betroffen. t-online beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Fischsterben.

Video | Rätselhaftes Fischsterben an der Oder
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Quelle: Reuters

Was steckt dahinter?

Das Fischsterben in der Oder ist nach Angaben der polnischen Regierung wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst worden. Es könne sich um Chemie-Abfälle handeln, so Regierungschef Mateusz Morawiecki am Freitag.

Erste Erkenntnisse aus Deutschland hatten eine erhebliche Quecksilberbelastung des Wassers als mögliche Ursache nahegelegt. Von polnischer Seite wurde dies nach weiteren Analysen von Fischkadavern allerdings ausgeschlossen.

Die Untersuchungen an Polens staatlichem Veterinärinstitut deuteten stattdessen auf erhöhte Salzwerte im Wasser hin, so Polens Umweltministerin Anna Moskwa. "Der hohe Salzgehalt der Oder hat möglicherweise andere giftige Stoffe im Wasser oder im Bodensediment aktiviert. Die toxikologische Untersuchung der Fische wird dazu beitragen, eventuelle Schadstoffe festzustellen, die zum Tod der Tiere beigetragen haben."

Auch Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) spricht von "sehr stark erhöhten Salzfrachten" in der Oder. Der Begriff Salzfrachten bezeichnet im Wasser gelöste Salze.

Nach Angaben des Innenministeriums in Warschau sind derzeit 2.000 Polizisten, mehr als 300 Feuerwehrleute sowie 200 Soldaten an den Ufern der Oder im Einsatz. Sie helfen bei der Bergung verendeter Fische.

Im Kreis Märkisch-Oderland in Brandenburg waren am Samstag etwa 300 Einsatzkräfte auf 80 Kilometern entlang des Flusses unterwegs. Am Montag solle die Bergung weitergehen, so ein Sprecher des Kreises. Deutsche und polnische Behörden warnen ihre Bürger eindringlich vor Kontakt mit dem Wasser.

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Um welche Gebiete geht es?

Bereits vor sechs Wochen meldeten Angler aus Niederschlesien ungewöhnlich viele tote Fische, dann erreichte das Massensterben den Verwaltungsbezirk Lubuskie weiter flussabwärts. Inzwischen sind auch mehrere Regionen in Brandenburg mit Oder-Abschnitten von Frankfurt (Oder) bis in den Kreis Uckermark betroffen. Hier zieht sich das Fischsterben unter anderem durch den Nationalpark Unteres Odertal.

In Polen wächst derweil die Kritik an einer zu langsamen Reaktion der Behörden und der Regierung. "Die polnische Seite hat seit dem 26. Juli Informationen über die Vergiftung, Deutschland seit vorgestern", sagte der Bürgermeister des Ortes Krosno Odrzánskie, Marek Cebula, der Zeitung "Gazeta Wyborcza".

"Nach knapp zwei Tagen haben sie mitgeteilt, dass die Ursache stark giftige Quecksilberverbindungen sein könnten. Polens Regierung weiß dies bis heute nicht, obwohl die Katastrophe bereits zwei Wochen zurückliegt." Oppositionsführer Donald Tusk von der liberalkonservativen Bürgerplattform (PO) sprach von "einem der größten Umweltskandale der vergangenen Jahre – nicht nur in Polen".

Auch in Deutschland sind viele verärgert über die polnischen Behörden. "Ich bin erschüttert. Nicht nur vom tausendfachen Sterben der Fische, auch vom Versagen der Informationskette aus Polen", sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende im brandenburgischen Landtag, Benjamin Raschke, am Freitag. Wenn bei einer ökologischen Katastrophe einfache Meldeketten nicht funktionierten, gebe es grundsätzlichen Gesprächsbedarf.

Um die Ausbreitung des belasteten Wassers zu verhindern, sei die Alte Oder vom Hauptarm der Oder abgetrennt worden, teilte das brandenburgische Umweltministerium mit. Auch für die Spree und die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße habe das Wasser- und Schifffahrtsamt Vorsorge getroffen.

Welche Folgen drohen?

"Die Auswirkungen sind einfach furchtbar", sagte der stellvertretende Leiter des Nationalparks Unteres Odertal, Michael Tautenhahn. Er geht von weitreichenden Folgen für das geschützte Gebiet aus, das zu den artenreichsten der Bundesrepublik zählt.

Betroffen seien Tiere und Pflanzen und auch die touristische Entwicklung der Region. "Die Vergiftungswelle ist komplett durch die Oder gegangen", sagte Tautenhahn. Über die gesamte Strombreite habe man tote Fische treiben sehen. Betroffen seien etwa Zander, Welse, Gründlinge und Steinbeißer. Seeadler und andere Vögel könnten Gift durch die toten Fische aufnehmen.

Tautenhahn rechnet mit einem Imageschaden für den Nationalpark. "Es ist ein vergiftetes Katastrophengebiet." Er befürchte, dass viele Menschen nun einen Bogen um den Nationalpark machen würden.

Wer ist verantwortlich?

Die polnische Umweltschutzbehörde führt das Fischsterben auf eine Wasserverschmutzung durch die Industrie zurück. Mit Drohnenüberflügen sollen potenzielle Verschmutzungsquellen aufgespürt werden. Man untersuche, um welche Substanz es sich handle und wer sie wo in die Oder eingeleitet habe, sagte die stellvertretende Leiterin der Behörde, Magda Gosk.

Die polnische Polizei hat eine Belohnung von umgerechnet 210.000 Euro für die Aufklärung ausgesetzt. Welche Unternehmen möglicherweise dafür verantwortlich sind, ist bisher noch unklar. Die Staatsanwaltschaft Wróclaw (Breslau) ermittelt inzwischen wegen eines möglichen Umweltdelikts.

Verwendete Quellen
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