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Angriff mit geheimem Tarnkappen-Helikopter?

spiegel-online, jok

Aktualisiert am 05.05.2011Lesedauer: 3 Min.
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Die US-Spezialeinheit hat beim Einsatz gegen Bin Laden womöglich bisher unbekannte Helikopter-Technik eingesetzt. Neue Aufnahmen des zerstörten Hubschraubers nĂ€hren Spekulationen ĂŒber Stealth-Technologie und einen besonderen SchalldĂ€mpfer. Vor allem der Rotor der Maschine scheint neuartig.

Die US-Spezialeinheit im Einsatz gegen Osama Bin Laden nĂ€herte sich der Stadt Abbottabad im Schutz der Nacht. Doch offenbar nutzten die Navy Seals bei ihrer Kommandoaktion auch bisher unbekannte Tarntechnologie, um einer möglichen Radar-Ortung zu entgehen. Diese Vermutung legen neue Aufnahmen des verunglĂŒckten Hubschraubers nahe, die die Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichte. Laut Reuters entstanden die Aufnahmen am frĂŒhen Montagmorgen.

Hinweise auf Stealth-Technologie


Foto-Serie: AnschlÀge von Al-Kaida

7. August 1998: Bei fast zeitgleichen BombenanschlÀgen auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) sterben 230 Menschen. Mehr als 5000 Menschen werden verletzt. Als Drahtzieher gelten Osama bin Laden und sein Netzwerk Al-Kaida. Besonders verheerend ist der Anschlag in Nairobi, bei dem 219 Menschen ums Leben kommen. Unter den Toten sind zwölf Amerikaner und rund 100 kenianische Botschaftsmitarbeiter.
11. September 2001: Die Terror-AnschlĂ€ge vom 11. September verĂ€ndern die Welt. An diesem Tag greifen 19 islamistische Terroristen Symbole amerikanischer Macht an und töten rund 3000 Menschen. Die Bilder der einstĂŒrzenden TĂŒrme des World Trade Centers in New York gehen um die Welt und lösen Entsetzen aus.
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Nach EinschĂ€tzung von Experten des US-Senders CNN deuten die Aufnahmen vom Heck des verunglĂŒckten Hubschraubers auf die Verwendung der sogenannten Stealth-Technologie hin. Diese macht die Maschinen auf Radarschirmen beinahe unsichtbar und wird schon lange erfolgreich bei Kampfflugzeugen eingesetzt. Besonders die Form und das Material des hinteren Rotors der Maschine seien so bisher unbekannt, so der Sender.

Über den Typ der Maschine gibt es keine gesicherten Angaben, vieles deutet jedoch auf einen Stealth-Blackhawk-Hubschrauber hin, ĂŒber dessen Existenz es bisher nur GerĂŒchte gab. "Das ist das erste Mal, dass wir einen Stealth-Hubschrauber im Einsatz gesehen haben", sagte Luftfahrtexperte Bill Sweetman dem US-Sender ABC.

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"Das ist eine Premiere"

Diese EinschĂ€tzung teilt Dan Goure vom Lexington Institute in Arlington, Virginia, das der US-RĂŒstungsindustrie nahesteht. "Das ist eine Premiere", sagte Goure bei ABC. Ihm ist auf den Aufnahmen eine lĂ€rmreduzierende Abdeckung des Rotors aufgefallen. Diese hĂ€tte zum einen die RotorgerĂ€usche gedĂ€mpft, aber auch die Radar-Ortung erschwert.

"Das war eindeutig einer der GrĂŒnde fĂŒr den Erfolg der Aktion. Am Boden wĂŒrde man kaum hören können, das da ein Hubschrauber auf einen zukommt. Das könnte die Reaktion am Boden entscheidend verzögert haben", so Goure. Dies deckt sich mit Angaben von Anwohnern, die die Hubschrauber erst gehört haben wollen, als sie sich bereits direkt ĂŒber dem Ort befunden haben.

Immer wieder GerĂŒchte ĂŒber Tarnkappen-Helikopter

Das Konzept eines Stealth-Hubschraubers ist nicht neu. Laut der Web-Seite globalsecurity.org, die sich sicherheitspolitischen Themen widmet, gab es schon wĂ€hrend des Vietnam-Krieges erste PlĂ€ne. Unter dem Codenamen "The Quiet One" ("Der Leise") arbeiteten die Techniker damals angeblich vor allem an der GerĂ€uschreduzierung der Rotoren. In Serie ging die Maschine jedoch nie. In den achtziger und neunziger Jahren ging die Entwicklung trotzdem weiter, nun wurde auch auf die Reduzierung der Radar-Reflektion hingearbeitet. Nun könnten die TrĂŒmmerteile einen Beweis fĂŒr den Einsatz einer solchen Maschine im Ernstfall geliefert haben.

Dabei kam es zu einer brenzligen Situation, die mit dem Verlust des High-Tech-FluggerĂ€ts endete. Nach Darstellung des US-MilitĂ€rs waren mehrere Helikopter an der Aktion in Abbottabad beteiligt. Diese seien auf dem GrundstĂŒck gelandet, einer von ihnen war dabei zu einer "weichen Notlandung" gezwungen. Warum genau, ist unklar. Die US-Behörden beharren auf einem technischen Defekt als Ursache, von ungewöhnlich hohen Temperaturen ist die Rede. Augenzeugen berichteten dagegen, der Beschuss vom Boden habe die Notlandung erzwungen.

Sprengung des Hubschraubers nicht komplett

Nach Darstellung der Regierung sprengten die Soldaten den stark beschĂ€digten Hubschrauber wenig spĂ€ter, um keine sicherheitsrelevanten Informationen zurĂŒckzulassen. Zahlreiche Bewohner von Abbottabad bestĂ€tigen eine Detonation im Gebiet der Bin-Laden-Residenz. Dabei wurde der Hubschrauber jedoch nicht vollkommen zerstört, wie die neuen Aufnahmen bestĂ€tigen. Mit dem Einsatz gegen Osama Bin Laden könnte das US-MilitĂ€r also eines seiner bestgehĂŒteten Geheimnisse preisgegeben haben.

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MilitĂ€rexperten sehen nun das Risiko von Spionage. "Es gibt sicher einige Leute im Pentagon, die sich große Sorgen machen, was jetzt mit den Teilen passiert und ob einige von ihnen vielleicht schon auf dem Weg nach China sind", sagte Richard Clarke, ehemaliger Berater im Weißen Haus und heute Analyst fĂŒr ABC. Das chinesische MilitĂ€r arbeite schon lange an einer Stealth-Technologie und habe gute Beziehungen zur pakistanischen Armee, so Clarke weiter. Wo sich die Hubschrauberteile derzeit befinden, ist unklar.

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