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Salah Abdeslam wollte sich in Paris in die Luft sprengen

Rückzieher gemacht  

Terrordrahtzieher Abdeslam wollte sich in Paris in die Luft sprengen

20.03.2016, 08:10 Uhr | AFP, AP, t-online.de

Salah Abdeslam wollte sich in Paris in die Luft sprengen. Der später "meistgesuchte Mann Europas", Salah Abdeslam, war im Oktober 2015 in Deutschland. (Quelle: dpa)

Der später "meistgesuchte Mann Europas", Salah Abdeslam, war im Oktober 2015 in Deutschland. (Quelle: dpa)

Der in Belgien gefasste, mutmaßliche Drahtzieher der Paris-Attentate Salah Abdeslam ist wenige Wochen vor den Anschlägen bei einer Polizeikontrolle in Deutschland überprüft worden. Außerdem wurde nun bekannt, dass er sich am 13. November bei dem Länderspiel Deutschland-Frankreich im Stade de France in die Luft sprengen wollte.

Dies habe der 26-Jährige nach seiner Festnahme in Brüssel den belgischen Ermittlern gesagt, teilte der Pariser Staatsanwalt François Molins mit. Abdeslam habe dann aber einen Rückzieher gemacht.

Er und ein weiterer am Freitag gefasster Verdächtiger seien am 3. Oktober in Ulm angehalten worden, so die belgische Staatsanwaltschaft. Dabei wurden auch Abdeslams Fingerabdrücke genommen.

Mit dem Mietfahrzeug nach Ulm

In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober fuhr der Franzose mit marokkanischen Wurzeln offenbar mit einem auf seinen Namen angemieteten Fahrzeug nach Ulm und nur etwa eine Stunde später wieder zurück. Das berichtet der Südwestrundfunk unter Berufung auf polizeiliche Ermittlungen.

Dabei könnten Abdeslam und sein Begleiter dem Bericht zufolge drei Männer, die sich als Syrer ausgegeben hatten, aus einer Flüchtlingsunterkunft abgeholt haben. Abdeslams Wagen parkte in der Nähe des Heims. Die drei Männer fehlten dort seither. Ihre Identität werde vom Bundeskriminalamt (BKA) gemeinsam mit französischen und belgischen Sicherheitsbehörden geprüft, hieß es. Die deutschen Behörden wollten sich jedoch nicht zu dem Vorgang äußern.

Über den mutmaßlichen Aufenthalt des 26-jährigen Islamisten in Ulm hatte es schon zuvor Berichte gegeben. Auch sollen er und zwei mögliche Komplizen am 9. September unter Flüchtlingen an der österreichisch-ungarischen Grenze aufgetaucht und kontrolliert worden sein - obwohl Abdeslam kein Flüchtling war und sich als Franzose frei in Europa bewegen konnte.

Identität des zweiten Verdächtigen unklar

Die Identität des zweiten Terror-Verdächtigen, der am Freitag in Molenbeek gefasst wurde, ist noch nicht geklärt. Bei einer Razzia im selben Apartment im Brüsseler Stadtteil Forest, in dem auch Fingerabdrücke von Abdeslam sichergestellt wurden, fanden die Ermittler laut Angaben der Staatsanwälte Dokumente, die auf den Unbekannten ausgestellt waren. Darunter waren demnach ein gefälschter syrischer Reisepass, der auf den Namen Monir Ahmed Alaadsch ausgestellt wurde, sowie ein ebenso gefälschter belgischer Personalausweis - für einen Amine Chukri.

Der Mann wurde bei der Festnahme den Angaben zufolge leicht verletzt und kam wie Abdeslam zur Behandlung in ein Krankenhaus. Mittlerweile sind beide wieder aus der Klinik entlassen und sollen verhört werden.

Hollande fordert schnelle Auslieferung

Frankreichs Staatspräsident François Hollande sagte noch am Freitagabend, Abdeslam müsse "so schnell wie möglich" von Belgien ausgeliefert werden. Nach dem Dringlichkeitstreffen erklärte Innenminister Bernard Cazeneuve, die Erfolge der Woche seien ein "Schlag" gegen den IS. Mehrere "extrem" gefährliche Verdächtige seien dingfest gemacht worden, Abdeslam werde sich vor der französischen Justiz verantworten müssen.

Das jedoch wollen Abdeslam und seine Verteidigung verhindern: Sein Anwalt Sven Mary sagte nach einer Anhörung am Sitz der Bundespolizei in Brüssel, er könne bereits jetzt sagen, "dass wir seine Auslieferung nach Frankreich ablehnen werden". 

Familie ist erleichtert

Unterdessen hat sich die Familie des Terrorverdächtigen erleichtert über die Festnahme gezeigt. Die Anwältin von Salahs Bruder Mohammed sagte im belgischen Fernsehen, ihr Mandant wolle im Namen seiner Familie die Botschaft übermitteln, dass alle ein "Gefühl der Erleichterung" verspürten. In erster Linie fühle die Familie so, weil Abdeslam lebend gefasst wurde, erklärte die Anwältin. "Das war eine ihrer Hoffnungen." Erleichtert sei die Familie aber auch deshalb, weil die Jagd auf den 26-Jährigen nun ein Ende habe. Seit vier Monaten habe das Umfeld des Gesuchten unter dauerhaftem Druck gestanden.

Abdeslam war am Freitag bei einem Polizeieinsatz in Brüssel festgenommen worden. Er soll bei der Vorbereitung und Ausführung der Pariser Anschläge vom November 2015 eine entscheidende Rolle gespielt und vor allem logistische Hilfe geleistet haben. Bei den Attentaten waren 130 Menschen getötet worden.

Zwei weitere Verdächtige im Visier

Nach der Ergreifung Abdeslams wird nun noch nach zwei Verdächtigen gefahndet, die an den Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Einer von ihnen ist Mohamed Abrini, der andere Soufiane Kayal, allerdings ist dessen Identität nicht genau geklärt. Die internationale Polizeibehörde Interpol rief alle Mitgliedsländer zu erhöhter Wachsamkeit bei Grenzkontrollen auf, um eine Flucht möglicher Komplizen zu verhindern.

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