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Land der Putsche: Militär liegt bei Wahl in Thailand vorn

Erste Wahl seit acht Jahren  

Militär liegt bei Wahl in Thailand vorn

24.03.2019, 18:31 Uhr | dpa

Land der Putsche: Militär liegt bei Wahl in Thailand vorn. Sudarat Keyuraphan, Politikerin und Premierminister-Kandidatin der Pheu Thai-Partei in Thailand, spricht mit Journalisten.

Sudarat Keyuraphan, Politikerin und Premierminister-Kandidatin der Pheu Thai-Partei in Thailand, spricht mit Journalisten. Foto: Geovien So/SOPA Images via ZUMA Wire. (Quelle: dpa)

Bangkok (dpa) - Bei Thailands erster Parlamentswahl seit dem jüngsten Putsch der Armee vor fünf Jahren liegt das Lager der Militärs überraschend vorn.

Die neugegründete Partei PPRP von Premierminister Prayut Chan-o-cha hatte am Sonntagabend (Ortszeit) nach Auszählung von 92 Prozent der Wahlzettel eine halbe Million Stimmen mehr als die größte Partei der demokratischen Opposition. Damit hat der General gute Chancen, an der Macht zu bleiben. Prayut hatte 2014 als Chef der Armee eine demokratisch gewählte Regierung aus dem Amt geputscht.

Allerdings konnte sich Prayut des Sieges noch nicht sicher sein. Die staatliche Wahlkommission verschob die Bekanntgabe genauerer Zahlen auf Montag. Zur wahrscheinlichen Sitzverteilung machte sie keine Angaben. Nach Berechnungen des staatlichen Fernsehsenders MCOT könnte es den Militärs aber reichen. In dem südostasiatischen Königreich haben Putsche durchaus Tradition: Seit 1932 gab es davon ein Dutzend.

Prayut ging als Spitzenkandidat der Partei Phalang Pracharat (PPRP) mit klarem Startvorteil in die Wahl: Die Militärs hatten seit ihrer Machtübernahme Verfassung und Wahlrecht geändert. Am Sonntag wurde über 500 Sitze im Repräsentantenhaus, dem Unterhaus des Parlaments, entschieden. Im Oberhaus, dem Senat, hatte sich das Militär bereits ohne Wahl vorab alle 250 Sitze gesichert. Beide Kammern wählen den künftigen Premier gemeinsam. Prayut bräuchte also nur noch 126 Mandate. Dem Sender MCOT zufolge kommt seine Partei auf 141.

Die Wahlkommission äußerte sich am Sonntag dazu nicht. Dem Zwischenergebnis zufolge kam die PPRP auf mehr als 7,5 Millionen Stimmen. Die größte Oppositionspartei Pheu Thai um Ex-Premier Thaksin Shinawatra, den das Militär einst gestürzt hatte, lag bei etwa 7 Millionen.

Es folgte Future Forward um den Unternehmer Thanathorn Juanggroongruangkit (40) mit 5,1 Millionen. Im Unterhaus hätte damit die Opposition die Mehrheit. Erstaunlich hoch war die Zahl der ungültigen Stimmen: etwa zwei Millionen. Insgesamt waren mehr als 51 Millionen Menschen wahlberechtigt, darunter etwa 7 Millionen Erstwähler.

Ursprünglich war erwartet worden, dass Pheu Thai stärkste Partei wird: Das Shinawatra-Lager hatte seit 2001 alle Wahlen gewonnen. Der schwerreiche Ex-Premier (69) lebt inzwischen im Ausland, mischt in Thailands Politik aber immer noch mit. Das Militär unternahm große Anstrengungen, um seinen Einfluss zu mindern.

Unmittelbar vor der Wahl hatte sich König Maha Vajiralongkorn mit einer Botschaft an seine Landsleute zu Wort gemeldet. In der Erklärung, die im Fernsehen verlesen wurde, hieß es: "Um eine ganze Nation zu befrieden, müssen nicht alle Bürger gute Leute sein. Aber sie müssen gute Führer für die Nation unterstützen und verhindern, dass schlechte Leute an die Macht kommen." Manche Experten werteten dies als Unterstützung für die Militärs.

Der 66 Jahre alte König hatte zuvor schon seiner Schwester Ubolratana die Spitzenkandidatur für eine Partei aus Thaksins Umfeld verboten. Die Prinzessin wäre für Prayut eine starke Konkurrentin gewesen. Offiziell steht das Königshaus in Thailand über der Politik. Bei jeglicher Kritik drohen harte Strafen wegen "Majestätsbeleidigung".

Rund um die Wahl galten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Der Verkauf von Alkohol war vorübergehend verboten. Manche Beobachter halten es für möglich, dass es zu neuen Straßenprotesten kommt, falls sich der Wahlsieg der Militärs bestätigt. Mit zuletzt mehr als 850 000 deutschen Touristen pro Jahr gehört Thailand zu den beliebten Urlaubszielen von Bundesbürgern.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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