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Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh: Selbst Trump verkneift sich dumme Sprüche

MEINUNGKulturkrieg in Amerika  

Selbst Trump verkneift sich dumme Sprüche

Eine Kolumne von Gerhard Spörl

01.10.2018, 14:32 Uhr
Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh: Selbst Trump verkneift sich dumme Sprüche. Donald Trump hört Brett Kavanaugh zu: Der Präsident verteidigt seinen Kandidaten für das Oberste Gericht – aber selbst er stimmte einer FBI-Ermittlung zu. (Quelle: Reuters/Jim Bourg)

Donald Trump hört Brett Kavanaugh zu: Der Präsident verteidigt seinen Kandidaten für das Oberste Gericht – aber selbst er stimmte einer FBI-Ermittlung zu. (Quelle: Jim Bourg/Reuters)

Im #MeToo-Amerika kann ein Mann nicht Oberster Richter werden, dem Vergewaltigungsvorwürfe anhängen. Das hat selbst Donald Trump eingesehen und lässt das FBI ermitteln.

Der amerikanische Countrysänger Chris Janson hat ein Lied geschrieben, das "Take a drunk girl home" heißt. Die junge Frau, um die es geht, ist betrunken, tanzt ausgelassen in einem Klub, das Haar offen, sie ist frei und glücklich und sie schwankt. Was passiert jetzt? Sie hat Glück. Der Typ, den sie kennengelernt hat, fährt sie nach Hause, bringt sie zu Bett, löscht das Licht, legt die Schlüssel hin, schließt die Tür und geht. Er ist ein Guter.

Der Song kam im Dezember 2017 heraus und kletterte die Charts zuerst solide hoch und dann noch etwas schneller. Dafür sorgt die Wirklichkeit, genauer gesagt die Vergangenheit, die einen konservativen Mann einholt. Der soll in den Supreme Court berufen werden und muss sich nun gegen massive Vorwürfe wehren, wonach er sich eben nicht wie der Gentleman in Chris Jansons Lied verhalten haben soll, sondern wie ein Schwein. Er heißt Brett Kavanaugh.

In Erinnerung blieb das Lachen

Wie es sich zugetragen haben soll, damals 1982, das hat Christine Blasey Ford in der vorigen Woche vor dem Rechtsausschuss des Senats ausgesagt: Sie war 15 Jahre alt, in der Highschool und ging auf eine Party, zu der auch Brett Kavanaugh und sein Freund Mark Judge eingeladen waren. Sie sei auf dem Weg zur Toilette gewesen, als sie Kavanaugh in ein Zimmer gezerrt und aufs Bett geworfen habe. Sie habe geschrien, sie habe sich nach Kräften gewehrt, er habe ihr den Mund zugehalten und versucht, sie auszuziehen. Sie habe Angst um ihr Leben gehabt.

Emotionaler Auftritt: Bei der Anhörung beteuerte Richter Kavanaugh seine Unschuld. (Quelle: Reuters)

Was ihr außerdem im Gedächtnis geblieben sei, fragte ein Senator bei der Anhörung. Dass die beiden betrunken gelacht hätten, gelacht über sie und den Spaß, den sie sich mit ihr machten. Mark Judge habe sich in seinem besoffenen Übermut über die beiden geworfen und in diesem Kuddelmuddel sei es ihr gelungen zu fliehen.

Kavanaugh ist der ideale Mann für das konservative Amerika

Jede Besetzung eines frei gewordenen Sitzes im Supreme Court ist ein Politikum in Amerika. Die neun Richter dürfen bis an das Ende ihrer Tage Urteile fällen, sie sind auf Lebenszeit unabsetzbar. Der Präsident ernennt sie, ein Privileg von enormer Reichweite und Bedeutung. Diesmal darf Donald Trump einen Richter berufen, der einen eher liberalen Vorgänger ersetzen soll. Seinen Anhängern hat er versprochen, dass ein Konservativer folgen wird, der die Mehrheit ins Konservative kippen lässt. Vor allem das evangelikale Lager träumt davon, dass der Supreme Court in seinem Sinne urteilt und zum Beispiel bei nächster Gelegenheit die Abtreibung wieder kriminalisieren wird. Das herrschende Gesetz stammt aus dem Jahr 1973.

Brett Kavanaugh ist der richtige Mann für das konservative Amerika. Verheiratet, Vater, tadellos konservativ als Richter am Bundesberufungsgericht in der Hauptstadt. Er ist Trumps Wahl und hat bisher auch alles so gemacht, wie der Präsident es für solche Fälle empfiehlt: alles leugnen, alles als politisches Komplott darstellen, bloß nichts zugeben, sondern aggressiv dagegen vorgehen.

Ford geht durch die Hölle

Christine Blasey Ford vor dem Justizausschusses des Senats: Sie sagt, sie habe nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen, aber sie finde, es sei nötig. (Quelle: Reuters/Michael Reynolds)Christine Blasey Ford vor dem Justizausschuss des Senats: Sie sagt, sie habe nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen, aber sie finde, es sei nötig. (Quelle: Michael Reynolds/Reuters)

Christine Blasey Ford ist heute Professorin für Psychologie, verheiratet, zwei Kinder. Sie geht durch die Hölle, die von den kleinen Teufeln bevölkert wird, die Frauen wie sie als Lügnerinnen hinstellen und als williges Werkzeug der Demokraten, die dem armen Präsidenten das Leben erschweren. Diese Hölle muss sie ertragen und erträgt sie auch.

Amerika ist fast hoffnungslos gefangen in einem Kulturkrieg zwischen den Trump-Bewunderern und den Trump-Verächtern. Nie geht es um die Sache, immer geht es um deren Politisierung. Darauf hat sich der Präsident auch diesmal verlassen, als er die republikanische Mehrheit im Senat dazu drängte, gleich nach dem Auftritt der Professorin im Senat über seinen Kandidaten Kavanaugh abzustimmen.

Nicht lange aufhalten, mit dieser Frau. Lasst sie reden, geht nicht anders, aber dann subito wählen: So sollte es sich abspielen. So spielte es sich aber nicht ab. 

Die Professorin sagte vor dem Ausschuss aus. Sie war ernsthaft und wirkte glaubwürdig. Macht nichts, sagten sich die Republikaner, Mehrheit ist Mehrheit, und da selbst der unsichere Kantonist Jeff Flake, ein Senator aus Arizona, unverzüglich ankündigte, er werde für Kavanaugh stimmen, schien alles in trockenen Tüchern zu sein. War es dann doch nicht.

Appell ans Gewissen im Aufzug

Daran sind zwei Frauen schuld, die den Senator Flake im Aufzug abfingen und auf ihn einredeten. Die eine sagte: Sie haben Kinder, denken Sie an sie! Ich habe Kinder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie für die nächsten 50 Jahre jemandem im Obersten Gericht haben müssen, der beschuldigt wird, ein junges Mädchen vergewaltigt zu haben.

Das wirkte.

Jeff Flake ist ein gläubiger Mormone, was so viel bedeutet wie: konservativ, auf Anstand bedacht, etwas steif, moralisch gesonnen. Er hat schon öfter den Präsidenten für seine Amoralität gescholten und hat sich damit zu Hause in Arizona derart unbeliebt gemacht, dass er bei der nächsten Wahl im November nicht mehr kandidieren wird, weil er dann chancenlos wäre. Er ist kein großer Held, kein notorisch eigensinniger Politiker, aber er ist beeindruckbar. Nach der Einrede der beiden Frauen am Aufzug änderte er seine Meinung und damit die Mehrheit im Senat.

Kavanaugh kann nicht werden, was er werden will

Donald Trump machte gegen seine Gewohnheit keine dummen Sprüche. Er gab nach und erteilte dem FBI den Auftrag, in der Sache zu ermitteln. Dafür haben die Agenten nur eine Woche Zeit. Sie werden Mark Judge vernehmen, den Buddy von Brett Kavanaugh, der unter Eid aussagen muss, wie es damals wirklich gewesen ist. Auch eine zweite Frau, die behauptet, dass der Student Kavanaugh alkoholisiert ihr seinen Penis vor das Gesicht gehalten habe, wird aussagen. 

Ich glaube nicht, dass Brett Kavanaugh je Oberster Bundesrichter werden wird. Das FBI wühlt in seiner Vergangenheit. Nicht schön. Kaum zu glauben, dass die Party aus dem Jahr 1982 heute noch in allen Teilen zweifelsfrei rekonstruiert werden kann. Es bleibt eine Er-sagt-sie-sagt-Geschichte. Mit diesem Makel aber kann Kavenaugh nicht werden, was er unbedingt werden möchte. Wenn er gut beraten ist, zieht er seine Kandidatur zurück.

Sein Problem ist Mark Judge, der in jenem Zimmer dabei war, nach Blasey Fords Erzählung auch betrunken, auch in Vergewaltigungslaune. Judge ist inzwischen ein Journalist und hat Bücher geschrieben, unter anderem über seinen Alkoholismus. Gut möglich, dass er jetzt aussagt, er könne sich beim besten Willen nicht erinnern, was 1982 auf einer der vielen Partys unter dem Einfluss von Alkohol vorgefallen ist, aber das kommt im vom #MeToo aufgewühlten Amerika nicht gut an. Selbst wenn er sich tatsächlich nicht erinnern kann, wird man es ihm nicht glauben. 

Keine Erfindung der Demokraten

#MeToo ist keine Erfindung der Demokraten, das sagt nicht einmal Donald Trump, der seine eigenen Probleme mit Geliebten hat, denen er Schweigegeld zahlte. #MeToo ist im dysfunktionalen politischen System ein Phänomen, das manchmal die festen Lager sprengt und dann nicht einmal im allgegenwärtigen Kulturkrieg untergeht. Das ist gerade passiert.

Wahrscheinlich wird Donald Trump selbst Kavanaugh zum Rückzug nötigen, den der als freiwilligen Akt inszenieren darf. Der Präsident kann sagen: bedauerlich, bedauerlich, kommt aber vor, ist unerfreulich, aber unerheblich. Einen anderen konservativen Richter, der von seiner Vergangenheit nicht eingeholt wird, findet er allemal.

Wahlen im November

Es eilt. Im November sind Wahlen zum Senat und zum Repräsentantenhaus. Unter allen Umständen möchte Trump die republikanische Mehrheit in beiden Häusern behalten. Deshalb kann er sich nicht lange mit Kavanaugh aufhalten.

Unter allen Umständen möchten die Demokraten ihm die Mehrheit abnehmen. Das wird ein Kampf auf Biegen und Brechen. Das geteilte Amerika steht sich dann in seiner unverständlichen Unversöhnlichkeit gegenüber. Deshalb haben die Demokraten ein Interesse daran, dass Kavanaugh sich nicht schnell erledigt.

Übrigens gibt es noch ein anderes wichtiges Ereignis im November. Dann vergibt die Country Music Association ihre Preise. Chris Janson ist mit "Take a drunk girl home" für den "Song of the year" nominiert. Er hat beste Chancen.

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