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Happy Birthday, liberaler Islam!

t-online, Lamya Kaddor

Aktualisiert am 20.10.2017Lesedauer: 4 Min.
Muslime beten in der Moschee Eyüp Sultan Camii in Ronnenberg in der Region Hannover (Niedersachsen).
Muslime beten in der Moschee Eyüp Sultan Camii in Ronnenberg in der Region Hannover (Niedersachsen). (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa-bilder)
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In den meisten islamischen Gemeinden haben Frauen einen festen Platz – hinter den Männern oder am besten weit weg von ihnen. Es gibt jedoch Initiativen, die das ändern wollen.

„Sagen Sie Frau Kaddor, wie können Sie einer Religion angehören, die Frauen unterdrückt?“ Wenn ich auf Vorträgen und Lesungen bin, bekomme ich bestimmte Fragen immer wieder gestellt. Das ist eine davon. Und tatsächlich, als Frau, die sich einmischt, habe ich es deutlich schwerer. Fast alle Funktionäre in islamischen Gemeinden sind Männer, fast alle islamischen Theologen sind Männer.

Das ist eher ein Gesellschaftsproblem, weniger ein religiöses. So habe ich mich seinerzeit mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern vom Liberal-Islamischen Bund e.V. zusammengetan und die „Muslimische Gemeinde Rheinland“ in Köln gegründet. Das war jetzt vor fast genau fünf Jahren, weshalb wir dieser Tage Geburtstag feiern. Happy Birthday!

Was heißt liberale Moscheegemeinde? Zum Beispiel, dass wir zwischen Männern und Frauen nicht unterscheiden. In traditionellen Moscheen werden die Geschlechter voneinander getrennt. Frauen und Männer beten in unterschiedlichen Räumen oder es werden Paravents aufgestellt, um sie voneinander zu trennen.

In der Muslimischen Gemeinde Rheinland beten Frauen und Männer nicht nur gemischt, sondern sie beten auch zusammen hinter einer Frau. Unsere Imamin ist Rabeya Müller. Wir führen christlich-islamische Trauungen durch - ja, auch bei Frauen. Wenn der Bräutigam nicht will, muss er nicht zum Islam konvertieren, wie es die traditionelle Sichtweise verlangt.

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Allerdings sind nicht wenige Brautpaare verwundert, wenn sie erfahren, dass ein weiblicher Imam die Eheschließung durchführen soll. Sie würden lieber von einem männlichen Geistlichen getraut werden, heißt es da, und entscheiden sich auch letztlich dafür.

In der Zwischenzeit sind unserem Vorbild andere gefolgt. Erst jüngst hat die Rechtsanwältin Seyran Ates mit Freunden unter viel Aufmerksamkeit die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin gegründet. Schon länger dabei sind Frauen wie Shaykha Halima Krausen, die viele Jahre Imamin des Islamischen Zentrums Hamburg war, oder Caroline Neumüller in Bremen mit ihrem Infopoint Islam. Man sieht, es tut sich was unter Muslimen in Deutschland.

Als Kind bin ich nie in eine Moschee gegangen. Moscheen waren Männersache, so wurde es mir beigebracht. Eine Moschee ist kein Gotteshaus, wie man es im Christentum kennt. Ein Moschee ist ein Versammlungsort fürs Gemeinschaftsgebet. Dieses Gemeinschaftsgebet findet in der Regel Freitagmittags und morgens früh an religiösen Festtagen statt. Es hat sich gesellschaftlich durchgesetzt, dass dies vor allem für Männer gilt. Frauen dürfen und sollen sogar in die Moschee gehen, aber sie müssen es nicht.

Erst als junge Frau fing ich an, Moscheen bewusst zu betreten, mit meinen Schülerinnen und Schülern oder mit meinen Studentinnen und Studenten oder bei Veranstaltungen und Empfängen. Was ich sah, gefiel mir ganz und gar nicht. Es ist weniger die Tatsache, dass viele Moscheen nach wie vor in Hinterhöfen zu finden sind, ohne jeglichen architektonischen Anspruch. Mein Unmut gilt mehr den inneren Werten, die dort gelebt werden.

Vor einiger Zeit war ich bei einem Festgebet in der großen Moschee in Duisburg, ein repräsentativer Bau in osmanischem Stil. Ich wollte mit meinen Mädchen hinauf zur „Frauenempore“. Wir sahen eine Frau, die ziemlich verloren vor dem Aufgang herumstand. Wir nahmen sie ins Schlepptau und gingen hoch. Mich traf beinah der Schlag. Diese Moschee gehört zu den größten in ganz Deutschland, sie bietet Platz für mehr als 1.000 Gläubige, und was sah ich auf der „Frauenempore“: Männer.

Die Moschee-Verantwortlichen hatten tatsächlich auch diesen Bereich für Männer geöffnet. „Wieso sind hier denn jetzt auch Männer?“, fragten mich meine Mädchen: „Was machen wir nun?“ Etwas perplex schaute ich mich um und versuchte, die Lage zu analysieren. Die Frau, die wir mitgenommen hatten, wollte flink auf dem Absatz kehrt machen, da hielt ich sie am Arm. „So nicht“, dachte ich mir. „Wir bleiben hier!“

In einigen Moscheen ist es eh längst gelebte Praxis, dass Frauen zumindest hinter den Männern in einem Raum beten können. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Moschee im oberbayerischen Penzberg, wo der Imam Benjamin Idriz tätig ist. Sie ist bewusst als offener Raum mit Empore ohne nennenswerten Sichtschutz für Frauen gebaut worden.

Die Doppelstandards in der islamischen Praxis (wir bestehen auf Geschlechtertrennung, aber im Zweifelsfall kippen wir sie eben zu Gunsten von Männern), sind schon ein Skandal. Der Hälfte aller Muslime wird in vielerlei Hinsicht die Gleichberechtigung vorenthalten. Die Botschaft, die davon ausgeht, ist verheerend.

Liberale Gemeindegründungen sind deshalb ein wichtiger Schritt, um den innerislamischen Dialog voranzubringen. Selbstverständlich werden sich die Traditionen nicht komplett aufbrechen lassen. Die konservativen Flügel fast aller Religionen sind in der Regel dominierend und überwiegend von Männern geprägt. Das werden sie auch künftig sein. Doch das ist kein Grund für uns Frauen, das einfach nur stillschweigend hinzunehmen.

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