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EM 2021: Nur so kann die DFB-Elf Portugal besiegen

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Ein genialer Moment

19.06.2021, 11:38 Uhr
EM 2021: Nur so kann die DFB-Elf Portugal besiegen. Torhüter Manuel Neuer führt das deutsche Team als Kapitän in das wichtige Spiel gegen Portugal. (Quelle: dpa/Christian Charisius)

Torhüter Manuel Neuer führt das deutsche Team als Kapitän in das wichtige Spiel gegen Portugal. (Quelle: Christian Charisius/dpa)

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

sportlicher Erfolg hat viele Gründe, aber ohne das gewisse Etwas stellt er sich nicht ein. Ein Gedankenblitz. Eine überraschende Bewegung. Ein Blick für den Mitspieler im richtigen Moment. Ein Aufbäumen der erschöpften Muskeln. Und vor allem Wille, unbedingter Wille: Ich. Gehe. Hier. Als. Sieger. Vom. Platz. Wir werden die anderen bezwingen, komme, was wolle. So gesehen ähneln Fußballer Ausnahmepolitikern, die auf einem Gipfel den entscheidenden Durchbruch erzielen. Auch darüber sprechen mein Kollege Marc Krüger und ich in unserem heutigen Podcast, und Sie würden wirklich etwas verpassen, wenn Sie nicht hineinhören:

Unzählige Bücher sind über den Fußball geschrieben, noch mehr Interviews geführt und noch viel mehr Kommentare abgegeben worden, manche fachkundig, andere schrullig. Trainer, Manager und Journalisten analysieren Spielsysteme, individuelle Stärken und Schwächen von Sportlern, psychologische Tricks und körperliche Leistungen. Profifußballer werden hochgezüchtet wie Rennpferde, sie leben in einer Multimillionärsblase, die von den restlichen 99 Prozent der Bevölkerung so weit entfernt ist wie der Mars von der Erde. Sie essen nicht einfach Marmeladenbrötchen und Nudeln wie unsereins, sondern ernähren sich nach ausgeklügelten Diätplänen. Ihre Schlafzeiten sind am optimalen Biorhythmus orientiert, manche ruhen jede Nacht in einem frisch bezogenen Bett. Sie absolvieren Mental-Trainings wie Kampfpiloten und legen großen Wert auf Frisuren, Tätowierungen und bunte Schuhe, um sich von der Masse der Trikotträger abzuheben.

Der Fußball ist heutzutage ein gigantisches Unterhaltungsgeschäft, und seine Akteure ähneln den Gladiatoren im alten Rom, mit dem Unterschied, dass ihre Blessuren in der Regel nicht lebensgefährlich sind (wobei man nach dem Fall Eriksen ins Grübeln geraten kann). Rund um den Globus begeistern sich Milliarden Menschen für diesen Sport; Millionen Kinder würden alles dafür geben, selbst einmal im Endspiel einer Welt- oder Europameisterschaft zu stehen.

Individuelle Klasse spielt im Spitzensport eine große Rolle, natürlich, unter Tausenden von Spielern ist nur ein Ronaldo. Doch abseits von Talent, Routine und Geschick gibt es in jeder guten Partie einen individuellen Entwicklungsspielraum, der aus einem sehr guten einen Ausnahmespieler machen kann. In diesem Spielraum entstehen Momente der Genialität, die ein Spiel entscheiden können. Mal dauern sie nur wenige Sekunden, mal eine Halbzeit, seltener ein ganzes Spiel lang. Aber oft bleiben sie uns über Jahre hinweg in Erinnerung. Das Wechselballett von Franz Beckenbauer und Günter Netzer im Viertelfinale gegen England bei der Europameisterschaft 1972. Jürgen Klinsmanns Sturmlauf im Halbfinale der EM 1992 gegen Schweden. Der Feuerkopf Matthias Sammer im EM-Finale 1996. Das waren Momente, in denen sich herausragende Sportler zu Genies aufschwangen.

Wenn Sie das Eröffnungsspiel der deutschen Nationalmannschaft bei dieser EM 2021 gesehen haben, haben Sie sich bestimmt Ihre eigene Meinung über deren Zustand gebildet. Und natürlich haben Sie recht, so wie auch alle anderen 83 Millionen Bundestrainer und Bundestrainerinnen recht haben. Manche sahen im Ringen mit den französischen Weltmeistern eine vielversprechende Leistung, auf der sich aufbauen lässt. Andere waren enttäuscht von der Mittelmäßigkeit der Löw-Elf.

Was auch immer Sie denken, in einem Punkt mögen Sie mir vielleicht zustimmen: Wenn das deutsche Team heute Abend um 18 Uhr im zweiten Gruppenspiel auf Portugal trifft, wird es nicht reichen, eine ordentliche Leistung zu zeigen. Es braucht einen genialen Moment. Ob er das ganze Spiel, eine Halbzeit oder nur wenige Sekunden dauert: In der Mannschaft um Käpt'n Manuel Neuer muss wenigstens einer einen spektakulären Einfall haben. Ohne den wird es schwer, die Zaubertruppe um den Tausendsassa Ronaldo zu schlagen. Aber da Sie und ich an diesem schönen Sommertag natürlich Optimisten sein wollen, gehen wir mal davon aus, dass Toni Kroos, İlkay Gündoğan oder Leroy Sané irgendetwas Feines gelingt. Oder Joshua Kimmich, der muss jetzt eh dringend durchstarten.

Um Sie für das Spiel heute Abend in die richtige Stimmung zu versetzen, empfehle ich Ihnen einen genialen Song. Natürlich stammt auch der von einem großen Fußballfan. Ich wünsche Ihnen ein sonniges Wochenende.

Herzliche Grüße,

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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