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Klima-Kipppunkt: Eis in der Arktis um die Hälfte geschmolzen


Klima-Kipppunkt
Eis in der Arktis um die Hälfte geschmolzen

Von afp
Aktualisiert am 27.07.2021Lesedauer: 2 Min.
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Im September 2012 waren nur noch 3,37 Millionen Quadratkilometer der Arktis mit Eis bedeckt (Quelle: UHH/KlimaCampus/Kaleschke)
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Das Meereis rund um den Nordpol ist in diesem Sommer so stark abgeschmolzen wie nie seit dem Beginn zuverlässiger Messungen im Jahr 1973. Das berichteten Klimaexperten des Netzwerks "KlimaCampus" in Hamburg und warnten vor gefährlichen Folgen für Natur und Mensch. "Extreme Winter könnten in Europa häufiger werden", erklärte Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Der Eisrückgang könne nur durch den "menschengemachten Klimawandel erklärt werden".

Den Wissenschaftlern zufolge waren Mitte September nur noch 3,37 Millionen Quadratkilometer Fläche mit Eis bedeckt, gegenüber durchschnittlich 7,5 Millionen Quadratkilometer in den Jahren von 1979 bis 2000. In den vergangenen 30 Jahren ist die Eisdecke damit um mehr als die Hälfte geschrumpft. Anderen Abschätzungen zufolge sei dies sogar der geringste Wert seit etwa 1500 Jahren, erklärten die Klimaforscher. Neueste Simulationen gingen zudem davon aus, dass die Arktis bis Mitte dieses Jahrhunderts im Sommer komplett eisfrei sein könnte.

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Eisalgen sind Basis des Lebens im Meer

Die Wissenschaftler sind vor allem besorgt, mit welcher Geschwindigkeit sich die vom Eis abhängigen Ökosysteme ändern: Wegen der Eisalgen, die am Beginn der Nahrungskette stehen, seien unter Eisflächen "viel mehr wohlgenährte Meerestiere zu sehen" als in den seit zwei Monaten eisfreien Bereichen, erklärte Antje Boetius vom AWI. Klimaforscher warnten zudem davor, dass der Eisrückgang den Wärmeaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre beschleunige und großräumige Windfelder beeinflusse. Dies könne zu mehr extrem kalten oder schneereichen Wintern in Europa führen.

Arktiseis ist ein Klima-Kipp-Punkt

Der Rückgang des arktischen Meereises gilt als Folge des globalen Klimawandels, der das Abschmelzen im Sommer beschleunigt und die Neubildung im Winter verlangsamt. Der Prozess wird von Forschern auch als ein möglicher "Kipp-Punkt" betrachtet - eine der sich selbst beschleunigenden Entwicklungen, die den Klimawandel und seine Folgen unumkehrbar machen könnten. Das liegt daran, dass eisfreies dunkles Wasser sich durch Sonneneinstrahlung stärker erwärmt als durch Eis bedecktes. Die schneller steigende Wassertemperatur beschleunigt die Eisschmelze noch weiter. Von Vorteil ist dies den Experten zufolge allerdings für die Schifffahrt und die Nutzung von Bodenschätzen in der Arktis.

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