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Virologe Streeck traut sich nicht mehr, seine Meinung zu sagen – warum?

Virologe bei "Maybrit Illner"  

Streeck traut sich nicht mehr, seine Meinung zu sagen

12.06.2020, 18:26 Uhr | mja, t-online.de

Virologe Streeck traut sich nicht mehr, seine Meinung zu sagen – warum?. Virologe Hendrik Streeck: Der Mediziner verweist auf Daten, wonach jüngere Kinder weniger infektiös sind als Erwachsene.   (Quelle: dpa/Federico Gambarini)

Virologe Hendrik Streeck: Der Mediziner verweist auf Daten, wonach jüngere Kinder weniger infektiös sind als Erwachsene. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck beklagt in der Talkshow "Maybrit Illner" eine übermäßig emotionale Debatte in der Corona-Krise. Er traue sich nun kaum noch, seine Meinung offen zu sagen.

Einer der angesehensten Virologen des Landes bekommt öffentlich so viel Gegenwind, dass er kaum noch seine Meinung sagen möchte. Der HIV-Spezialist Hendrik Streeck aus Bonn bekannte am Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner", sich durch die aktuelle Diskussionskultur eingeschüchtert zu fühlen: "Man traut sich in dieser emotionalen Debatte gar nicht mehr, seine Einschätzung oder Empfehlung zu geben, wie man das selber sieht." 

Illner fragte Streeck, was er vom nun angepeilten Regelbetrieb der Schulen in ganz Deutschland halte. "Natürlich habe ich eine persönliche Meinung dazu", sagte Streeck. "Es wird dann aber entweder verkürzt dargestellt, was man gesagt hat, oder der eine gegen den anderen aufgebauscht." Alle säßen im selben Boot und wollten dasselbe von der Regierung, sagte Streeck. "Wir sind keine Gegenspieler."  

Tragen Lehrer ein größeres Infektionsrisiko?

Illner hakte nach, ob die Lehrer, die sich nun als Versuchskaninchen fühlten, recht hätten mit ihren Sorgen. "Tragen die Lehrer und Erzieher größere Risiken als andere Berufsgruppen?", fragte sie. "Kinder können gleich infektiös sein wie Erwachsene – oder weniger", sagte Streeck. Immer mehr Daten tendierten dahin, dass sie weniger infektiös seien und weniger an der Ausbreitung des Coronavirus beteiligt seien. Es sei am Ende eine politische Entscheidung zu sagen, ob es in der Schule ein besonderes Risiko gebe. "Generell hat jeder, der einen engeren Kontakt mit Menschen hat, ein höheres Risiko für eine Infektion." Wie hoch das Risiko sei, müsse die Politik bewerten.  

Streeck erinnerte an Studien aus Australien und den Niederlanden, wonach jüngere Kinder nicht häufiger infiziert sind und das Virus weitergeben. Die Sorge, dass sich jüngere Kinder nicht an die Abstandsregeln hielten, sei deshalb womöglich nicht so relevant. In den Niederlanden seien die Kitas schon lange wieder geöffnet. "Dort sehen wir aber keine gestiegenen Infektionszahlen", sagte Streeck.  

Der Mediziner war mit seiner Heinsberg-Studie in die Kritik geraten. Bei der Untersuchung des Infektionsgeschehens in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) war Streeck und seinem Team ein fataler Rechenfehler unterlaufen, der die Aussagekraft der gesamten Studie minderte. Ziel der Studie war es, Informationen über die Dunkelziffer der Infiziertenzahlen sowie die Sterblichkeitsrate in Deutschland abzuleiten. 

Verwendete Quellen:
  • Sendung "Maybrit Illner" vom 11. Juni 2020

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