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"Tübinger Appell": Boris Palmer rät Senioren zum Bus-Verzicht – Kritik

Corona in Tübingen  

Palmer rät Senioren zum Bus-Verzicht – die reagieren erbost

02.11.2020, 16:29 Uhr | dpa

"Tübinger Appell": Boris Palmer rät Senioren zum Bus-Verzicht – Kritik. Boris Palmer: Der Oberbürgermeister von Tübingen rät den Senioren seiner Stadt, nicht mit dem Bus zu fahren. (Quelle: imago images/Eibner)

Boris Palmer: Der Oberbürgermeister von Tübingen rät den Senioren seiner Stadt, nicht mit dem Bus zu fahren. (Quelle: Eibner/imago images)

Tübingens Oberbürgermeister Palmer will es wie Schweden machen: Er hat sich an die älteren Bewohner seiner Stadt gewandt und an deren Eigenverantwortung appelliert. Diese üben Kritik.

Mit seinem Corona-Appell an ältere Menschen stößt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) beim Landesseniorenrat auf wenig Verständnis.

Sein Aufruf an die Senioren, angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen den Stadtbus nicht zu nutzen und aufs Fahrrad oder auf das bereits seit April zur Verfügung stehende Anrufsammeltaxi umzusteigen, sei nicht nachvollziehbar, sagte der Vorsitzende des Landesseniorenrats, Uwe Bähr, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Mir ist nicht ersichtlich, warum Sammeltaxis mit fremden Mitfahrern weniger risikoreich sein sollen als Busse oder Straßenbahnen."

"Ältere Menschen werden auf diese Weise stigmatisiert"

In seinem "Tübinger Appell" hatte Palmer zudem junge Menschen gebeten, zwischen 9.30 und 11.00 Uhr nicht einkaufen zu gehen und diese Zeit den Senioren zu überlassen. Außerdem sollen alle Menschen in Tübingen über 65 Jahren kostenlos mit hochwertigen FFP2-Masken versorgt werden.

"Es ist völlig unangemessen, solche Kohorten beim Einkaufen zu bilden", sagte Bähr. "Ältere Menschen werden auf diese Weise stigmatisiert. Ein Einkauf ist zudem auch die Möglichkeit für Senioren, am gesellschaftlichen Alltag teilzunehmen und einen sozialen Kontakt zu pflegen."

Vorbild Schweden: Eigenverantwortung der Bürger

Neben Palmer und seinen Stellvertretern hatten den Aufruf auch die Kreisvorsitzenden des Deutschen Roten Kreuzes und der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums unterzeichnet. "Der Tübinger Appell setzt wie Schweden auf Eigenverantwortung und besonderen Schutz der Alten", sagte OB Palmer der "Bild"-Zeitung. Schweden hatte in der Pandemie vor allem auf freiwillige Vorsichtsmaßnahmen gesetzt, die sich hauptsächlich an ältere Bürger richteten. Der schwedische Umgang mit dem Coronavirus ist allerdings auch hochumstritten.

Seit Montag gilt in ganz Deutschland wegen Corona ein – vorerst auf vier Wochen beschränkter – Teil-Lockdown. Die um Mitternacht in Kraft getretenen Regelungen stehen nach wie vor in der Kritik.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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