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Corona in Deutschland: RKI tadelt – und fordert schärferen Lockdown

"Es gibt keinen anderen Weg"  

RKI tadelt Bevölkerung und fordert noch schärferen Lockdown

14.01.2021, 17:45 Uhr | ds, dpa, AFP

 (Quelle: Reuters)
RKI: "Pandemie wird Ende des Jahres unter Kontrolle sein"

Nach Einschätzung von RKI-Chef Lothar Wieler könnte es noch bis Ende des Jahres dauern, bis die Coronavirus-Pandemie unter Kontrolle ist. Derzeit sei das Gebot der Stunde, die Infektionszahlen so stark wie möglich zu reduzieren. (Quelle: AFP)

"Bleiben Sie zuhause": RKI-Chef Lothar Wieler hat eine klare Botschaft für die deutsche Bevölkerung. (Quelle: AFP)


Das Robert Koch-Institut meldet einen Höchststand bei den Corona-Todesfällen. Für RKI-Chef Wieler Grund genug, die Bevölkerung für ihre Lockdown-Müdigkeit zu kritisieren. Dazu liefert er neue Mobilitätsdaten.  

Der Präsident des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler hat die Lockdown-Müdigkeit der Bevölkerung kritisiert: Daten zeigen, dass die Corona-Beschränkungen nicht mit derselben Konsequenz wie während der ersten Corona-Welle umgesetzt werden. "Es gibt die Möglichkeit, bei einzelnen Maßnahmen nachzuschärfen", sagte Wieler bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

RKI-Epidemiologe Dirk Brockmann ist es eine "totale Konsensaussage" aller Modellberechnungen, dass die Maßnahmen weiter verschärft werden müssten, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Auch RKI-Präsident Lothar Wieler befürwortete eine Verschärfung als "Option".

Wieler: "Es gibt zu viele Ausnahmen"

Wieler kritisierte dabei die derzeit geltenden Einschränkungen als nicht ausreichend. "Diese Maßnahmen, die wir jetzt machen – für mich ist das kein vollständiger Lockdown, es gibt immer noch zu viele Ausnahmen."

Nach den Feststellungen des RKI schränkt sich die Bevölkerung aktuell deutlich weniger in ihrer Mobilität ein als im Frühjahr. "Der Lockdown ist nicht so effektiv", so Wieler. So habe sich an den Sonntagen im Dezember gezeigt, dass die Menschen viel häufiger unterwegs gewesen seien als im Frühjahr. Die Mobilität sei immer noch zu hoch. Wieler forderte außerdem Unternehmen auf, noch mehr Homeoffice möglich zu machen.

Zurzeit müssten die Maßnahmen zur Kontaktreduktion "mit aller Konsequenz" genutzt werden, um die Infektionszahlen zu drücken, mahnte der Mikrobiologe und Tiermediziner. Danach müssten die Zahlen auf einem niedrigen Niveau gehalten werden – "Es gibt keinen anderen Weg."

Virus-Mutante durch Reisen nach Deutschland gekommen

Wieler betonte, jede Infektion sei eine zu viel. "Bitte bleiben Sie zu Hause, wenn immer möglich." Es gelte, sich immer und überall an die Regeln zu Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften zu halten. Dass die Maßnahmen wirkten, sehe man anhand der sehr niedrigen Fallzahlen anderer Atemwegsinfektionen im Vergleich zu den Vorjahren. Wichtig sei aber, dass die Menschen die Maßnahmen auch konsequent umsetzen.

"Wer nicht unbedingt muss, sollte im Moment nicht verreisen", sagte Wieler mit Blick auf die starke Verbreitung neuer Corona-Varianten in anderen Ländern. Mit Stand Mittwoch seien alle aktuell bekannten Nachweise dieser Varianten in Deutschland von Reisenden mitgebracht worden. Bisher könne man noch nicht abschätzen, wie sie sich auf die Situation hierzulande auswirkten. "Sie könnten sich aber auch hier durchsetzen und zu noch mehr Fällen in kürzerer Zeit führen." Es bestehe die Möglichkeit, dass sich die Lage noch verschlimmere.

Anhaltspunkte sprechen Wieler zufolge aber nicht dafür, dass die Varianten hierzulande bereits stark verbreitet sind. Er räumte allerdings ein: "Wir haben keinen vollen Überblick über die Varianten." Nach einem "Handelsblatt"-Bericht unter Berufung auf das RKI sind in Deutschland im Dezember etwa 200 bis 250 Genome auf Mutationen untersucht worden – das sei viel weniger als etwa in Großbritannien und Dänemark. Aber auch in Deutschland soll jetzt mehr nach neuen Varianten gesucht werden. In Großbritannien hatte sich zuletzt eine Corona-Mutation sehr rasch ausgebreitet. Auch eine in Südafrika entdeckte Variante steht derzeit im Fokus.

Intensivstationen arbeiten an der Belastungsgrenze

Der RKI-Chef verwies auf die hohe Arbeitsbelastung im Gesundheitswesen, insbesondere auf den Intensivstationen. "Die intensivmedizinische Versorgung in Deutschland war wahrscheinlich noch nie so ausgelastet wie heute." Auf den Intensivstationen liege das Durchschnittsalter der Patienten teilweise unter 60 Jahren. Wegen der hohen Infektionszahlen seien immer mehr Jüngere betroffen. Die bestmögliche Versorgung der Erkrankten könne aber nicht mehr flächendeckend gewährleistet werden.

Bei den gemeldeten Corona-Todesfällen ist nach den RKI-Zahlen von Donnerstag ein Tageshöchststand von 1.244 erreicht worden. Zudem wurden innerhalb eines Tages weitere 25.164 Neuinfektionen erfasst. Die RKI-Zahlen sind wegen des Meldeverzugs über den Jahreswechsel allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Verwendete Quellen:
  • RKI-Pressekonferenz vom 14.01.2021

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