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Flughafen am S√ľdpol: Australiens umstrittene Antarktis-Pl√§ne

Von dpa
Aktualisiert am 07.03.2021Lesedauer: 4 Min.
Blick auf die australische Forschungsstation Davis.
Blick auf die australische Forschungsstation Davis. Australien verfolgt Pläne, dort einen Flughafen zu bauen. (Quelle: David Barringhaus/Australian Antarctic Division/dpa./dpa)
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Sydney (dpa) - Die Antarktis gilt als einer der letzten weitgehend unber√ľhrten Naturr√§ume der Erde. Das hat nicht nur mit der entlegenen Lage des Kontinents zu tun, sondern auch mit seinem unwirtlichen Klima.

In T√§lern des Ostantarktischen Plateaus wurden einmal Temperaturen von minus 98 Grad gemessen. In dieser einmaliger Region mit ihren seltenen Tierarten plant Australien bis 2040 den Bau eines Flughafens. Eine 2,7 Kilometer lange befestigte Landebahn soll es k√ľnftig auch gro√üen Maschinen erm√∂glichen, den S√ľdpol anzusteuern. Umweltsch√ľtzer sind entsetzt.

Die Regierung in Canberra will das Projekt im von ihr beanspruchten Teil im Osten der Antarktis durchf√ľhren, ganz in der N√§he der australischen Forschungsstation Davis. Die asphaltierte Piste w√ľrde nach den W√ľnschen der Regierungsbeh√∂rde Australian Antarctic Division (AAD) ganzj√§hrige Flugverbindungen zwischen Hobart, der Hauptstadt des Bundesstaates Tasmanien, und der Antarktis m√∂glich machen.

In dem Gebiet gibt es kaum Eis, aber viele Naturwunder. "Die Region um Davis Station ist wahrscheinlich das bedeutendste eisfreie K√ľstengebiet der Antarktis", betonen Forscher der Universit√§t Tasmanien (UTAS). "Sie bietet einzigartige Seen, Fjorde, Fossilienfundst√§tten und wildlebende Tiere."

Julia Jabour und Shaun Brooks vom Institut f√ľr Meeres- und Antarktisstudien (IMAS) warnten im vergangenen Jahr eindringlich vor m√∂glichen Folgen des Vorhabens. So sei die Umgebung der geplanten Landebahn wichtig f√ľr Ad√©liepinguine, Weddellrobben und Riesensturmv√∂gel. Nicht nur w√ľrden Teile des Lebensraums der Tiere zerst√∂rt, sie w√ľrden w√§hrend des Baus und vor allem nach der Inbetriebnahme auch massiv unter L√§rm und Staub leiden, sagen Tiersch√ľtzer.

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Allein in der direkten Umgebung des anvisierten Bauortes gibt es demnach acht Ad√©liepinguin-Brutgebiete. Die flugunf√§higen Seev√∂gel k√∂nnten k√ľnftig durch startende und landende Flugzeuge in Panik geraten und ihre Eier zur√ľcklassen, die dann eisigen Winden ausgesetzt w√§ren. "Wenn man bedenkt, dass die Tourismusrichtlinien vorsehen, dass man einem Pinguin nicht einmal den Weg blockieren darf, kann man davon ausgehen, dass dieses Projekt enorme Auswirkungen auf die Tiere haben wird", sagte der Antarktis-Experte Alistair Allan von der Naturschutzorganisation Bob Brown Foundation.

"Auch in den angrenzenden Seen sind irreparable Sch√§den zu erwarten", schrieben Jabour und Brooks in ihrem Papier. Heimische Flechten, Pilze und Algen k√∂nnten zerst√∂rt werden. Brooks sch√§tzt, dass das Projekt den √∂kologischen Fu√üabdruck aller Nationen, die in der Antarktis Studien betreiben, um 40 Prozent steigern w√ľrde.

Derzeit befindet sich das teure Projekt in der Umweltpr√ľfungsphase. Beobachter rechnen mit Kosten von mehreren Milliarden Australischer Dollar. Ob es letztlich genehmigt wird, ist noch fraglich. Die Antarktis-Division AAD sieht aber "eine Reihe bedeutender wissenschaftlicher Vorteile", wenn es k√ľnftig ganzj√§hrig Zugang zu der unwirtlichen Region geben sollte. "Dies w√ľrde es Wissenschaftlern erm√∂glichen, sich auf die Beantwortung kritischer Fragen von globaler Bedeutung zu konzentrieren", sagte ein AAD-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Er erw√§hnte unter anderem Vorteile bei Datenerfassung und biologischen Studien sowie die M√∂glichkeit, "√∂kologische Daten mit einer h√∂heren Aufl√∂sung √ľber die Jahreszeiten hinweg zu erfassen". Die Umweltbedenken verstehe man. Es w√ľrden eingehende Untersuchungen und Pr√ľfungen durchgef√ľhrt, um die Auswirkungen so gering wie m√∂glich zu halten.

Kritiker glauben aber, dass die Regierung nicht nur wissenschaftliche, sondern vor allem geopolitische Ziele verfolgt. So erkl√§rte Au√üenministerin Marise Payne im Dezember in einer Pressemitteilung, das Projekt werde "Australiens Pr√§senz in der Antarktis st√§rken". Auch die AAD hatte in einem fr√ľheren Bericht mitgeteilt, der Flugplatz werde "gleicherma√üen unsere Pr√§senz und unseren Einfluss steigern".

Geoff Dannock, der √ľber ein Jahrzehnt lang als Logistikmanager f√ľr die AAD t√§tig war, erl√§utert die Beweggr√ľnde der Planer aus seiner Sicht: "Sie sind besorgt √ľber den wachsenden Einfluss und das wachsende Interesse Chinas und Russlands an der Antarktis - und sie glauben, dass sie dem durch den Bau dieses Betonst√ľcks entgegenwirken k√∂nnen." Seit der Ank√ľndigung des Projekts im Jahr 2018 hat Dannock die Regierung nicht nur vor den Folgen f√ľr die Umwelt, sondern auch vor "massiven logistischen Problemen" gewarnt. Er k√∂nne "√ľberhaupt keine Vorteile in dem Vorhaben sehen", erkl√§rt er.

Die Bob Brown Foundation hatte schon im November eine Petition gegen das Projekt auf den Weg gebracht, die bisher rund 1200 Menschen unterschrieben haben. Er habe mit vielen Beteiligten √ľber die Pl√§ne gesprochen, darunter fr√ľhere AAD-Mitarbeiter und Wissenschaftler, um ein Gef√ľhl daf√ľr zu bekommen, wie das Projekt aufgenommen wird, so Antarktis-Experte Allan. "Die ganz √ľberwiegende Mehrheit war der Auffassung, dass es kein gutes Projekt ist und nicht weiterverfolgt werden sollte."

Sch√§tzungen zufolge w√§ren rund 250 Menschen n√∂tig, um die Piste zu bauen. "Die Unterbringung so vieler Leute, um den Flugplatz bis 2040 fertigzustellen, w√ľrde ebenfalls Folgen f√ľr die Umwelt haben", warnte Dannock. "Es handelt sich schlie√ülich um eine High-Tech-Landebahn, nicht nur um ein St√ľck Beton." Letztlich liege die Entscheidung aber allein bei der Regierung.

"Meine gr√∂√üte Angst ist, dass keine Regierung es schaffen wird, eine Finanzierung bis 2040 zu gew√§hrleisten", so Dannock. "Und wenn dann eine neue Regierung gew√§hlt wird, k√∂nnte sie die Gelder streichen, nachdem die Erde bereits abgetragen ist. Alles was bleiben w√ľrde w√§re Schutt - also sehr viel Schaden ohne irgendeinen Nutzen."

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