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Linken-Chefin gerät bei Lanz ins Schleudern

Aktualisiert am 01.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Susanne Henning-Wellsow: In der jüngsten Lanz-Sendung schlägt sich die Linken-Chefin gut – bis zu einer Frage.
Susanne Henning-Wellsow: In der jüngsten Lanz-Sendung schlägt sich die Linken-Chefin gut – bis zu einer Frage. (Quelle: imago images)
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Wie groß ist die Uneinigkeit in der Union? Was wäre, wenn die Linken-Chefin

CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble und die frisch gewählte Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow: Am Mittwoch nahm Markus Lanz in seiner Talkrunde gleich zwei Politikmachende ins Kreuzverhör. Gelassen blieb dabei nur Schäuble – und das nach Lanz' Geschmack sogar eine Spur zu sehr.

Denn selbst bei Fragen, die auf der wochenlangen Talfahrt der CDU-Umfragewerte sowie dem öffentlichen Schlagabtausch zwischen Parteichef Armin Laschet und der Bundeskanzlerin aufbauten, entlockte er Schäuble keine großen Gefühlsregungen: "War ihre Partei jemals in einer so tiefen Krise?", wollte der Moderator direkt wissen. Die tiefenentspannte Antwort: "Wir waren auch schon totgesagt – 1969 meinten Analytiker, es gehe mit der CDU zu Ende", so der 78-Jährige. Die Zahlen "schrecken mich nicht so sehr".

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"Sie versuchen, betont gelassen zu wirken", bemerkte Lanz. Doch auch auf mehrfaches Nachbohren ließ sich der CDU-Mann nicht aus der Fassung bringen. Er sei eben einfach sehr gelassen, wenn es um die Geschlossenheit seiner Partei gehe, so Schäuble. "Das tut mir leid für Sie, Herr Lanz."

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Schäuble bleibt cool

Neu sei die Lage der Union mit Blick auf das Nebeneinander von Kanzlerschaft und CDU-Vorsitz. "Das hatten wir so noch nicht", so Schäuble. Einfach sei es nicht, weil einerseits die Kanzlerin uneingeschränkt wirken können müsse, sich der Vorsitzende aber gleichzeitig als derjenige beweisen müsse, der "die Union in eine gute Zukunft führen kann."

Einen Grundsatzstreit zwischen Kanzlerin und dem CDU-Vorsitzenden gebe es aber nicht. Sie seien tatsächlich "gar nicht so weit voneinander entfernt", so Schäuble. Den Beschluss der Corona-Notbremse habe schließlich keine Ministerpräsidentin und kein Ministerpräsident bestritten.

Auf die Frage nach einem Kanzlerkandidaten ließ sich Schäuble nicht weiter ein. "Wir haben größere Probleme als uns mit Personalproblemen zu beschäftigen", so der CDU-Mann mit Blick auf die Corona-Pandemie. Vermutlich werde es einer der beiden Parteivorsitzenden.

Henning-Wellsow im Schwitzkasten

Von der politischen Mitte nach links schwenkte Lanz gegen Ende der Sendung das Spotlight auf Linken-Chefin Hennig-Wellsow. Sein Kreuzverhör startete er mit einem Gedankenexperiment: Was sie tun würde, wenn sie morgen Bundeskanzlerin wäre, wollte Lanz wissen. "Zunächst wäre das schön", begann die Linken-Chefin ihre Ausführung. "Das weiß ich noch nicht", warf Lanz prompt dazwischen.

Sie würde die Schuldenbremse abschaffen und eine Vermögenssteuer von fünf Prozent ab eine Million Euro einführen, führte Hennig-Wellsow aus. Auf die Frage nach einem Spitzensteuersatz antwortete sie: "50 Prozent könnte man schon machen" – ab einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro.

Mit einem Fragenfeuerwerk brachte Lanz die Linken-Chefin ordentlich ins Schwitzen und war offensichtlich darauf fixiert, Schwachstellen des Parteiprogramms zu enttarnen, sowie der Einheit der Doppelspitze auf den Zahn zu fühlen. "Wie hoch eine Erbschaftssteuer wäre", wollte er beispielsweise wissen. "Das habe ich nicht im Kopf", so die Politikern, die die meisten Detailfragen im fiktiven Bundeskanzlerinnenamt bis dahin halbwegs souverän hinter sich gebracht hatte. "Das ist doch ein zentraler Baustein", so Lanz. Und weiter: "Nicht, dass ich am Ende ihr Programm besser kenne als sie."

Auf die Frage, ob sie den Kapitalismus abschaffen wolle, zog sich die Linken-Chefin mit einer Antwort aus der Affäre, die zumindest in ihrer Ungreifbarkeit an eine Bundeskanzlerin heranreichte: "Ich kritisiere das System", so Hennig-Wellsow. "Wir brauchen eine solidarische Gesellschaft."

Kritik kam nicht nur von Lanz, sondern auch von Journalistin Cerstin Gammelin: "Ich habe bei der Doppelspitze der Linken den Eindruck, dass einer hier steht und einer dort", so ihr Urteil. Die Wähler müssten aber wissen, was sie bekommen. "Ein Spitzensteuersatz bei 80.000 Euro ist wie ein Wählt-mich-nicht-Programm."

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  • Annika Leister
Von Annika Leister
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