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Apotheke bietet Impfstoff als Globuli an

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 01.05.2021Lesedauer: 4 Min.
Globuli: Eine Apotheke in Koblenz hat Wirbel ausgelöst mit einem Angebot von Homöopathie mit Corona-Impfstoff. Die Stadt Koblenz spricht nun von einer Absprache mit dem Land.
Globuli: Eine Apotheke in Koblenz hat Wirbel ausgelöst mit einem Angebot von Homöopathie mit Corona-Impfstoff. Die Stadt Koblenz spricht nun von einer Absprache mit dem Land. (Quelle: imago-images-bilder)
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In Koblenz hat das Angebot einer Apotheke fĂŒr Wirbel gesorgt. Sie hatte ImpfstoffkĂŒgelchen gegen Corona beworben. ZustĂ€ndige Behörden rotierten am Freitag.

Die Mitarbeiterin berĂ€t am Telefon freundlich und geduldig. Die Frau ahnt noch nichts vom Empörungssturm, der aus ganz Deutschland ĂŒber die Schloss-Apotheke in Koblenz hereinbrechen wird. Es geht um die Homepage. Dort steht am Freitagmorgen: "Wir haben Pfizer/BioNTech Covid-19-Vaccine in potenzierter Form bis D30 als Globuli oder Dilution (zur Ausleitung) vorrĂ€tig."

Es ist ein Satz, der auch die Aufsichtsbehörde und das fĂŒr Impfstoffe zustĂ€ndige Paul-Ehrlich-Institut alarmiert: Globuli mit Impfstoff? Noch am Freitag wurden in der Apotheke bereits hergestellte Homöopathika mitsamt Zwischenprodukten vom Landesamt fĂŒr Soziales, Jugend und Versorgung vorsorglich gesperrt.

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Doch von vorne. Die Recherche beginnt mit dem Anruf in der Apotheke als vermeintlicher Kunde: Eine Freundin habe von den Globuli erzĂ€hlt. "Ich bin noch nicht geimpft, ich habe noch keinen Termin. Bieten mir die schon vorab einen Schutz?" Dieses mögliche Versprechen ist das, was einen Großteil der Empörung im Netz ausmacht. Lassen sich Menschen homöopathisch impfen?

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Mitarbeiterin reagiert richtig

Die Antwort aus der Apotheke ist eindeutig: "Dazu ist es nicht gedacht, es bietet keinen Schutz vor Covid-19." Die Mitarbeiterin der Koblenzer Apotheke zÀhlt aber sofort auf, dass es zur Vorbeugung vor Covid-19 andere Dinge gibt, Masken tragen nennt sie, und Vitamin C zum Beispiel: "Immunsystem stÀrken!" Das kommt oft zu kurz.

Aber wozu ist das Mittel? "Ausleitung" steht auf der Internetseite: Sollen durch die ZuckerkĂŒgelchen, die mit Impfstoff in Kontakt gekommen ist, vielleicht Inhaltsstoffe (schneller) ausgeschieden werden? Im Biontech-Impfstoff sind neben der Boten-RNA, Lipide, also Fette, die sie ummanteln, dazu körpereigene Salze und Saccharose, Zucker also. "Es wird genommen, um etwaige Impfreaktionen abzumildern", sagt die Mitarbeiterin am Telefon.

Wie das funktionieren soll, kann sie da nicht erklĂ€ren. "Viele sagen, dass sie dann keine oder nur milde Reaktionen haben." Der grĂ¶ĂŸte Teil der Geimpften berichtet das auch – ganz ohne Globuli-UnterstĂŒtzung. Zwei Wochen lang solle man das nach der Impfung nehmen, sagt die Frau.

Auch Moderna und Astrazenca im Angebot

Bei einer Impfung mit einem anderen Impfstoff sei das auch kein Problem: Die Apotheke habe auch Mittel mit dem Moderna-Impfstoff und mit Vaxzevria von Astrazeneca. Nachfrage mit gespielter Verwunderung: Also, die Impfstoffhersteller, "liefern die Ihnen jetzt sogar Impfstoff fĂŒr die homöopathischen Mittel?"

Das ist ausgeschlossen, erklĂ€rt eine irritierte Sprecherin von Astrazeneca auf Anfrage. Erst mĂŒssten die Verpflichtungen gegenĂŒber Regierungen und Gesundheitsorganisationen weltweit erfĂŒllt werden. "Daher gibt es derzeit keine Lieferung, keinen Verkauf oder Vertrieb des Impfstoffs durch den privaten Sektor."

"Pfizer/BioNTech-Vaccine als Globuli oder Dilution": der Hinweis auf der Internetseite. Er wurde am Freitagmittag gelöscht. Staattdessen wurde ein Hinweis veröffentlicht, dass das homöopathische Mittel keinen impfÀhnlichen Schutz bietet.
"Pfizer/BioNTech-Vaccine als Globuli oder Dilution": der Hinweis auf der Internetseite. Er wurde am Freitagmittag gelöscht. Staattdessen wurde ein Hinweis veröffentlicht, dass das homöopathische Mittel keinen impfÀhnlichen Schutz bietet. (Quelle: Screenshot schloss-apotheke-koblenz.de)

Aber woher kriegt die Apotheke den Impfstoff? Die Mitarbeiterin erklÀrt: "Wir haben HausÀrzte, da bleibt ein Rest in der Ampulle."

Apotheke kontaktiert alle KĂ€ufer

Die Betreiberin hat einige Stunden spĂ€ter offenbar die Brisanz erkannt. Auf eine Anfrage meldet sich ein eingeschalteter Manager fĂŒr Krisen-PR. Die Apothekerin will alle KĂ€ufer des homöopathischen Mittels nun noch einmal kontaktieren mit dem Hinweis, dass es keinesfalls Impfschutz bietet, erklĂ€rt der Sprecher.

Es handele sich um eine mittlere zweistellige Zahl von Kunden. Und das Mittel sei auch nicht beworben worden, sondern eigentlich nur produziert worden, weil Heilpraktiker danach gefragt hÀtten. Das bedeute, dass KÀufer eigentlich auch alle entsprechende Beratung bekommen haben sollten. Zur Sicherheit soll es die erneute Kontaktaufnahme geben. Zudem wurde auf der Homepage der Apotheke prominent ein Hinweis veröffentlicht.

Impfstoff sind Reste aus Impfzentrum

Der Impfstoff ist aber nicht von HausĂ€rzten abgegeben worden, recherchiert am Freitag das Landesamt fĂŒr Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV), das Aufsichtsbehörde ist: Die Apothekerin selbst hat demnach "Restmengen nach dem Aufziehen der Impfdosen, die sonst in den MĂŒll geworfen worden wĂ€ren, aus dem Impfzentrum in Koblenz und aus einem Altenheim mit in die Apotheke genommen".

Der OberbĂŒrgermeister der Stadt Koblenz als Verantwortlicher des Impfzentrums sei eingeschaltet, nach seinem Ermessen geeignete Mittel zu ergreifen. Das LSJV erklĂ€rt aber auch: "Es gibt keine Hinweise oder den Verdacht, dass es sich dabei um noch verabreichungsfĂ€higen Covid-19-Impfstoff handelt."

Untermauert ist damit aber: Es wurde wirklich Impfstoff eingesetzt. Auf Twitter wurden auch daran Zweifel laut. Denn: Wenn keiner genutzt wĂŒrde, könnte das auch niemand nachweisen bei der entsprechend oft wiederholten VerdĂŒnnung. Die Potenz C30 bedeutet, dass ein MolekĂŒl auf eine Wasserkugel mit dem gigantischen Durchmesser des Abstands von der Sonne zur Erde kommt.

"Zucker mit 'nichts' hat keine Auswirkungen"

Impfstoff als Globuli sei deshalb ein Widerspruch in sich, erklĂ€rt eine Sprecherin des fĂŒr Impfstoffe zustĂ€ndigen Paul-Ehrlich-Instituts: "Ein Impfstoff enthĂ€lt wirksame Bestandteile. Aus der Kombination von Zucker mit "nichts" sind weder positive noch negative Auswirkungen auf die Impfung zu erwarten." Das Institut will auf den Fall mit einem Hinweis zu "möglichen Angeboten von Covid-19-ImpfstoffverdĂŒnnung" auf seiner Internetseite reagieren.

Ohne Wirkstoff ist es auch kein Arzneimittel, das eine Zulassung brĂ€uchte – und sie dann nicht bekommen wĂŒrde. Homöopathische Arzneimittel brauchen in der Regel gar keine aufwendige Zulassung, fĂŒr sie ist eine Registrierung ausreichend. In kleinen Mengen produziert gibt es noch andere Regeln.

Hier kommt das rheinland-pfĂ€lzische LSJV wieder ins Spiel: Es sei bereits eine PrĂŒfung eingeleitet, ob gegen arzneimittelrechtliche oder sonstige Vorschriften verstoßen worden ist. GrundsĂ€tzlich sei es aber fĂŒr Apotheken zulĂ€ssig, Homöopathika nach der im homöopathischen Arzneibuch beschriebenen Verfahrenstechnik auf Einzelanforderung von Patienten, Ärzten oder Heilpraktikern herzustellen, so eine Sprecherin. Die Anwendung erfolge dann "entsprechend der homöopathischen Therapierichtung als alternativmedizinische Behandlungsmethode".

Impfen mit Globuli fÀllt nicht darunter.

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