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Wohl Àltester Paternoster der Welt rotiert wieder in Hamburg

Von dpa
16.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Den Recherchen eines Kunsthistorikers ist es zu verdanken, dass ein alter Paternoster in einem Hamburger GeschÀftshaus wieder entdeckt wurde.
Den Recherchen eines Kunsthistorikers ist es zu verdanken, dass ein alter Paternoster in einem Hamburger GeschÀftshaus wieder entdeckt wurde. Nun wird das historische Teil wieder auf Vordermann gebracht. (Quelle: Marcus Brandt/dpa./dpa)
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Hamburg (dpa) - Die Geschichte um die Wiederentdeckung des wohl Ă€ltesten Paternosters der Welt beginnt fast wie ein Indiana-Jones-Abenteuerfilm: Vor vier Jahren entdeckt ein junger Kunsthistoriker mehr oder weniger zufĂ€llig bei Recherchen zu einer Uni-Vorlesung ein StĂŒck imposanter Fahrstuhl-Kultur.

Der Doktorand Robin Augenstein stĂ¶ĂŸt in einer Publikation auf einen alten Bauplan des Hamburger FlĂŒggerhauses, eines historistischen Kontorbaus mit JugendstilanklĂ€ngen von 1908. Und entdeckt damit auch einen seit mehr als vier Jahrzehnten hinter einer Verschalung versteckten uralten Paternoster wieder.

Aufgeregt sucht der damals 28-JĂ€hrige sofort Kontakt zum Mieter des GebĂ€udes und zum Denkmalschutzamt - und kann die zustĂ€ndigen Leute von seiner Idee ĂŒberzeugen. "Dann sind wir mit Taschenlampen runter in den Keller gestapft und standen plötzlich vor diesen ZahnrĂ€dern", erinnert sich Augenstein mit noch immer spĂŒrbarer Begeisterung. Denn allein die urige Mechanik im Sechs-Etagen-Haus in HafennĂ€he wirkt geradezu sagenhaft.

Wieso heißt der Aufzug Paternoster?

Durch sein Engagement ist ein vergessener Paternoster aus seinem Dornröschenschlaf geweckt worden. Und der gilt nun nach seiner Instandsetzung und Restaurierung als der wohl weltweit Àlteste, original erhaltene Personen-Umlauf-Aufzug.

Stets schön in Schwung zu bleiben, ist der Daseinszweck eines Personen-Umlauf-Aufzugs. Ohne Unterlass ĂŒber die Stockwerke eines Gewerbe- oder auch AmtsgebĂ€udes zu rotieren, damit Nutzer jederzeit problemlos zu- und aussteigen können. Geschmeidig gleiten soll dieser Aufzug, wie ein Rosenkranz ĂŒber die Hand von GlĂ€ubigen - darum nennt man ihn auch Paternoster ("Vaterunser").

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Zehn elektrobetriebene ZahnrĂ€der aus massivstem Stahlguss, eines davon gut 1,50 Meter hoch, bilden die Grundlage fĂŒr ein System mit zwei dicken, bis ins Obergeschoss parallel laufenden Ketten. An ihnen hĂ€ngen 14 Kabinen fĂŒr je zwei Personen aus auf Mahagoni gebeiztem Weichholz. Daraus bestehen auch die dezent ornamentierten Zugangsumrahmungen auf den Etagen.

"Hier handelt es sich eher um ein Standardmodell, aber es ist ein besonders schöner und in der Bauform in Deutschland einmaliger Paternoster", erklĂ€rt Augenstein, dessen Promotionsthema der Denkmalwert alter AufzĂŒge ist. Und er merkt an: "Die meisten der etwa 20 Paternoster, die in Hamburg noch lauffĂ€hig sind, haben nicht mehr ihren ursprĂŒnglichen Zustand. Oft wurde massives Holz wie Eiche, Mahagoni oder auch Weichholz durch Kunststoff ersetzt. Wodurch Charme und Denkmalwert verloren gehen."

Löst bisher wohl Àltsten Paternoster in Wien ab

Als Ă€ltester erhaltener Paternoster der Welt lĂ€uft der Aufzug des FlĂŒggerhauses nun dem des Wiener Hauses der Industrie von 1910 den Rang ab. Da fĂŒgte es sich, dass inzwischen ein Investor, Signa Real Estate, das alte KontorgebĂ€ude gekauft hatte und renovieren ließ. Die Firma war bereit, in Zusammenarbeit mit Behörden und PrĂŒfinstituten auch die Wiederherstellung des Paternosters zu veranlassen. Und die Kosten von einigen hunderttausend Euro zu tragen. So können kĂŒnftige Mieter, Mitarbeiter und Besucher im Haus nicht nur ein urtĂŒmliches FahrgefĂŒhl, sondern auch die Schönheit des mit Majolika-Fliesen ausgekleideten Treppenhauses genießen.

FĂŒr die Arbeiten wie den im Januar durchgefĂŒhrten Ausbau der Kabinen, ihren Wiedereinbau sowie die Restaurierung aller Teile holten die Hamburger eine Spezialfirma aus der NĂ€he von Stuttgart mit ins Boot. "ZunĂ€chst haben wir die Holzverkleidungen ausgebaut, um Verschleiß, Korrosion und schlecht reparierte Teile festzustellen", sagt deren junger Chef Patric Wagner. "Bei der Gelegenheit haben wir dann doch sĂ€mtliche Kabinen mit ihren je 250 Kilo herausgenommen. FĂŒnf Mann waren dafĂŒr notwendig - mit elektrischen KettenzĂŒgen und wirklich viel PrĂ€zisions- und GefĂŒhlsarbeit. Das war heftig."

Um etwa die vernieteten GusskrĂ€nze der hölzernen Gondeln zu entfernen, habe man selbst die teuersten und besten kobaltbeschichteten Bohrer stumpf werden lassen. Ein 40-Tonner beförderte die Kabinen anschließend nach Aichwald bei Stuttgart, wo sie auf die Richtbank gestellt wurden.

FachkrĂ€fte korrigierten, was sich im Laufe der Zeit verzogen hatte und stellten die Fahrgastzellen in ein chemisches Entlackungsbad. Unter vielen Farbschichten kam dabei im Guss noch eine Gebrauchsmusternummer des Deutschen Patent- und Markenamts zutage. Dann wurden die Kabinen sandgestrahlt, nachgeschweißt, grundiert und neu lackiert.

Fertigstellung wohl im September

Ihr Wiedereinbau in Hamburg begann Ende Februar, nachdem die ZahnrĂ€der und Ketten vor Ort generalĂŒberholt waren. "Die sind so unglaublich kompakt und massiv gebaut. Und bei regelmĂ€ĂŸiger Wartung mit Spezialölen auch in Zukunft nicht kaputtzukriegen", schwĂ€rmt Wagner, ein gelernter Maschinenbauer. Er habe sich auch herausgefordert gefĂŒhlt, zu zeigen, was man so alles reparieren und damit stilvoll und umweltschonend erhalten könne.

"Momentan haben wir noch einen großen Bauabschnitt, der viel Dreck und die eine oder andere Macke verursachen könnte", erklĂ€rt Wagner. Darum sei das Finish durch einen Holzrestaurator erst fĂŒr September eingeplant. Denn derzeit ist der Aufzug zwar betriebsfĂ€hig - "Es fehlt nichts. So wie er jetzt lĂ€uft, lief er immer", sagt Augenstein ĂŒber das nur leise surrende GefĂ€hrt, das fĂŒr eine Umrundung aller Etagen vier Minuten braucht.

Doch aufgrund technischer Vorgaben erhalten die Kabinen noch Decken, außerdem werden zwischen ihnen aufwendig sogenannte SchĂŒrzen - komplette Hohlraumkabinen - eingebaut. Man soll eben nicht in den Schacht hineinfallen können. Um weiterhin die Sicht auf die alte Technik zu ermöglichen, bestehen die neuen Teile aus Plexiglas.

"Was dann fertig ist, ist wirklich das Original und nicht etwas Nachgebautes", urteilt der Kunsthistoriker. Und aus der Hamburger Kulturbehörde heißt es dazu auf dpa-Anfrage: "Mit der Wiederentdeckung und Wiederherstellung des Paternosters im FlĂŒggerhaus konnte ein spannendes Zeugnis der Fahrstuhl-Kultur des frĂŒhen 20. Jahrhunderts gesichert und fĂŒr nachfolgende Generationen erhalten werden. Ein vergleichbarer Vorgang ist zumindest fĂŒr die letzten zwanzig Jahre nicht bekannt."

Historiker: Hamburg einst Vorreiter bei Paternostern

Augenstein erzĂ€hlt, dass die Hansestadt einst Vorreiter bei den Paternostern war. Um 1900 habe es weit mehr als 100 davon gegeben - wohingegen etwa in Berlin bis in die 20er Jahre wegen eines Verbots der Baupolizei keiner dieser PersonenaufzĂŒge eingebaut werden durfte. Heute sind in Deutschland noch rund 200 der 1875 in London erfundenen Paternoster in Betrieb. In Hamburg haben sehenswerte Exemplare auch im Slomanhaus am Hafen und in der Finanzbehörde am GĂ€nsemarkt ĂŒberlebt.

Persönlich begeistert sich Augenstein vor allem fĂŒr die Anlagen im Haus des Reichs in Bremen mit ihren Art-Deco-Kabinen aus Mahagoni und im Salamander-Areal in Stuttgart-Kornwestheim.

Wie all diese GebĂ€ude wird auch das FlĂŒggerhaus nicht zum Hotspot fĂŒr Paternoster-Fans werden. Denn es ist nicht öffentlich zugĂ€nglich - allein Fahrten an einem "Tag des offenen Denkmals" stellt der EigentĂŒmer in Aussicht. Aufgrund amtlicher Bestimmungen mĂŒsste sich jeder Benutzer dann eine Einweisung in das richtige Fahrgastverhalten gefallen lassen.

Dabei dĂŒrfte jedoch kaum noch gelten, was ein Metallschild an der Holzverkleidung besagt: Die Geldstrafe bei Zuwiderhandlung mĂŒsse in Goldmark gezahlt werden.

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