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Entdeckungen aus der Luft: Dürre führt Archäologen zu verschollenen Orten

Entdeckungen aus der Luft  

Dürre führt Archäologen zu verschollenen Orten

15.08.2018, 22:45 Uhr
Entdeckungen aus der Luft: Dürre führt Archäologen zu verschollenen Orten. 7000 Jahre alt: Farbunterschiede im Getreide bringen diese Kreisgrabenanlage ans Licht.  (Quelle: Landesamt für Archäologie Sachsen/Aufnahme: Ronald Heynowski)

7000 Jahre alt: Farbunterschiede im Getreide bringen diese Kreisgrabenanlage ans Licht. (Quelle: Landesamt für Archäologie Sachsen/Aufnahme: Ronald Heynowski)

Alle leiden unter der langen Trockenheit? Die Probleme der Pflanzen sind das Glück der Luftbildarchäologen. Sie verdanken der Dürre manche Entdeckung.

Die Trockenheit bringt Umrisse Jahrtausende alter Bauwerke an die Oberfläche. Mauerwerk oder Gräben unter der Erde lassen Pflanzen darüber besser oder schlechter wachsen als benachbarte Pflanzen. In diesem Jahr ist das besonders markant.

"Ich habe Sachen entdeckt, die ich in 30 Jahren aus der Luft zuvor noch nicht gesehen habe", sagt Luftbildarchäologe Klaus Leidorf zu t-online.de. Er arbeitet freiberuflich für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege.

Feinheiten helfen Rätsel lösen

Und in Bayern sind die Verhältnisse nicht einmal so extrem: "In Sachsen ist das noch signifikanter, weil dort noch weniger Niederschlag gefallen ist." Vom dortigen Landesamt berichtet Dr. Roland Heynowski t-online.de, dass in diesem Jahr auch Feinheiten erkennbar waren und helfen, manches Rätsel zu lösen. Den einen speziellen sensationellen Fund gibt es aber nicht: "Damit ist auch nicht zu rechnen."

Wenn im Untergrund beispielsweise verfüllte Gräben sind, wird dort Wasser oft besser gespeichert und Pflanzen darüber sind grüner als die umgebenden Pflanzen – Fachleute sprechen von positivem Bewuchs. Mauerwerk dagegen unter der Erde lässt Pflanzen schneller vertrocknen. 

Luftbildarchäologe: Klaus Leidorf hält seit 30 Jahren aus der Luft archäologische Entdeckungen fest.  (Quelle: Klaus Leidorf (CC BY-SA 3.0 de))Luftbildarchäologe: Klaus Leidorf hält seit 30 Jahren aus der Luft archäologische Entdeckungen fest. (Quelle: Klaus Leidorf (CC BY-SA 3.0 de))

So entstehen Kopien von den Verhältnissen in bis zu einem Meter Tiefe, die sich erst aus der Luft erkennen lassen. "Das ist wie bei einer Ameise auf einem Teppich", erläutert Leidorf. "Die erkennt das Muster auch nicht." 

Beobachtung aus 200 bis 400 Metern Höhe

Wo die Römer lebten, deuten die oberhalb von Fundamenten vertrockneten Pflanzen auf deren Bauten. Formationen mit grüneren Pflanzen sind dagegen Anzeichen für Relikte prähistorischer Besiedlung. Das lässt sich in jedem Jahr im Sommer beobachten – bei extremer Trockenheit aber deutlicher.

Dann aber hat die langanhaltende Trockenheit bewirkt, dass alles vertrocknet aussieht – keine Farbunterschiede mehr. Leidorf war in der vergangenen Woche in Bayern noch in der Luft, Heynowski rechnete sich jedoch in Sachsen schon Ende Juli keine Erfolgsaussichten mehr aus.

Leidorf ist in Höhen von 200 bis 400 Metern über der Erdoberfläche unterwegs, hält fest, was ihm auffällt und interpretiert es. Mehrere kleine Kreise in symmetrischer Form und in einem bestimmten Abstand – da kann er beispielsweise sagen, dass die Pfostenstellung auf Häuser aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. schließen lässt. Nach 30 Jahren hat Leidorf darin viel Routine – und schon Tausende Funde gemacht, zusammen mit seinem Vorgänger geschätzt 30.000. 

Weizen schlägt Mais

Getreide auf einem Feld liefert dabei ein besseres Bild als Mais, weil viele dünne Halme gegenüber großen Pflanzen Unterschiede besser abbilden. Sind die Felder abgeerntet, verschwindet auch der Abdruck des Untergrunds. Auch das war in diesem Jahr besonders früh der Fall.

Was die Archäologen bis dahin entdecken, führt aber nur in Ausnahmen dazu, dass anschließend Kollegen zu Ausgrabungen anrücken. Es gibt wenig Kapazitäten, vor allem aber könnten künftige Methoden sehr viel schonender sein. 

Die Arbeit der Luftbildarchäologen dient eher der vorbeugenden Kartierung, um bei Bauarbeiten Rücksicht nehmen zu können, wenn wieder ein neues Gewerbegebiet entsteht. "Und aus der Luft sehe ich unseren Flächenfraß eindrucksvoll." Anhand per Luftarchäologie gemachter Funde seien auch schon geplante Straßen anders geführt worden.

Funde werden beachtet – oder auch nicht

Leidort erlebt aber auch die anderen Fälle: Auch in Bayern gebe es kreisförmige Anlagen wie die von Stonehenge, die aber schon früher als Kalender gedient hätten. "Und Bauern pflügen mit immer schwereren Traktoren darüber." Er ist auch auftragsgemäß viel weniger Stunden in der Luft als früher. Der Freistaat hat am Denkmalschutz und an ihm gespart. "Vieles entdecken wir gar nicht, bevor es zerstört wird."

Leidorf vergleicht das mit einem Buch, aus dem Seiten heraus gerissen werden. "Es wird immer schwerer, die ganze Geschichte dann noch zu verstehen."

Verwendete Quellen:
  • Bericht MDR zur Luftbildarchäologie in Sachsen

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