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Ein Verlierer erobert den Südpol

Von dapd
Aktualisiert am 14.12.2016Lesedauer: 3 Min.
Antarktis: Amundsen und sein Team standen vor 100 Jahren als erste Menschen am Südpol
Amundsen und sein Team standen vor 100 Jahren als erste Menschen am Südpol (Quelle: Nasjonalbiblioteket Oslo)
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Roald Amundsen begann die Eroberung des Südpols als Verlierer. Während er sich auf eine große Expedition zum Nordpol vorbereitete, meldeten die US-Forscher Frederik Cook und Robert Peary 1909, sie seien bereits dort gewesen. Prompt bekam Amundsen Schwierigkeiten, seine Ausrüstung zusammenzustellen. Wer wollte schon eine Expedition in ein Gebiet sponsern, das bereits entdeckt war?

"Wenn ich für mein Unternehmen ernsthaft Interesse wecken wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als die letzte große Frage zu klären - den Südpol", schrieb Amundsen. Den aber hatte sich bereits der Engländer Robert Falcon Scott als Ziel auserkoren und so begann der nächste Polwettlauf.

Amundsen setzte am Südpol auf Hunde

Scott ging 1910 im McMurdo-Sund mit 65 Mann an Land, um von dort über den bereits bekannten Beardmore-Gletscher auf das mehr als 3000 Meter hohe Polplateau zu steigen. Amundsen landete im selben Jahr mit 18 Begleitern in der Walbucht. Die lag zwar gut 100 Kilometer näher am Pol, doch der Weg dahin war weitgehend unerforscht.

Amundsen brach am 20. Oktober 1911 mit vier Begleitern, vier Schlitten und 52 Hunden zum Pol auf, Scott etwa eine Woche später, mit zunächst 17 Mann, 32 Hunden, 13 Ponys und zwei Motorschlitten. Das Rennen über 1500 Kilometer und zurück hätte wohl kaum stattgefunden, wenn Amundsen gewusst hätte, was heute als sehr wahrscheinlich gilt, dass nämlich weder Cook noch Peary je den Nordpol erreicht haben.

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Scott hatte Schwierigkeiten, die unterschiedlichen Marschgeschwindigkeiten seiner Tiere und Schlitten in Einklang zu bringen. Die Ponys vertrugen das Klima nicht, die Motorschlitten fielen bald aus. Zu allem Überfluss hatte Scott die Fahne vergessen, die er am Südpol aufpflanzen wollte. Einer seiner Kameraden, Tryggve Gran, hetzte auf Skiern hinterher. Als der den Kapitän eingeholt hatte, grinste Scott - ausgerechnet ein Norweger hatte ihm den Union Jack die ersten Meilen zum Pol getragen.

Mühsamer Weg auf unbekanntem Terrain

Amundsen erreichte indessen am 17. November einen steilen, unbekannten Gletscher, den er mit seinen Hundegespannen binnen vier Tagen hinauf kraxelte. Doch das Gelände wurde keineswegs einfacher. Den Eis- und Felsenformationen verpassten die Norweger Namen wie Teufelsgletscher, Pforten der Hölle oder Ballsaal des Teufels. Tagelang saßen sie im Schneesturm fest. Mehr als einmal stürzte ein Hundegespann in verborgene Gletscherspalten. Da die Huskies im Geschirr hingen, konnten die Männer sie aber wieder ans Tageslicht ziehen. Mit Ponys wäre hier kein Durchkommen gewesen. Die Hunde hielten sich so gut, dass die Norweger die Hälfte von ihnen erschießen musste, weil sie für so viele Tiere nicht genügend Proviant hatten. Anfang Dezember erreichte Amundsen mit seinen Kameraden das Polplateau in 3300 Metern Höhe.

Währenddessen musste Scott am Fuße des flacheren Beardmore-Gletschers seine letzten Ponys erschießen. Die Hundeschlitten schickte er zurück und zog mit seinen Männern den Rest des Weges die Schlitten selber.

Am Pol, aber nicht am Ziel

Am Nachmittag des 14. Dezember 1911 stoppten die Norweger ihre Schlitten. Der Pol war erreicht, von Scott keine Spur. Doch Amundsen konnte den Erfolg nicht recht genießen. "Ich kann nicht sagen - obgleich ich weiß, dass es eine viel großartigere Wirkung hätte - dass ich da vor dem Ziel meines Lebens stand", schilderte er seine Gefühle. "Der Nordpol selbst hatte es mir angetan, und nun befand ich mich am Südpol! Kann man sich etwas Entgegengesetzteres denken?" Drei Tage lang vermaßen er und seine vier Begleiter die Gegend. Niemand sollte ihren Erfolg in Zweifel ziehen können. Mit den Worten: "Scott ist morgen oder übermorgen hier", machte sich Amundsen auf den Heimweg. Am 7. März machten die Osloer Zeitungen mit seinem Telegramm auf: "Südpol erreicht. 14. bis 17. Dezember. Alles wohl."

In der Zwischenzeit erlebte Scott die Enttäuschung seines Lebens. Einer seiner Begleiter entdeckte in der weißen Einöde etwas Schwarzes. Alle hasteten los und standen am 17. Januar vor Amundsens zurückgelassenem Zelt, in dem der Norweger einen Brief mit Wünschen für eine gute Heimkehr hinterlegt hatte.

Scotts Rückmarsch wurde zum Desaster. Die Nahrung war knapp, der Brennstoff auch. Am Beardmore-Gletscher starb der erste Mann. Als der zweite nicht mehr laufen konnte, schlich er sich zum Sterben aus dem Zelt. Doch auch sein Freitod brachte für die anderen keine Rettung. Ende März 1912, elf Meilen vor ihrem größten Depot, starben Scott und seine letzten beiden Begleiter, ausgehungert und erfroren.

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