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Schon gewusst: So wurde das Elfmeterschießen erfunden

Schon gewusst?  

So wurde das Elfmeterschießen erfunden

29.06.2014, 07:00 Uhr | Christina Kühnel, t-online.de

Schon gewusst: So wurde das Elfmeterschießen erfunden. Der Tscheche Anton Ondrus tritt beim EM-Finale 1976 zum Elfmeterschießen an. (Quelle: iamgo/WEREK)

Der Tscheche Anton Ondrus tritt beim EM-Finale 1976 zum Elfmeterschießen an. (Quelle: iamgo/WEREK)

Mit den Achtelfinales ist es wieder so weit: Die Zeit des Elfmeterschießens ist gekommen - oder hängt zumindest als drohende Möglichkeit über jedem WM-Spiel. Es gibt wohl kein bittereres Ende für eine Mannschaft, als nach einem langen, harten Kampf um den Sieg beim Glücks- und Nervenspiel Elfmeterschießen auszuscheiden. Doch was wäre die Alternative, wenn sich selbst nach Verlängerung einfach kein Team als überlegen erweist?

Früher wurde dieses Problem ganz anders gelöst. Fand sich am Ende der Verlängerung kein Sieger, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder das Spiel wurde wiederholt - oder der Sieger wurde per Münzwurf bestimmt. Während erstere Möglichkeit ein logistisches oder zeitliches Problem darstellen konnte, war die zweite Option der Siegerermittlung so willkürlich, dass es an Unfairness grenzte.

Münzwurf als zu ungerecht empfunden

Dennoch wurden beide Möglichkeiten bei Welt- und Europameisterschaften angewandt. Bei der EM 1968 etwa kamen gleich beide Varianten zum Einsatz. Im Halbfinale stand es nach 120 Minuten zwischen Italien und der Sowjetunion noch 0:0. Die Münze entschied schließlich: Italien kommt weiter. Im Finale dann stand es zwischen den Azzurri und ihren Gegnern aus Jugoslawien nach Verlängerung ebenfalls unentschieden (1:1). Hier entschied man sich für ein Wiederholungsspiel, das zwei Tage später stattfand und aus dem Italien mit 2:0 siegreich hervorging.

Doch gerade der Münzwurf war als so ungerecht empfunden worden, dass schon bei der EM 1968 deutlich wurde: Eine andere Lösung muss her - wie etwa das Elfmeterschießen. Dies war zuvor bereits bei einzelnen kleineren Turnieren und nationalen Wettbewerben eingesetzt worden, etwa beim Jugoslawischen Fußballpokal 1952, der Copa México 1954 oder der Coppa Italia 1958/59.

Die ersten Formen des Elfmeterschießens wichen jedoch häufig noch von der heutigen ab. Mal musste ein einziger Schütze mehrmals antreten, mal gab es nur drei Schützen, mal wurde nach einem ausgeglichenen Elfmeterschießen doch per Münzwurf entschieden.

Zwei Väter des Elfmeterschießens

Wer die heute übliche Variante des Elfmeterschießens - zunächst fünf Strafstöße je Mannschaft, danach Verlängerung um jeweils einen Strafstoß pro Mannschaft, bis ein Sieger ermittelt ist - erfand, ist nicht ganz klar. Denn sowohl der Deutsche Karl Wald als auch der Israeli Yosef Dagan gelten als Väter des Elfmeterschießens.

Dagan schlug das Elfmeterschießen als mögliche Alternative vor, nachdem die israelische Mannschaft 1968 das olympische Viertelfinale per Münzwurf verlor. Wald hingegen präsentierte seinen ausgearbeiteten Vorschlag zum Elfmeterschießen im Mai 1970 bei einem Schiedsrichter-Tag des Bayerischen Fußball-Verbandes. Dem Präsidenten Hans Huber passte das zwar gar nicht, doch nach 30-minütiger Diskussion wurde der Vorschlag angenommen - und das Elfmeterschießen in Bayern eingeführt. Auch der DFB, die UEFA und die FIFA folgten im Sommer 1970.

Deutschland verlor erstes Elfmeterschießen

Das erste große Turnier, das durch Elfmeterschießen entschieden wurde, war schließlich die Europameisterschaft 1976. Damals besiegte die Tschechoslowakei Westdeutschland, nachdem Uli Hoeneß seinen Elfer verschossen hatte, der Tscheche Antonín Panenka seinen jedoch verwandelte. Das erste Elfmeterschießen in einer WM-K.o-Runde gab es 1982, als im Halbfinale Westdeutschland Frankreich bezwang.

Den Strafstoß an sich gibt es übrigens bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts. Als Erfinder des Elfmeters gilt ein irischer Leinenfabrikant namens William McCrum, der als Torhüter für den Verein Milford Everton FC kickte und die Spielstrafe 1890/91 in der irischen Fußballliga einführte.

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