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Schwierige Arbeit an Enigma-Funden aus der Ostsee

Von dpa
Aktualisiert am 27.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Das Ostseewasser hat ├╝ber die Jahrzehnte deutliche Spuren an der ÔÇ×EnigmaÔÇť-Chiffriermaschine hinterlassen.
Das Ostseewasser hat ├╝ber die Jahrzehnte deutliche Spuren an der ÔÇ×EnigmaÔÇť-Chiffriermaschine hinterlassen. (Quelle: Axel Heimken/dpa./dpa)
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Schleswig (dpa) - Ihr Zustand ist nach Jahrzehnten im Wasser desolat. Die Ostsee und die Schlei haben sichtbare Spuren an den Geh├Ąusen der Chiffriermaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg hinterlassen.

Seit Monaten befinden sich sieben legend├Ąre Enigmen in der Arch├Ąologischen Zentralwerkstatt auf Schloss Gottorf in Schleswig. "Da f├╝hrt kein Weg hin, die Maschinen wieder zum Laufen zu bringen", sagt Metallrestauratorin Corinna Mayer, daf├╝r seien sie zu verrostet. Die 42-J├Ąhrige ist im Sommer aus M├╝nchen nach Schleswig gewechselt.

Der Fund und die anschlie├čende Bergung der Enigmen im Hafen von Kappeln und in der Ostsee hatten Schlagzeilen weit ├╝ber die norddeutsche Tiefebene hinaus gemacht. Durch blanken Zufall waren Taucher im November in der Geltinger Bucht und im Januar in der Schlei auf die Maschinen gesto├čen - dabei wollten sie in einem Fall eigentlich Geisternetze und im anderen einen Propeller bergen.

Noch viel Arbeit bis zur Ausstellung

Mayer will die Enigmen erforschen und restaurieren. Vor ihr liegen vier bis f├╝nf Jahre Arbeit, bis diese ausgestellt werden k├Ânnen, sch├Ątzt Werkstatt-Leiter Joachim Schultze. Noch liegen die Maschinen in Wasserb├Ądern. "Das ist ganz normales Leitungswasser", sagt Mayer. Einmal im Moment wechsele sie das. Ziel sei, dadurch Chloride und eventuelle Schadstoffe zu entfernen. Anfangs sei das Wasser schnell tr├╝be geworden.

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Mayer schaute sich zu Beginn in einem Museum eine funktionierende Enigma an. "Bevor ich ein Objekt konserviere, muss ich es verstehen. Der Aufbau der Maschinen ist sehr komplex." Dabei hilft modernste Technik. Im Fr├╝hjahr 2021 lagen erste Maschinen in einem Computertomographen (CT) der L├╝becker Fraunhofer-Einrichtung f├╝r Individualisierte und Zellbasierte Medizintechnik und gaben innerste Geheimnisse preis. Aus 4000 einzelnen R├Ântgenbildern aus verschiedenen Richtungen rekonstruierten Wissenschaftler algorithmisch ein 3D-Bild. Eine wichtige Vorarbeit f├╝r Mayers Arbeit.

R├Ątsel von Alan Turing geknackt

Bei der Enigma handelt es sich um eine f├╝r damalige Verh├Ąltnisse komplexe Maschine - benannt nach dem griechischen Wort f├╝r R├Ątsel. Im Zweiten Weltkrieg diente sie mit ihren 26 Buchstaben-Tasten und ebenso vielen Leuchtfeldern mit jenen Buchstaben, die den Text bildeten, der Verschl├╝sselung des Nachrichtenverkehrs. Nach ersten Erfolgen von polnischen Experten trug der britische Mathematiker Alan Turing ma├čgeblich dazu bei, den Enigma-Code zu knacken. Dies hatte erheblichen Einfluss auf den U-Boot-Krieg im Atlantik. Fortan konnten die Briten verschl├╝sselte Funk-Codes mitlesen - unbemerkt vom Kriegsgegner.

Woher die Enigmas aus der Ostsee und der Schlei stammen, kann Mayer zwar noch nicht sagen, erste Erkenntnisse hat die geb├╝rtige Wackersdorferin aber. "Es sind nicht alles U-Boot-Enigmas." Sechs der sieben Objekte k├Ânne sie mittlerweile recht sicher einem Typ zuordnen. Beim relativ gut erhaltenen Fundst├╝ck aus der Geltinger Bucht handele es sich um eine M4 mit vier Chiffrierwalzen. "Die M4 waren ab 1942 f├╝r die U-Boote gedacht." Auf welchem Boot die Enigma im Krieg zum Einsatz kam, ist aber noch unbekannt. In einem anderen Fall fand Mayer eine Seriennummer. Sicher ist sie, dass alle sieben Ger├Ąte auf Marineschiffen zum Einsatz kamen.

In den letzten Tagen des Krieges

Der Marinehistoriker Jann M. Witt vom Deutschen Marinebund geht davon aus, dass die Chiffriermaschinen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs auf dem Grund der Ostsee landeten. Er vermutet, dass die Maschinen bei Fahrten zur ├ťbergabe schlicht und einfach ├╝ber Bord geworfen wurden. Das sei die einzige plausible Erkl├Ąrung, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Mayer zeigt als Beleg auf eine deformierte Enigma. "Man kann ganz gut erkennen, dass mit Absicht oben drauf geschlagen worden ist", sagt sie.

Schultzes Ziel ist es, die Enigmen auszustellen, wie sie vor gut einem Jahr gefunden wurden, allerdings nicht in einem Wasserbecken. Bis es soweit ist, liegt noch viel Arbeit vor der Restaurateurin. Bei dem Geltinger Modell beispielsweise ist sogar noch Holz erhalten, bei anderen handelt es sich nur um Teile einer Enigma. Die Fundst├╝cke enthalten unter anderem Eisen, Kupfer, Tasten aus Kunststoff oder Glas, Messing-Walzen, bei einer ist auch ein L├Ąmpchen erhalten.

"Konservierung ist nur ein Aufhalten des Zerfalls", sagt Werkstattleiter Schultze. Restaurateurin Mayer will durch ihre Arbeit die Chiffriermaschinen nicht ihrer Geschichte berauben. "Die einzelnen Bestandteile verhalten sich beim Trocknen unterschiedlich: Die einen quellen auf, andere schrumpfen", sagt sie. Die Kupferdr├Ąhte im Innern l├Âsten sich bei Kontakt mit Sauerstoff quasi auf. Sie will auch Gefriertrocknung nutzen, um das Holz der Geltinger Enigma zu erhalten. Trotzdem k├Ânne sie nicht garantieren, dass am Ende bei allen sieben Enigmen "alles so erhalten bleibt wie es ist".

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