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Wie Eisb├Ąren beim Duschen Energie sparen helfen

Von dpa
Aktualisiert am 16.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Menschen, die k├╝rzer duschen, sparen im Durchschnitt 22 Prozent Energie.
Menschen, die k├╝rzer duschen, sparen im Durchschnitt 22 Prozent Energie. (Quelle: Amphiro AG/dpa./dpa)
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Z├╝rich (dpa) - Erst sind f├╝nf Eisb├Ąren auf dem Duschkopf zu sehen, dann vier, drei, zwei, einer. Die Botschaft: Je k├╝rzer Du duschst, desto mehr Eisb├Ąren bleiben ├╝brig.

Die Ingenieure, die das Schweizer Produkt entwickelt haben, konnten in Studien zeigen, dass Menschen k├╝rzer duschen und im Durchschnitt 22 Prozent Energie sparen, wenn sie darauf hingewiesen werden, was sie verbrauchen.

Die Eisb├Ąren sind ein sogenannter "Green Nudge", ein Stups oder Anreiz, sich gr├╝ner, also umweltfreundlicher zu verhalten. "Green Nudging", das Konzept, Menschen ohne gro├če Verbote oder neue Regeln zu umweltfreundlicherem Verhalten zu animieren, ist gro├č im Kommen.

Wer viel Energie verbraucht, tr├Ągt zu Treibhausgasen bei

Die Eisb├Ąren sollen die Folgen des Klimawandels anschaulich machen: Wer viel Energie verbraucht, tr├Ągt zu Treibhausgasen bei. Die sorgen f├╝r die Klimaerw├Ąrmung, was zu Eisschmelze f├╝hrt und den Lebensraum der Eisb├Ąren bedroht.

Die gemeinn├╝tzige Klimaschutzagentur Energiekonsens des Bundeslands Bremen hilft Unternehmen beim Green Nudging. Mehr als 20 sind es inzwischen, die allerhand ausprobiert haben.

Bei einer Fischfeinkost-Firma haben Mitarbeiter aus Bequemlichkeit oft die Tore zu den K├╝hlr├Ąumen offengelassen und damit unn├Âtig Energie verbraucht. Heute sind nahe den Toren gro├če Anzeigen mit der Temperatur und einem Smiley angebracht: Wenn es zu warm wird, ist ein roter Smiley mit nach unten gezogenen Mundwinkeln zu sehen; wenn die Temperatur stimmt, lacht ein gr├╝ner Smiley von der Anzeige herunter. Fazit: In einem Zeitraum von 25 Tagen wurden mit der Smiley-Anzeige 19 Prozent weniger starke Temperaturabsenkungen zum Nachk├╝hlen der R├Ąume ben├Âtigt als im gleichen Zeitraum vorher.

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"Beim Green Nudging wird nichts verboten und nichts belohnt"

Ein Unternehmen f├╝r Design, Architektur und Messebau hat in seinem Buchungssystem f├╝r Dienstfahrzeuge neu die Verkehrsmittel mit dem geringsten CO2-Aussto├č nach oben gestellt. Es gibt neben elektrischen Fahrr├Ądern dort E-Autos, Benzin- und Dieselfahrzeuge. Zudem gab es eine Info-Veranstaltung mit E-Bike-Rallye zum Ausprobieren der R├Ąder. Die Buchungen von Benzin-Fahrzeugen gingen seither von 26 auf 19 Prozent zur├╝ck, die der E-Autos stiegen von 37 auf 41 und die der E-Fahrr├Ąder von 36 auf 40 Prozent.

"Beim Green Nudging wird nichts verboten und nichts belohnt", sagt die Bremer Projektleiterin Astrid Stehmeier. "Man l├Ąsst die Leute wie sie sind, aber ├Ąndert die Entscheidungsumgebung." Viele Menschen wollten sich ja gerne klimafreundlicher verhalten, seien aber ohne gro├čes ├ťberlegen in einer Routine verhaftet. Oft reiche es, Voreinstellungen zu ├Ąndern. So k├Ânne die Klimaanlage im B├╝ro routinem├Ą├čig zu einer bestimmten Zeit ausgehen oder die Sp├╝lmaschine k├Ânne automatisch auf ├ľkowaschgang eingestellt sein. Wer will, kann die Einstellungen ├Ąndern. "Nudging ist ein schlankes Instrument f├╝r Klimaschutz, da muss kein gro├čes Rad gedreht werden", sagt Stehmeier.

Ist das nicht Manipulation?

Das Nudging-Konzept wurde von den amerikanischen Verhaltens├Âkonomen Richard Thaler, der 2017 den Nobelpreis erhielt, und Cass Sunstein gepr├Ągt. Sie legten dar, wie Menschen durch kleine Anregungen von Firmen oder Beh├Ârden ganz ohne Zwang zu Verhaltens├Ąnderungen gebracht werden k├Ânnen.

Ist das nicht Manipulation? "Es geht ja um ein Verhaltensangebot, das der Umwelt und der Allgemeinheit zutr├Ąglich ist", sagt Elisabeth D├╝tschke vom Fraunhofer-Institut f├╝r System- und Innovationsforschung. Dagegen sei kaum etwas einzuwenden. Von Manipulation k├Ânne man im Supermarkt sprechen, wo Menschen durch Nudges zu K├Ąufen veranlasst w├╝rden, etwa durch die Platzierung von S├╝├čem, Schnaps und Zigaretten dort, wo man in der Warteschlange steht und den Blick schweifen l├Ąsst.

Nudges, sagt die Psychologin, funktionieren: "Wir sollten uns das Potenzial, das in solchen Anreizen liegt, nicht entgehen lassen." D├╝tschke bezweifelt aber, dass Menschen durch solche Nudges zu Umweltfreunden werden, die es vorher nicht waren.

Oft reicht als "Nudge" schon eine konkrete Information, hat Stehmeier festgestellt. Etwa, wenn im B├╝ro an M├╝llbeh├Ąltern Symbole kleben, die genau zeigen, was wo hineingeh├Ârt. Eine Firma hat damit erreicht, dass der Anteil der korrekt sortierten M├╝llstationen von 46 auf 71 Prozent gestiegen ist.

Oder bei der Dusche mit den Eisb├Ąren, die auch den Wasser- und Energieverbrauch anzeigt. Die Firma Amphiro l├Ąsst den Duschkopf auch via App mit einem Smartphone verbinden. So kann die Schnelligkeit, mit der die Eisb├Ąren verschwinden, eingestellt werden. In der App k├Ânnen Duschende verfolgen, wie sich ihr Energieverbrauch entwickelt. Auf Instagram ist die Firma mit Informationen wie dieser pr├Ąsent: "Eine Sekunde warm duschen verbraucht so viel Energie wie das Aufladen eines Smartphones."

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