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Berlinerin über katastrophalen "Skiurlaub" 2024 in Bayern: "Endzeithobby"


Eine Berlinerin über ihren "Skiurlaub"
"So ist das eben, wenn man ein Endzeithobby hat"


23.02.2024Lesedauer: 3 Min.
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Schneereste im bayerischen "Winter" (Archivfoto): Skispaß kommt so nicht auf.Vergrößern des Bildes
Schneereste im bayerischen "Winter" (Archivfoto): Skispaß kommt so nicht auf. (Quelle: Action Pictures/imago-images-bilder)

Tanja V. fährt seit Kindheitstagen Ski. Sie liebt die weiße Winterlandschaft, die klare Luft, den Sport. Dieses Jahr war sie in Bayern. Ihr Fazit: Nie wieder!

Früher lag immer Schnee, erinnert sich Tanja V. Im tief verschneiten Bucher Forst hat sie sich einmal mit ihrem Vater verlaufen. Es war die Zeit, als es noch keine Handys gab und keinen Gedanken an den Klimawandel. Bei der Oma in Brandenburg schnallte sich die Familie regelmäßig die Langlaufski an, später ging es nach Thüringen – und irgendwann höher hinaus. Aus Langlauf wurde Abfahrt, die Freude am Winterurlaub blieb.

Heute ist Tanja V. 43 Jahre alt und Mutter. Ihr Mann ist in einer Familie aufgewachsen, in der Ski nie eine Rolle spielte. Mehrere Jahre verzichtete Tanja, dann packte es sie wieder. Diese Winterferien war sie mit ihrer Familie und Freunden in Bayern, vier Erwachsene, sechs Kinder. Alle hatten sich darauf gefreut, aber der Urlaub endete anders, als erhofft. Ihr Katastrophen-Bericht aus den Alpen:

"Schon in Garmisch war klar: Das wird nichts"

"Wir waren im Skigebiet Mittenwald, man kommt da von Berlin aus bequem mit der Bahn hin, im vergangenen Jahr war es mega-idyllisch. Das Schöne am Skiurlaub ist ja die klare Tagesstruktur: Man steht früh auf, der Skibus kommt, man verausgabt sich auf den Pisten, rumpelt irgendwann wieder mit dem Bus zurück, geht abends noch ins Schwimmbad und in die Sauna. Die Kinder sind hundemüde – und am nächsten Tag geht es wieder los. Alle haben Spaß daran, alle sind glücklich.

Dieses Jahr war es leider anders. Man glaubt es ja nicht, wenn man in Berlin sitzt und den Wetterbericht liest. Man denkt, die sind da ja angewiesen auf den Skitourismus, die werden das schon irgendwie hinkriegen, dass es funktioniert. Aber beim Umsteigen in Garmisch war bereits klar: Das wird nichts.

Auf den Skipisten waren Mountainbiker unterwegs

Wir haben die Jacken ausgezogen, so warm war es: 16 Grad, Frühlingswetter. Die Berge, die wir vom Bahnhof aus gesehen haben, waren grün bis auf zwei traurige Restpisten, wo sie den Schnee noch eben so zusammengepresst bekommen haben. Aber es ist nicht einmal jemand darauf gefahren.

In Mittenwald war es nicht besser. Auf den Pisten lagen nur kleine Inselchen aus Schnee und Matsch. Ein paar Mountainbiker waren unterwegs, an Skifahren war nicht zu denken.

"Wir haben neidisch nach oben geguckt"

Statt klarer Tagesstruktur gab es Diskussionen: Was machen wir stattdessen? Bowling, Therme, Kino? Jeder will etwas anderes, alle sind schlecht gelaunt. Die Teenager motzen, man muss verhandeln und hat dabei selbst keine Lust auf die Ski-Alternativen. Wir haben uns fürchterlich in die Haare gekriegt.

Dazu ist auch noch der öffentliche Nahverkehr eine Katastrophe, der Bus fährt alle anderthalb Stunden. Wir haben uns dann einmal ein Auto gemietet und sind nach Neuschwanstein gefahren, irgendetwas mussten wir ja machen. Auf dem Weg dahin sind wir an der Zugspitze vorbeigekommen und haben neidisch nach oben geguckt: Immerhin in großer Höhe gab es noch Schnee.

Enttäuschung auch in Österreich: Grobkörniger Kunstschnee

Ein anderes Mal bin ich mit meiner Tochter mit der S-Bahn nach Österreich gefahren. Aber das war auch eine Enttäuschung. Echter Schnee war dort das letzte Mal Mitte Januar gefallen, der Ersatz aus den Schneekanonen sehr grobkörnig. Beim Skifahren schieben die Leute dieses lockere Zeug so zusammen, dass die Pisten ganz hügelig werden. Unten drunter ist Eis, was das Fahren wahnsinnig anstrengend macht.

Erst auf 2.200 Metern Höhe gab es ein paar Meter echten Schnee. Es klingt gleich ganz anders, wenn man da drüber fährt, man hat auch einen viel besseren Grip. Auf den Kunstschneepisten schlingern die Leute dagegen unsicher ins Tal. Viele sind ängstlich und fahren langsam, andere stürzen sich viel zu schnell hinunter, ohne Kontrolle zu haben.

"Solange Söder keinen Schnee macht, kommen wir nicht wieder"

Für uns ist klar: Nach Bayern fahren wir nicht mehr. Dabei ist das Licht wirklich wunderschön. Wenn man sich vorstellt, es wäre Mitte April, dann ist es eigentlich ganz hübsch. Aber trotzdem: Solange der Söder keinen Schnee macht oder wenigstens der öffentliche Nahverkehr besser wird, kommen wir nicht wieder.

Klar tut einem das leid für die Menschen vor Ort. 90 Prozent der Berginfrastruktur liegt brach. Die Skischulen sind zu, die Lifte stehen still, die Hütten sind tot. Was da für ein Geld nicht eingenommen wird. Die Einheimischen würden alles machen, dass die Lifte fahren können und die bescheuerten Berliner Liftkarten kaufen und den Berg runterrutschen. Aber es ist beeindruckend: Es geht einfach nicht. So ist das eben, wenn man ein Endzeithobby hat, hat meine Nachbarin gesagt."

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Tanja V. (vollständiger Name der Redaktion bekannt)
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