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Berlin: Zeuge gesteht Mord von 1998 – Angeklagter freigesprochen

Angeklagter freigesprochen  

Zeuge gesteht Mord von 1998

16.04.2021, 16:00 Uhr | dpa

Berlin: Zeuge gesteht Mord von 1998 – Angeklagter freigesprochen. Berliner Landgericht in den Littenstrasse in Berlin-Mitte (Archivbild): Der Hauptbelastungszeuge hat den Mord an seinem Ex-Kollegen gestanden. (Quelle: imago images/Seeliger)

Berliner Landgericht in den Littenstrasse in Berlin-Mitte (Archivbild): Der Hauptbelastungszeuge hat den Mord an seinem Ex-Kollegen gestanden. (Quelle: Seeliger/imago images)

Im Berliner Landgericht hat der Hauptbelastungszeuge in einem Mordfall die Tat plötzlich zugegeben. Der Angeklagte wurde daraufhin freigesprochen und verlor dennoch zehn Monate seines Lebens.

Glücklich hat ein Angeklagter in einem Prozess im Landgericht Berlin um tödliche Schüsse vor rund 23 Jahren einen Freispruch entgegengenommen. Für das Urteil hatte ausgerechnet der Mann gesorgt, der als Hauptbelastungszeuge galt.

Er hatte in seiner Aussage vor Gericht zugegeben, dass er der Täter sei. Nach fast zehn Monaten Untersuchungshaft wurde der unschuldige Angeklagte am Freitag auf Kosten der Landeskasse freigesprochen. Der 59-Jährige sei für die erlittene Haft zu entschädigen, so das Gericht. 

Zehn Monate seines Lebens verloren

"Auch ich mit fast 30-jähriger Berufserfahrung habe einen solchen Verfahrensverlauf noch nicht erlebt", sagte der Vorsitzende Richter. Es tue der Strafkammer leid, dass der 59-Jährige fast zehn Monate seines Lebens verloren habe.

Die neue Aussage des 45-jährigen Mannes seien für den Angeklagten ein großes Glück. Aber ohnehin seien vom Gericht für die Befragung des 45-Jährigen zwei Psychiater bestellt worden, die den Mann begutachten sollten. 

Wegen finanziellen Streitigkeiten erschossen

In dem Mordfall geht es um den Tod eines Berliner Bauunternehmers. Der 41-Jährige befand sich nach Renovierungsarbeiten im Badezimmer seines Büros in Berlin-Moabit, als er am 3. März 1998 erschossen wurde. Drei Kugeln trafen den Unternehmer in Rücken und Kopf. 

Der 59-jährige Angeklagte und der vermeintliche Zeuge, die beide aus Moldawien stammen, waren laut Ermittlungen als Bauhelfer für das Opfer tätig. Der Täter soll mit einer Pistole bewaffnet im Büro erschienen sein und den Mann für einen Lohn von 1.500 DM (knapp 770 Euro) erschossen haben. Ein anderer Bauunternehmer habe den Auftrag erteilt. Hintergrund seien finanzielle Streitigkeiten gewesen.

"Ich werde versuchen, alles zu vergessen"

Jahrelang tappte die Polizei im Dunkeln. Die Ermittlungen liefen 2017 neu an, nachdem der 45-Jährige, der zuletzt in Großbritannien lebte, als Zeuge aussagte. Er soll bei der Berliner Polizei zu Protokoll gegeben haben, sein damaliger Kollege habe ihm gegenüber die Schüsse gestanden. Der 59-Jährige wurde schließlich in Italien festgenommen, wo er mit seiner Familie lebt.

"Ich werde versuchen, alles zu vergessen – wie einen schrecklichen Traum", sagte er nach dem dreimonatigen Prozess. Sein Ex-Kollege war am 14. April nach seinem Geständnis im Gerichtssaal festgenommen worden.  

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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