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Humboldt Forum: Sechs Ausstellungen mit kritischen Themen

Von dpa
19.07.2021Lesedauer: 4 Min.
PrÀsentationstag Humboldt Forum
Die Skulpturensammlung beim PrĂ€sentationstag vor der Öffnung des Humboldt Forums. (Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/dpa-bilder)
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Das Berliner Humboldt Forum will sich nach Worten seines Generalintendanten Hartmut Dorgerloh kĂŒnftig kritischen Debatten auch ĂŒber die eigene Arbeit stellen. Kernthema sei etwa "die Auseinandersetzung mit Kolonialismus und den andauernden Auswirkungen der imperialen und kolonialen Aneignung und Ausbeutung der Welt bis heute", sagte Dorgerloh am Montag, einen Tag vor der Eröffnung des Zentrums fĂŒr Kultur, Kunst und Wissenschaft an diesem Dienstag.

Dies sei nicht nur verbunden mit notwendigen Debatten ĂŒber Sammlungen aus kolonialen Kontexten. "Komplexe, schmerzhafte und schwierige Themen wie Raubkunst, Provenienzforschung oder Restitutionsfragen werden die Programmarbeit des Humboldt Forums sehr deutlich prĂ€gen."

Befördert werden die Debatten auch durch den 680 Millionen Euro teuren Bau des italienischen Architekten Franco Stella hinter der umstrittenen rekonstruierten Schlossfassade, die auch fĂŒr deutsche Kolonialmacht steht. KunststĂŒcke, die unter kolonialen Bedingungen in Museen landeten, finden sich unter einem Kreuz auf der Kuppel mit weithin sichtbarem Bibelspruch, der die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum fordert.

Das rund 40 000 Quadratmeter umfassende GebĂ€ude teilen sich zwei Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das Land Berlin, die Humboldt-UniversitĂ€t und die Stiftung Humboldt Forum. Gezeigt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika, Ozeanien - und Berlin.

Nach zunĂ€chst bau-, dann coronabedingt mehrfach verschobener Eröffnung und einem digitalen Vorspiel im Dezember werden die TĂŒren nun in drei Etappen aufgesperrt. ZunĂ€chst warten im historischen Keller, im Erdgeschoss und in der ersten von drei Etagen sechs Ausstellungen auf Besucherinnen und Besucher. Ein Überblick:

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"schrecklich schön. Elefant - Mensch - Elfenbein"

FĂŒr Dorgerloh ist die Sonderausstellung der Stiftung Humboldt Forum "eine programmatische Setzung, auch mit einem großen, schwierigen Thema aufzumachen". Mehr als 200 Objekte sollen mit der Geschichte des Elfenbeins die Verbindung zur Kulturgeschichte der Menschheit aufzeigen. An Medienstationen etwa fließen Perspektiven der UrsprungslĂ€nder von Elfenbein ein, aus denen auch Exponate stammen. Elfenbein wird als Werkstoff gezeigt, die Verwendung des Motivs in koloniale ZusammenhĂ€nge gesetzt, als Medizin oder Schönheitsideal prĂ€sentiert. Auch die Jagd auf Elefanten selbst und die Abnahme der Population mit Umweltfolgen werden thematisiert.

"Nach der Natur"

Die Humboldt-UniversitĂ€t lockt in den kleinsten Ausstellungsbereich. Das interaktive Konzept thematisiert den Einfluss von menschlichem Handeln und wirtschaftlichen Systemen auf Natur, Umwelt und Ressourcen. Visualisiert wird dies etwa durch die Projektion von virtuellen FischschwĂ€rmen, die sehr sensibel auf Aktionen von Besucherinnen und Besuchern reagieren. In der Haupthalle vermengen SchaukĂ€sten an beweglichen Konstruktionen den Laborcharakter mit EindrĂŒcken einer Wunderkammer. Die gezeigten Objekte stellen Beziehungen her zu den aktuellen Fragen, mit denen sich per Video zugeschaltete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen. Alles spielt sich ab vor einer großen ProjektionsflĂ€che, die auf die jeweiligen Themen reagiert. FĂŒr vertiefende Einblicke sind zudem wissenschaftliche Archive fĂŒr die Ausstellung aufgearbeitet.

"Berlin Global"

Die Ausstellung von Stadtmuseum und Kulturprojekte ermöglicht einen sehr aktiven Gang durch "Berlin Global". Zwischen Schwerpunkten wie Revolution, Freiraum, Grenzen, VergnĂŒgen, Krieg, Mode oder Verflechtung lĂ€sst ein Digitalsystem Entscheidungen zum jeweiligen Thema zu. Dazu gibt es am Ende eine Auswertung. Am Beispiel des Potsdamer Platzes wird die VerĂ€nderung von FreirĂ€umen erzĂ€hlt, sich langsam bewegende WĂ€nde geben neue RĂ€ume frei oder verstellen alte Verbindungen. Auf den rund 4000 Quadratmetern in der ersten Etage sind keine empfindlichen KunstschĂ€tze zu finden, die RĂ€ume ohne museales Klima waren konzipiert fĂŒr eine Bibliothek. Ein sehr robustes Objekt steht fĂŒr Berlins vielschichtige Verbindungen: die rostige StahltĂŒr, in legendĂ€ren Partyjahren nach der Wende Eingang zum Club "Tresor", stammt aus dem von den Nazis enteigneten Kaufhaus Wertheim.

"Spuren. Geschichte des Ortes"

Eine Ausstellung wie eine Entdeckungsreise. Auf der Suche nach der sehr wechselhaften Entwicklung an diesem Platz im Herzen Berlins hat die Stiftung 35 Spuren zur Geschichte des Ortes im GebĂ€ude verteilt: Sumpfwiese, Stadtteil, Dominikanerkloster, erst Renaissance- und dann Barockschloss, nach dem Zweiten Weltkrieg ebenso weggesprengt, wie der Palast der Republik asbestbedingt abgetragen wurde. Stationen und Ereignisse der jeweiligen Phasen lassen sich rekonstruieren anhand von AusstellungsstĂŒcken. Im sogenannten Schlosskeller finden sich architektonische Hinweise aus den Jahrhunderten, ein riesiges Videopanorama erzĂ€hlt die Geschichte in digitaler Version.

"Nimm Platz!"

FĂŒr Kinder und Familien geht es in dieser Ausstellung um das Thema Sitzen, das mit historischen Kunstwerken ebenso wie mit Installationen in verspielter Raumlandschaft erschlossen werden kann. Sitzen wird spielerisch erkundet, gleich ob auf einem Thron oder zwischen den StĂŒhlen, ob im Schneidersitz oder als Buddha-Figur.

"Einblicke. Die BrĂŒder Humboldt"

Wirken und Schaffen der Namensgeber Alexander (1769-1859) und Wilhelm (1767-1835) von Humboldt, vernetztes Denken, Neugier und Offenheit erschließen sich in Tafeln und auf Fensterscheiben auch von der Passage aus, die durch das Humboldt Forum fĂŒhrt.

Ethnologisches Museum und Museum fĂŒr Asiatische Kunst

Die rund 14 000 Quadratmeter der beiden Museen nehmen den kompletten zweiten und dritten Stock des Humboldt Forums ein. Der WestflĂŒgel wird im September eröffnet, die östliche Seite im zweiten Quartal 2022. Dann sollen auch die als koloniales Raubgut umstrittenen Benin-Bronzen prĂ€sentiert werden. Museen aus Deutschland und Nigeria sowie die politische Ebene verhandeln aktuell ĂŒber RĂŒckgaben - ebenfalls vom kommenden Jahr an.

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