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Licht am Ende des Corona-Tunnels? Bahn zuversichtlich

Berlin  

Licht am Ende des Corona-Tunnels? Bahn zuversichtlich

29.07.2021, 11:07 Uhr | dpa

Licht am Ende des Corona-Tunnels? Bahn zuversichtlich. Deutsche Bahn

Der Schriftzug mit Logo steht an der Zentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz. Foto: Fabian Sommer/dpa (Quelle: dpa)

Einfach mal die Beine ausstrecken oder den Rucksack griffbereit neben sich stellen: Wer während der Pandemie mit dem ICE unterwegs war, konnte sich in der Regel über einen freien Nachbarplatz freuen. Damit dürfte es bald vorbei sein. Fern- und Güterzüge werden wieder voller, die Deutsche Bahn sieht sich auf einem guten Weg aus der Krise. Doch die Unsicherheiten bleiben groß und mit Blick auf die langfristigen Ziele des bundeseigenen Konzerns ist viel Zeit verloren gegangen.

"Die Auslastung in den Zügen liegt derzeit bei etwa 40 Prozent", sagte Bahnchef Richard Lutz am Donnerstag bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. "Tendenz steigend." Die Bahn nähere sich damit allmählich wieder dem Vorkrisen-Niveau an. Damals habe die Auslastung im Schnitt bei mehr als 50 Prozent gelegen.

Beim Güterverkehr hat die Konzern-Tochter DB Cargo dieses Niveau schon erreicht. Die Verkehrsleistung betrug im ersten Halbjahr dieses Jahres rund 43 Milliarden Tonnen-Kilometer. Das waren 12,6 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres und nur 1,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019.

Doch ausgestanden ist die Krise damit noch nicht. 1,4 Milliarden Euro Verlust fuhr der Gesamtkonzern auch in den ersten sechs Monaten 2021 ein. "Das ist ohne Frage ein hoher Fehlbetrag", sagte am Donnerstag Finanzchef Levin Holle. Es bedeute aber eine Verbesserung: Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus noch 3,75 Milliarden Euro betragen. Damals hatten vor allem hohe Abschreibungen auf die Auslandstochter Arriva die Verluste nach oben getrieben.

Nun belasten vor allem die fehlenden Einnahmen im Fernverkehr die Bilanz. Hier gingen nicht nur die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich um fast 30 Prozent auf eine Milliarde Euro zurück. Auch die operativen Verluste vor Steuern und Zinsen (Ebit) erhöhten sich um fast 59 Prozent auf Minus 1,14 Milliarden Euro.

Dennoch gibt sich die Bahn zuversichtlich und hält an ihren Prognosen fest: Noch im kommenden Jahr will der Konzern zurück in die schwarzen Zahlen, auch wenn er für das laufende Jahr noch von einem Ebit-Verlust von rund zwei Milliarden Euro ausgeht. Finanzchef Holle verwies zudem auf die starken Zahlen der Logistik-Tochter DB Schenker, die im ersten Halbjahr dieses Jahres ihr operatives Ergebnis mit 627 Millionen Euro mehr als verdoppeln konnte.

"Unser Angebot war nie besser als heute - wir sind gerüstet für mehr Reisende und Wachstum", betonte Konzernchef Lutz. Zuversicht braucht es auch, denn die langfristigen Ziele des bundeseigenen Konzerns waren schon vor der Corona-Krise ambitioniert: Das Unternehmen spielt bei den Klimaplänen der Bundesregierung eine wichtige Rolle. Nicht nur soll sich die Zahl der Fahrgäste bis 2030 verdoppeln, auch der Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene soll von derzeit rund 19 auf dann 25 Prozent steigen. Doch die Güter-Entwicklung stagniert seit Jahren.

Die Bahn betont deshalb stets, auch während der Krise an ihren Investitionen und ihrer Einstellungsoffensive festzuhalten. 12,7 Milliarden Euro sollen allein im laufenden Jahr in die bestehende Infrastruktur fließen. Dass der Bedarf an modernen und vor allem klimatauglichen Netzen groß ist, haben auch die jüngsten Extremwetterlagen und Naturkatastrophen gezeigt. Mit ihnen ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor mit Blick auf die Langfristziele hinzugekommen.

Der Konzern rechnet etwa bei der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit Schäden in Höhe von bislang rund 1,3 Milliarden Euro. "Das verheerende Hochwasser hat uns einmal mehr bewusst gemacht, wie gravierend die Folgen des Klimawandels bereits sind", teilte Konzernchef Richard Lutz am Donnerstag mit. "Deshalb ist die Schiene wichtiger denn je für eine nachhaltige Entwicklung."

Schuld etwa an der schleppenden Entwicklung im Güterverkehr hat aus Sicht der Kritiker vor allem der Gesetzgeber: "Er trägt durch die falschen verkehrspolitischen LKW-freundlichen Rahmenbedingungen wesentlich dazu bei", teilte Peter Westenberger, Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE), in dem vor allem die Güterkonkurrenten der Bahn organisiert sind, am Donnerstag mit.

"Die Weichen wurden seit Jahren falsch gestellt, um für die DB wie der ganzen Branche eine Grundlage für mehr Erfolg zu schaffen", betonte wiederum der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Matthias Gastel. "Wir brauchen endlich Mut zu Veränderungen."

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