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Letzter Chef der DDR-Auslandsspionage Großmann gestorben

Von dpa
28.01.2022Lesedauer: 2 Min.
Werner Großmann
Werner Großmann bei einer Buchvorstellung. (Quelle: picture alliance / Paul Zinken/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Der letzte Chef der DDR-Auslandsspionage, Werner Großmann, ist tot. Der frĂŒhere Vize-Minister fĂŒr Staatssicherheit starb am Freitag im Alter von 92 Jahren, wie seine Tochter der Deutschen Presse-Agentur in Berlin bestĂ€tigte. Immer wieder hatten seine öffentlichen Auftritte nach der Wende Proteste ausgelöst. Großmann, einst einer der Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke, hatte bis zum Schluss die Arbeit des DDR-Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit (MfS) gerechtfertigt. Die Ost-Agenten im Westen seien "Kundschafter des Friedens" gewesen.

Eine Anklage gegen den Ex-Stasi-Generaloberst wegen Landesverrats und Bestechung hatte der Generalbundesanwalt 1995 zurĂŒckgezogen. Zuvor hatte das Bundesverfassungsgericht die Strafverfolgung von hauptamtlichen Stasi-Spionagemitarbeitern als verfassungswidrig eingestuft. Großmann hatte nach seiner Festnahme am 3. Oktober 1990 nur einen Tag im GefĂ€ngnis gesessen.

Großmann, der 1986 Nachfolger des langjĂ€hrigen Spionagechefs Markus Wolf wurde, blieb bis zur Auflösung des Stasi-Ministeriums 1990 Leiter der Hauptverwaltung AufklĂ€rung. Als Wolf im November 2006 starb, fehlte auch Großmann nicht bei der Urnenbeisetzung auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde, wo auch die "GedenkstĂ€tte der Sozialisten" liegt.

Der gelernte Maurer aus Sachsen scharte nach dem Ende der DDR Gleichgesinnte um sich und redete die Vergangenheit schön. "Wir haben nicht wie andere Geheimdienste Staatsstreiche, Ermordungen oder EntfĂŒhrungen durchgefĂŒhrt", hatte der Mann mit dem weißen Haar zu einer Tagung mit frĂŒheren Stasi-Offizieren in DĂ€nemark 2007 erklĂ€rt. Das Treffen der Ex-Stasi-GrĂ¶ĂŸen war gerade bei OpferverbĂ€nden auf heftige Kritik gestoßen. An anderer Stelle sagte Großmann, die MfS-Mitarbeiter hĂ€tten entsprechend der Gesetze gehandelt. Menschenrechtsverletzungen habe es generell nicht gegeben, in Einzelfragen aber möglicherweise ja.

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Proteste gab es auch im MĂ€rz 2006, als Großmann mit anderen Stasi- Offizieren bei einer Diskussion in der GedenkstĂ€tte Hohenschönhausen, dem frĂŒheren UntersuchungsgefĂ€ngnis der Staatssicherheit, auftrat und frĂŒhere Gefangene diffamierte. Großmann hatte auch mit Bedauern festgestellt, dass dem DDR-Geheimdienst erst 1989 das ganze Ausmaß der inneren Krise in der DDR klar geworden sei.

2017 stellte er sein GesprĂ€chsbuch "Der ÜberzeugungstĂ€ter" vor und breitete das Innenleben des Stasi-Apparates aus. "Ich habe nichts zu bereuen, ich habe niemandem geschadet, ich habe keine Straftat begangen", sagte der einstige Generaloberst dabei. "Ich bin voll im Reinen mit mir." Wie Tausende DDR-BĂŒrger habe er geholfen, den Frieden in Europa zu erhalten. "Darauf bin ich stolz." Seine Verhaftung nach dem Mauerfall bezeichnete er "als Auszeichnung und Anerkennung meines Wirkens".

Seine einstige TĂ€tigkeit fasste der Politikrentner so zusammen: Jeder Schritt bei relevanten Personen sei kontrolliert worden. Mithin sei das getan worden, "was heutzutage jeder Staat tut, der seine BĂŒrger vor TerroranschlĂ€gen schĂŒtzen will". Und weiter: "Wir klĂ€rten alle geplanten Standorte fĂŒr US-Raketen in der BRD auf, wir erhielten Infos aus dem Nato-Hauptquartier in BrĂŒssel". Die Hauptverwaltung AufklĂ€rung habe alle politischen Parteien in der Bundesrepublik im Blick gehabt.

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