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Geisel: Jahr für Jahr 20.000 Wohnungen nicht realistisch

Von dpa
26.05.2022Lesedauer: 2 Min.
Andreas Geisel (SPD)
Andreas Geisel (SPD) spricht. (Quelle: Wolfgang Kumm/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Wann Berlin erstmals wieder die Marke von 20.000 neugebauten Wohnungen erreicht, ist nach Einschätzung von Bau- und Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) noch offen. Der Senat hält an dem im Koalitionsvertrag festgelegten Ziel, in zehn Jahren auf 200.000 neue Wohnungen zu kommen, trotz steigender Inflation und stark anziehender Baupreise, fest. "Wir haben für die 200.000 Wohnungen den Bedarf in Berlin und die freien Flächenpotenziale. Jetzt ist die Frage, wie wir da zeitlich hinkommen", sagte Geisel der Deutschen Presse-Agentur. "Linear geht es bestimmt nicht, also immer 20.000 pro Jahr, schon deshalb, weil die Instrumente, die wir jetzt neu einführen, erst später ihre Wirkung entfalten."

Das gelte zum Beispiel für die Arbeit der Senatskommission Wohnungsbau, die Bauprojekte durch enge, ressortübergreifende Absprachen beschleunigen soll. "Wir hatten von 2011 bis 2016 einen deutlichen Anstieg beim Wohnungsbau, dann ging es zunächst auf dem Niveau erstmal weiter und fiel dann deutlich ab", erklärte Geisel. "Die Situation ist im Moment zu volatil, um seriös zu sagen, wann wir erstmals 20.000 Wohnungen im Jahr erreichen."

Die Baubranche kämpfe mit unkalkulierbaren Preissteigerungen, Materialknappheit und teilweise auch mit Personalmangel. "Aber klar ist: Wir werden diese Zielstellung nicht aufgeben, gar nicht aufgeben können. Die Preisentwicklung, vor allem die Inflationsentwicklung in den letzten Wochen, sei dabei aber alles andere als hilfreich. "Man muss aber irgendwann an dem Punkt kommen, wo die Zahl der Wohnungen über 20.000 im Jahr liegt, das ist auch kein Hexenwerk. Das haben wir in den 90er Jahren mehrere Jahre hintereinander geschafft."

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Im vergangenen Jahr wurden nach den Daten des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg allerdings nur 15.870 Wohnungen fertig. Und auch die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen geht zurück: In den ersten drei Monaten dieses Jahres auf 2900, fast ein Drittel weniger als im gleichen Zeitraum im Jahr davor.

Aus Geisels Sicht gibt es zu mehr Neubau aber keine Alternative. "Ich bin überzeugt, dass die 200.000 Wohnungen gebraucht werden", so der SPD-Politiker. "Die Frage, ob man sich künftig mit durchschnittlichem Einkommen noch eine Wohnung in Berlin leisten kann, wird heute beantwortet." In zehn Jahren sei es zu spät. "Wir können an der Entwicklung in Frankfurt, München, Paris oder London genau sehen, wo der Weg hingeht." Das sei in Berlin noch anders, sagte Geisel. "Wenn wir diese Berliner Mischung halten wollen, müssen wir Mieterinnen und Mieter vor Verdrängung schützen, die Stadt sozial zusammenhalten und bezahlbaren Wohnraum schaffen." Zusätzlich Handlungsbedarf sieht Geisel durch die Entwicklung nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

"Wir haben etwa 100.000 Ukrainerinnen und Ukrainer zusätzlich in der Stadt, 55.000 davon haben bisher einen Antrag auf dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung gestellt", sagte er. Derzeit lebten sie in Notunterkünften. "Es ist klar, dass wir sie irgendwann in normalen Wohnverhältnissen unterbringen müssen. Das heißt, dass wir Wohnraum schaffen müssen, nicht nur für die ukrainischen Flüchtlinge."

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