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Wieso der Flippers-Oldie bei der Generation Z rockt


Weshalb der Flippers-Oldie bei der Generation Z so rockt

Von Dietmar Nolte

Aktualisiert am 30.08.2022Lesedauer: 7 Min.
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Olaf der Flipper auf der Bühne der Schlagerstrandparty (Archivbild): Der 76-Jährige erlebt aktuell auf deutschen Bühnen ein Revival. (Quelle: IMAGO/osnapix / Hirnschal)

Olaf von den Flippers rockt mit seinem Sommerhit die Partybühnen und wird von der jungen Generation abgefeiert – auch in Dortmund. Was ist da los?

Familienparty auf dem Supermarkt-Parkplatz im Dortmunder Süden, die Stimmung ist prächtig, Kids spielen zwischen Softeis-Bude und Hüpfburg, auf der Bühne hat Olaf Henning gerade mit dem Lasso-Song ordentlich eingeheizt. Und doch warten hier alle nur auf einen: Olaf der Flipper!

Der 76-Jährige singt den Hit dieses Sommers: "Wir sagen Dankeschön!" Ob auf Mallorca, beim Parookaville-Festival, im Fernsehgarten oder hier in Dortmund-Kirchhörde: Olaf Malolepski und der Überraschungserfolg des Jahres werden vor allem auch von der jungen Generation abgefeiert ohne Ende. "Olaf, Olaf"-Sprechchöre – und als er die ersten Zeilen anstimmt, singen alle mit.

Was Olaf Malolepski zu seinem Erfolg sagt, wie er die junge Party-Generation sieht und was er auf dem Parookaville erlebt hat, darüber hat sich der Sänger im Rahmen seines Auftritts exklusiv mit t-online unterhalten.

Video | Flippers Dietmar Nolte
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t-online: Olaf, wie oft müssen Sie sich kneifen, um zu realisieren, was für einen Hype Sie und die Flippers-Lieder gerade erleben?

Olaf der Flipper: Ich kann es immer noch nicht richtig fassen. "Wir sagen Dankeschön" haben wir vor 13 Jahren aufgenommen zum 40-jährigen Jubiläum der Flippers. Vor ein paar Monaten sagte meine Tochter plötzlich zu mir: "Papa, auf Malle geht was ab – da singen alle euer Lied!" Das habe ich ihr erst gar nicht geglaubt.

Aber dann haben Sie es selbst erlebt?

Ich hatte Anfang des Sommers nach längerer Pause einen Konzertauftritt in Büsum an der Nordsee, gehe dort durch die Straßen – und junge Leute singen "Wir sagen Dankeschön", als sie mich sehen. Unglaublich! Auf der Bühne musste ich es bestimmt zehnmal a cappella anstimmen. Ein paar Takte, und alle haben mitgesungen. So einen Hype habe ich fast noch nicht erlebt. Das war wie zu den besten Zeiten der Flippers, als wir in den großen Arenen gespielt haben. Überall wird heute das Lied gesungen, sogar in den Fußballstadien.

Haben Sie selbst eine Erklärung, warum der Song und Sie plötzlich auch bei der jüngeren Generation so populär sind?

Wenn man das wüsste … (lacht). Ich glaube, so etwas kannst du nicht planen. Vielleicht hat es ein bisschen mit der langen Corona-Pause zu tun. Die Menschen wollen wieder raus, wollen feiern. Und dann ist da plötzlich ein Lied, das sich auf Mallorca so entwickelt, dass alle die Zeile mitsingen: "Wir sagen Daaaaaankeschön …". Das haben dann viele mit nach Hause gebracht, hier geht der Hype weiter. Und plötzlich stehe ich beim Parookaville-Festival auf der Bühne.

Ein Festival für elektronische Tanzmusik, auf dem die Generation Z feiert – und Sie mittendrin.

Die wollten mich erst gar nicht auf die Bühne lassen, weil dort so viele Leute gewartet haben. Dann ging’s mit zwei Bodyguards vorne und zwei Bodyguards hinten los. Dreimal musste ich "Wir sagen Dankeschön" singen. Und die jungen Leute haben den Text von vorne bis hinten mitgesungen! Und da kann ich wirklich nur Dankeschön sagen. So etwas erlebst du nicht jeden Tag. Wir hatten mit "Weine nicht kleine Eva" und "Die rote Sonne von Barbados" Riesenhits, aber das toppt jetzt fast alles. Jetzt werde ich wahrscheinlich mit 100 Jahren noch auf der Bühne stehen. (lacht)

War Ihnen das Parookaville-Festival vorher eigentlich ein Begriff?

Ehrlich gesagt nein. Wer denkt denn bei meiner Musik an ein Techno-Festival?

Wohin führt der Weg als Nächstes: Wacken, Rock am Ring?

Da sind wir doch gerade dran … (lacht) Für Rock am Ring gibt es eine Petition: "Wir wollen den Olaf sehen!" Und in Wacken waren in diesem Jahr die Höhner, mal schauen. Ich kann mir alles vorstellen. Musik verbindet – das ist meine Philosophie, seit ich Musik mache. Und es ist vollkommen egal, welche Musikrichtung. Wenn es den Menschen gefällt und sie können mitsingen, dann ist es doch perfekt. Louis Armstrong hat mal gesagt: "Wenn das Publikum begeistert ist, ist es Unterhaltung. Wenn nicht, ist es Kunst." Wenn ich mit den Liedern der Flippers und meinen Songs weiter für so viel Lebensfreude und Party sorgen kann, dann gerne. Dann mache ich auch weiter, solange ich gesund bin.

Was hört denn Olaf der Flipper selbst für Musik?

Ich höre alles! Durch meine Kinder bin ich zum Beispiel an Bon Jovi gekommen, da war ich auch auf einem Konzert. Als ich angefangen habe, Musik zu machen, war mein Idol Elvis. Oder Chuck Berry, durch den kam ich ans Gitarrespielen. Dann habe ich später deutschen Schlager gesungen: Peter Alexander, Roy Black – das wurde auch erwartet von uns als Tanzband. Ich habe fast alles gespielt und ich höre auch fast alles, je nach Situation. Das kann auch mal Techno sein.

Wie nehmen Sie als immerhin schon 76-jähriger Künstler die junge Generation wahr, die gerade Ihre Musik abfeiert?

Weltklasse! Ich hatte in meinem Leben immer mit jungen Menschen zu tun, ob als staatlich geprüfter Tennislehrer oder eben als Musiker. Und junge Menschen machen auch bei mir keinen Unterschied. Da sagt keiner: "Der ist ja 76!" – die sagen einfach: "Da ist der Olaf." Ich habe jetzt in dieser Woche an zwei Tagen Auftritte im Megapark auf Mallorca, da werden wir alle zusammen mit meiner Musik feiern. Wir haben als Flippers schon 1987 im Oberbayern gespielt. Da gehören wir ja fast zu den Gründungsvätern der Malle-Party. (lacht)

Zu den Malle-Partys gehört oft auch eine Menge Alkohol …

Für mich gibt’s auf der Bühne null Alkohol. Aber die Leute machen Urlaub und feiern, dann trinkt man auch mal ein Glas oder zwei. Die jungen Leute sollen doch ruhig Gas geben. Warum denn auch nicht? Hauptsache, es bleibt alles im Rahmen. Es ist immer mal einer dabei, der ein Gläschen zu viel trinkt. Aber man muss sich ja nicht immer das Extreme rauspicken. Ich glaube, die Jugend ist besser, als viele meinen. Ich freue mich auf Mallorca und werde richtig Gas geben! "Barbados", "Lotusblume", "Mona Lisa" – das sind ja alles Hymnen auf Malle.

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Und dann geht’s im Herbst auf große Solo-Tour durch Deutschland. Am 13. November kommen Sie auch zum Konzert nach Dortmund in die Westfalenhalle 2.

Darauf freue ich mich riesig. Dortmund wird am 13. November der Abschluss der Tour sein. Die Westfalenhallen sind legendär. Mit den Flippers haben wir seit Anfang der 90er Jahre oft in der Halle 1 gespielt vor ausverkauften Rängen. Das war gigantisch!

Üben die Westfalenhallen auf Künstler immer noch eine besondere Faszination aus?

Na klar! Als es früher andere große Hallen wie die Kölnarena noch nicht gab, war es immer ein Traum, einmal in der Westfalenhalle auf der Bühne zu stehen. Da fanden alle großen Shows statt, einfach großartig. Dieser Reiz ist geblieben. Und dieses Mal wird meine Tochter Pia mit auf der Tour dabei sein, darauf freue ich mich besonders. Sie hat selbst schon vier Alben veröffentlicht und wir werden auf den Konzerten einige Duette singen. Vielleicht spiele ich auch schon etwas von meinem neuen Album. Und natürlich "Wir sagen Dankeschön …!"

Es ist ein neues Album in Planung?

Das wird mein zehntes Solo-Album. Ich habe das Gefühl, es sind Hammer-Lieder darauf – aber das meint man als Künstler natürlich immer. (lacht) Auf dem letzten Album habe ich auch auf Spanisch, Italienisch und Englisch gesungen, das haben wir früher als Flippers schon gemacht. Jetzt wird es aber mal ein ganzes Album in meiner Muttersprache Deutsch geben. Es wird im nächsten Jahr erscheinen.

Neben Ihrer Tochter dürften wahrscheinlich zwei Dinge auf der Tour auch nicht fehlen: Zum einen Ihr berühmtes Glitzersakko …

Das gehört zwingend dazu! (lacht) Als ich als Olaf der Flipper 2011 solo angefangen habe, habe ich das Glitzersakko mal abgelegt und nur noch bunt getragen. Da haben meine Frau und meine Tochter mich überzeugt, dass es nicht ohne Glitzer geht. Wenn ich jetzt im roten Glitzersakko komme, rufen immer schon alle: Da kommt der Olaf!

… und natürlich der goldene Flipper, den Sie als Anhänger am Hals tragen.

Diese Kette und den Anhänger habe ich seit 26 Jahren. Ich habe ihn zu meinem 50. Geburtstag von einem Tenniskameraden bekommen, der eine Goldschmiede besitzt. Er hat ihn mir geschenkt, weil ich für den Tennissport Tausende an Kilometern gefahren bin und dafür nie etwas verlangt habe. Es war ein Dankeschön, und das trage ich seitdem immer.

Macht es eigentlich einen Unterschied, ob Sie im Ruhrpott oder in anderen Teilen Deutschlands auf der Bühne stehen?

Man sagt ja gerne, die Menschen im Norden wären etwas ruhiger. Aber das stimmt so auch nicht. In Hamburg haben die Leute bei den Flippers immer genauso Gas gegeben wie in Dortmund. In München hat’s vielleicht ein bisschen länger gedauert. Aber nach drei Sekunden standen die gefühlt auch auf den Tischen. (lacht)

Und egal, ob Solo-Tour, Parookaville-Festival oder Sommerparty am Supermarkt – man hat den Eindruck, Sie sind immer mit ganz viel Spaß bei der Sache.

Sonst würde ich zu Hause bleiben, wenn ich keinen Spaß hätte. Ich habe ein kleines Wohnmobil, meine Frau ist dabei, unser Chihuahua – damit geht es dann los. Wichtig ist einfach, dass ich Freude habe an der Musik. Und dann ist es auch egal, ob ich vor 100, 1.000 oder 10.000 Menschen auftrete. Und wenn nur fünf Leute vor der Bühne stehen – ich gebe alles, was ich kann.

Was sagt eigentlich Ihr Ex-Flippers-Partner Bernd Hengst zum aktuellen Hype um die alten Songs?

Wir haben keinen Kontakt mehr. Bernd hat sich ganz zurückgezogen, wird sich vermutlich um seine Enkel kümmern und ein bisschen Golf spielen. Wir haben tatsächlich keinen Kontakt mehr. Wir sind nicht im Bösen auseinandergegangen und wenn wir uns sehen, dann sagen wir natürlich auch Hallo. Aber wir haben uns über Jahre ständig gesehen bei allein rund 180 Auftritten pro Jahr. Dazu Proben, Studioarbeit – du hast dich immer gesehen. Und dann ist es auch völlig okay, dass jetzt jeder sein Ding macht. Alles hat seine Zeit.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Olaf Malolepski
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