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Missbrauchsgutachten: Overbeck fordert Reaktion von Benedikt

Von dpa
21.01.2022Lesedauer: 2 Min.
Franz-Josef Overbeck
Franz-Josef Overbeck spricht. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat konkrete Konsequenzen aus dem MĂŒnchner Gutachten zum Missbrauch in der katholischen Kirche gefordert. "Wir sehen heute deutlich, dass Verantwortung ĂŒbernommen werden muss - und Verantwortung ist immer personal", sagte er am Donnerstagabend in einem "ZDF Spezial". Dazu gehöre, "dass sich auch der Vatikan, dass sich auch Papst Benedikt dazu verhĂ€lt".

Ein am Donnerstag vorgestelltes neues Gutachten ĂŒber sexuellen Missbrauch im Erzbistum MĂŒnchen und Freising erhebt schwere VorwĂŒrfe gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. Der damalige Kardinal Joseph Ratzinger habe - so beurteilt es die vom Bistum beauftragte Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) - in seiner Zeit als MĂŒnchner Erzbischof MissbrauchstĂ€ter "mit hoher Wahrscheinlichkeit" wissentlich in der Seelsorge eingesetzt und darĂŒber die Unwahrheit gesagt. In vier FĂ€llen werfen ihm die Gutachter Fehlverhalten vor.

Dabei geht es auch um einen Priester, der in den 70er Jahren, vor seiner Versetzung nach Bayern, schon in Bottrop und Essen Jungen sexuell missbraucht und das auch an seiner neuen WirkungsstĂ€tte fortgesetzt haben soll. Betroffene riefen gemeinsam mit Kirchenkritikern und einer Humanisten-Stiftung fĂŒr diesen Freitagnachmittag zu einem stillen Protest vor dem Essener Dom auf.

Laut MĂŒnchner Gutachten sind mindestens 497 Kinder und Jugendliche zwischen 1945 und 2019 in dem katholischen Bistum von Priestern, Diakonen oder anderen Mitarbeitern der Kirche sexuell missbraucht worden. Mindestens 235 mutmaßliche TĂ€ter gab es laut der Anwaltskanzlei - darunter 173 Priester und 9 Diakone. 40 Kleriker seien auch nach MissbrauchsfĂ€llen weiterhin in der Seelsorge tĂ€tig gewesen beziehungsweise sei dies geduldet worden.

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Im Herbst werde ein vom Bistum Essen beauftragtes Forschungsinstitut eine Studie vorstellen, "die mit einem sozialwissenschaftlichen Fokus die MissbrauchsfÀlle im Ruhrbistum aufarbeitet und dabei auch den gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext einbezieht", teilte das Generalvikariat in Essen mit.

Das Institut habe seit MĂ€rz 2020 Zugang zu allen Akten, die die MissbrauchsfĂ€lle in der Bistumsgeschichte betreffen und fĂŒhre Interviews mit Verantwortlichen, Betroffenen und weiteren Zeitzeugen im Bistum und den betroffenen Gemeinden. "Dabei geht es besonders um die Frage, welche Strukturen, Verhaltensmuster und Fehler von Verantwortlichen sexualisierte Gewalt in kirchlichen Einrichtungen der Diözese begĂŒnstigt haben."

Eine juristische Untersuchung aller Personalakten der noch lebenden Geistlichen zu etwaigen VorwĂŒrfen oder VerdachtsfĂ€llen sexuellen Missbrauchs hatte das Ruhrbistum bereits 2012 bei einer Rechtsanwaltskanzlei in Auftrag gegeben und die Ergebnisse 2017 vorgestellt.

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