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Essener über Verwandte in Ukraine: "Sie zittern, hoffen und warten"


Deutscher über Verwandte in Ukraine
"Sie zittern, hoffen und warten, dass keine Bomben mehr fallen"

  • Nils Heidemann
Von Nils Heidemann

28.02.2022Lesedauer: 2 Min.
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Menschen suchen Schutz in einer U-Bahn-Station (Archivbild): Ein Essener sorgt sich um die Verwandten seiner Frau in Charkow.Vergrößern des Bildes
Menschen suchen Schutz in einer U-Bahn-Station (Archivbild): Ein Essener sorgt sich um die Verwandten seiner Frau in Charkow. (Quelle: Xinhua/imago-images-bilder)

Ein Essener Manager hat Verwandte und Geschäftspartner in der umkämpften ukrainischen Stadt Charkiw. Er ist mit ihnen in ständigem Kontakt – und versucht, sie zu unterstützen.

Der Geschäftsmann Thomas Schiemann aus Essen ist der Ukraine sehr verbunden. Seine Frau stammt gebürtig aus dem Land, ihre Eltern und Schwester leben in Charkiw – einer großen Stadt im Nordosten der Ukraine, die von der russischen Invasion stark getroffen ist. Erst am Montag sind dort örtlichen Behörden zufolge mindestens elf Menschen bei Raketenangriffen russischer Streitkräfte auf Wohnviertel ums Leben gekommen.

"Es ist unglaublich wichtig, dass wir die Menschen vor Ort motivieren und ihnen zeigen, dass wir an sie denken", sagt Schiemann im Gespräch mit t-online. "Ich bekomme sofort Feedback von allen möglichen Leuten. Man muss Kontakt halten. Das ist das A und O."

Essener hat Familie und Freunde in Ukraine: "Schwer zu ertragen"

Schiemann selbst ist Lebensmittel-Exporteur und hält neben der Familie seiner Frau und Freunden auch Kontakt zu vielen Mitarbeitern und Geschäftspartnern in der gesamten Ukraine. Deshalb rief er am vergangenen Samstag bei einer Solidaritätskundgebung in Essen emotional zur Unterstützung der ukrainischen Bevölkerung auf.

Denn: Die Situation in Charkiw sei sehr angespannt. Zwar hätten beispielsweise einige Geschäfte in den vergangenen Tagen tagsüber geöffnet gehabt, dennoch suchten die allermeisten Menschen Schutz. "Im Prinzip sitzen die mehr oder weniger im Bunker oder in Metroschächten. Sie zittern, hoffen und warten, dass keine Bomben mehr fallen", schildert er die Situation seiner Verwandten. Die Angst sei daher allgegenwärtig.

"Eine Freundin meiner Frau hat aus dem Fenster gefilmt und uns Videos davon gezeigt, wie ein Raketenhagel auf die Stadt niedergeht." Für ihn sei das sehr beängstigend und kaum zu fassen. "Oder wenn man Clips bekommt, in denen tote russische Soldaten am Wegesrand liegen. Das ist alles nur schwer zu ertragen."

Krieg in der Ukraine: "Die haben sich in der Schule getroffen und Molotowcocktails gebaut"

Gleichzeitig beeindrucke ihn der "wahnsinnig große Freiheitswille" unter den Ukrainern. "Die sind bis ins Letzte davon überzeugt. Die wollen unbedingt ein freies Land bleiben", sagt er. So bot Schiemann nach eigener Aussage jungen Geschäftspartnern von ukrainischen Handelsketten an, nach Essen zu kommen: "Junge Leute, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, die gut ausgebildet sind, die Englisch sprechen und die sofort Arbeit finden."

Die Reaktionen darauf hätten ihn verblüfft: "Thomas, was redest du? Wir verteidigen hier unser Land. Keiner geht", erhielt er als Antwort. Ein weiteres Beispiel für den Willen, nicht aufzugeben: Am Montag telefonierte Schiemann mit einer seiner Mitarbeiterinnen in der Ukraine. Diese berichtete von ihrer Mutter, einer Lehrerin im Pensionsalter. "Die haben sich heute alle in der Schule getroffen und Molotowcocktails gebaut."

Nicht zuletzt wegen solcher Nachrichten schickt Schiemann seinen Partnern und Mitarbeitern jeden Morgen eine Rundnachricht. Darin fragt er, wie es ihnen gehe. "Man nimmt ja daran teil. Das sind alles Leute, die ich kenne." Daher müsse man unbedingt den von der Bundesregierung eingeschlagenen härteren Kurs gegen Wladimir Putin beibehalten.

Und: Es gelte nun, die Ukraine weiterhin so weit es geht zu unterstützen. Schiemann möchte das tun – mit organisierten Lebensmittelkonvois, Ratschlägen über das weitere Vorgehen, aber immer auch mit einem offenen Ohr.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Thomas Schiemann
  • Eigene Recherchen
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