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Tchibo friert Gehälter ein: So schlitterte das Unternehmen in die Krise


"Keine Gehaltserhöhungen": So tief steckt Tchibo in der Krise

Von t-online, kg

Aktualisiert am 26.04.2023Lesedauer: 3 Min.
Das Logo von "Tchibo" ist an einem Geschäft zu sehenVergrößern des BildesDas Logo von "Tchibo" ist an einem Geschäft zu sehen. (Quelle: picture alliance / Patrick Seeger/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Jahrzehntelang brummte das Geschäft des Kaffeerösters Tchibo. Doch inzwischen steckt das Hamburger Unternehmen in der Krise. Filialschließungen sind denkbar, die Gehälter sind eingefroren. Die Mitarbeiter sind alarmiert.

Die beiden Kaufleute Max Herz und Carl Tchilling-Hiryan starten 1949 mit einer revolutionären Geschäftsidee: Sie verschicken ihren Röstkaffee per Post. Zunächst eingewickelt in Geschirrhandtücher, später dann in wiederverwendbaren Metalldosen. Aus Tchilling Bohnenkaffee wird Tchibo, eine Hamburger Erfolgsgeschichte.

Längst ist aus dem Kaffeeversender ein Handelsriese geworden. Doch der taumelt: Das Jahr 2022 ist das schlechteste in der Firmengeschichte. Erstmals gibt es keine Gehaltserhöhung für die Mitarbeiter. "Leider lassen die Unternehmenszahlen eine Anpassung der Gehälter in diesem Jahr nicht zu", zitiert die "Welt" die neue Personalchefin Julia Braß und den Vorstandsvorsitzenden Werner Weber. Immerhin: 1.500 Euro als steuerfreien Inflationszuschuss gibt es für die Angestellten.

Doch die sind in Sorge. Satte Gehälter gab es nie bei Tchibo, aber das Unternehmen verstand, die Mitarbeiter bei Laune zu halten. Zu Weihnachten gab es Lachs, Pute oder Ente als Geschenk überreicht, jedes Jahr wurde das Gehalt moderat erhöht. Jetzt zeigen sich die Angestellten im Intranet besorgt bis wütend.

Tchibo-Mitarbeiter sind wütend

Gute Mitarbeiter hätten das Unternehmen schon verlassen, zitiert die "Welt" aus den Äußerungen im Tchibo-Intranet. Die Arbeitsverdichtung hätte stark zugenommen, und das bei faktisch sinkendem Gehalt. Dass nun gar keine Gehaltserhöhung gezahlt würde, sei eine "Ohrfeige" für die Mitarbeiter. Die Unternehmensverluste würden auf die Mitarbeiter umgelegt, statt in sie zu investieren. Die Stimmung, Moral und Motivation seien eh schon sehr schlecht, heißt es weiter.

Tatsächlich kämpft Tchibo an verschiedenen Ecken mit seinem Geschäftsmodell. So ist das Filialgeschäft stark unter Druck. Die Innenstädte sterben aus. Das zeigt sich auch bei anderen Händlern, wie dem insolventen Schuhhändler Görtz oder der Warenhauskette Galeria Kaufhaus.

Tchibos Geschäft kriselt

Bis 2021 sahen die Finanzen bei Tchibo noch super aus: Bei einem Umsatz von 3,3 Milliarden und einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 176 Millionen Euro konnte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt werden. Doch danach ging es rapide bergab. Offenbar hatte Tchibo die Lager mit Waren vollgestopft, die sich nicht verkaufen ließen. Auch das Online-Geschäft gab um neun Prozent nach. Für 2022 erwarte man, dass das Ergebnis "erheblich rückläufig" sei, heißt es bei der Muttergesellschaft Maxingvest.

Dabei spielt das zögerliche Kaufverhalten der Kunden eine große Rolle. Und zwar nicht beim Kaffee, sondern beim Non-Food-Bereich. Die Kostenexplosion durch die Inflation und die hohen Energiepreise lassen die Kunden sparsamer sein. Bettwäsche, Möbel, Autozubehör und Bekleidung sind dann schwerer zu verkaufen. "Es ist korrekt, dass wir vor dem Hintergrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation im deutschen Einzelhandel, stark gestiegener Kosten und der inflationsbedingt hohen Kaufzurückhaltung der Kundinnen und Kunden dieses Jahr keine Gehaltserhöhungen vorgenommen haben", bestätigt ein Sprecher des Unternehmens gegenüber T-Online.

Experten erwarten, dass Tchibo in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen werde. Dazu gehöre auch, dass Filialen dichtmachen müssen. Vor allem dann, wenn Mietverträge auslaufen. Man passe Standorte an, beispielsweise wenn sich Frequenzen in der Filiale oder Toplagen ändern, so Tchibo zu T-Online. Man investiere aber auch in Standorte und habe zuletzt auch deutschlandweit 15 neue Filialen eröffnet. "Tchibo ist ein gut funktionierendes Auslaufmodell. Den Höhepunkt hat der Einzelhändler schon lange überschritten", sagt Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach zur "Welt". "Am Ende wird nur das Kaffeegeschäft überleben."

Verwendete Quellen
  • welt.de: "Frustrierte Mitarbeiter – die Wagenburg Tchibo bröckelt"
  • abendblatt.de: "Tchibo friert Gehälter der Beschäftigten ein"
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