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Abschied von Kiez-Größe "Schöner Klaus": St. Pauli trauert – "Ich bin entsetzt"


Abschied vom "schönen Klaus"
Kiez-Größen trauern – "Damit hätte ich nicht gerechnet"

Von t-online, mkr

Aktualisiert am 27.04.2023Lesedauer: 3 Min.
Kiezianer Klaus Barkowsky: Er ist im Alter von 69 Jahren gestorben.Vergrößern des BildesKiezianer Klaus Barkowsky: Er ist im Alter von 69 Jahren gestorben. (Quelle: Strussfoto/imago-images-bilder)
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Am Dienstag ist die Hamburger Kiezgröße Klaus Barkowsky unerwartet gestorben. Für Weggefährten des Luden war die Nachricht ein Schock.

Mit Klaus Barkowsky, der als der "schöne Klaus" bekannt wurde, hat St. Pauli seinen letzten richtigen Luden verloren. Der 69-Jährige war Chef der berüchtigten "Nutella-Bande", die den Kiez vor rund 30 Jahren aufmischte. Die Geschichte der Zuhälter-Organisation, die zwischen Ende der 1970er- und Mitte der 1980er-Jahre einen Großteil der Prostitution kontrollierte, wird derzeit in der Amazon-Prime-Serie "Luden" gezeigt.

Auch wenn die "glorreichen" Zeiten des "schönen Klaus" in Europas bekanntestem Rotlichtviertel lange vorbei sind, war Barkowsky bis zuletzt ein gern gesehener Gast auf dem Hamburger Kiez. "Ich kannte einige von ihnen. 'Karate-Tommy' und 'Inkasso-Henry' saßen bei mir am Tresen, so wie er, der 'Lamborghini-Klaus'. Sie sind allesamt als gebrochene Persönlichkeiten geendet", erinnert sich Daniel Schmidt, Besitzer des legendären "Elbschlosskeller", im Gespräch mit dem Magazin "Stern".

Das Verhältnis zwischen Schmidt und dem 69-Jährigen sei in den vergangenen Jahren "beinahe väterlich" gewesen, erzählt der Gastronom. Barkowsky sei für die Zuhälterei nie richtig geeignet gewesen. "Er war emphatisch und begann darüber nachzudenken, zu reflektieren", sagt Schmidt. Deshalb sei der "schöne Klaus" auch nie ins Milieu zurückgekehrt.

Ehemaliges "Nutella"-Mitglied trauert um den "schönen Klaus"

Tief getroffen zeigte sich Carsten Marek, Betreiber der Boxerkneipe "Zur Ritze" auf St. Pauli. Der heutige Gastronom war früher ebenfalls Mitglied der "Nutella-Bande" und bis zuletzt mit Barkowsky befreundet. "Ich bin entsetzt, damit hätte ich nicht gerechnet", sagte Marek dem Portal "Moin.de".

Marek war jedoch bekannt gewesen, wie sich der 69-Jährige gefühlt hatte. "Ich weiß, dass es Klaus schon länger gesundheitlich nicht so gut ging und dass er oft depressiv wirkte." Zuletzt machte Barkowsky Schlagzeilen, als er im Januar 2022 vor Gericht stand, weil er auf dem Kiez betrunken den Hitlergruß gezeigt hatte. Laut "Moin.de" habe sei Ansehen auf der Rotlichtmeile darunter gelitten und er sei oft abfällig darauf angesprochen worden.

Weggefährte von Barkowsky: "Keine positive Lebensqualität mehr"

Dass Barkowsky nun auf derart tragische Weise sein Leben beendet hat, passt für den langjährigen Ermittler der Hamburger Polizei, Waldemar Paulsen, ins Bild. "Klaus Barkowsky war schon immer für Überraschungen gut", sagt der ehemalige Kriminal-Hauptkommissar über dessen Tod bei "Moin.de".

Paulsen war in den Siebziger- und Achtzigerjahren unter anderem als Zivilfahnder zum "Fachmann" in Sachen Prostitution und Zuhälterei geworden und hatte deshalb auch mit der "Nutella-Bande" zu tun.

"Der hatte für sich keine positive Lebensqualität mehr erkennen können. Er ist nicht die Ausnahme dieses Klientels, die oft so endet. Denn jeder Mensch möchte wertgeschätzt und anerkannt werden. Aber die Anerkennung ist in den letzten Jahren immer mehr zu negativen Wahrnehmungen umgeschlagen", sagt der pensionierte Polizist.

Kiez-Gastronom: "Ich dachte, da kommt noch viel"

Laut Kiez-Gastrnom Daniel Schmidt habe die Corona-Zeit Barkowsky gutgetan. "Er lebte weniger exzessiv, drehte immer noch seine Runden, wusste aber auch, wann er besser nach Hause gehen sollte", sagt der 39-Jährige zum "Stern". Der "schöne Klaus" habe besser ausgesehen, eine neue Lebensgefährtin gehabt und stolz von seinem Sohn erzählt.

"Ich dachte, da kommt noch viel. Gleichzeitig wurde darüber gemunkelt, dass er sehr krank gewesen sei. Worüber wir nie sprachen, er nie gesprochen hätte, dazu war er zu stolz", so Schmidt. Als die Nachricht von Barkowskys Tod den "Elbschlosskeller" erreichte, habe eine seiner ältesten Mitarbeiterin "richtig" geweint.

Hinweis: Hier finden Sie sofort und anonym Hilfe, falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen.

Verwendete Quellen
  • stern.de: "St. Pauli trauert um den "schönen Klaus" – ein persönlicher Nachruf"
  • moin.de: "Hamburg verliert eine echte Kiez-Legende – Klaus Barkowsky ist tot"
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