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Auf Jobsuche in Hamburg: Ist die Generation Z einfach faul und gierig?


Generation Z: jung, faul, gierig?
"Wir dachten, nach dem Abi stehen uns die Türen offen"

Von t-online, nh

Aktualisiert am 18.03.2024Lesedauer: 3 Min.
Sind auf Jobsuche: Nesrin Koç, Josephena A. und Alina Bayts vor ihrem Besuch der Jobmesse Hamburg.Vergrößern des BildesSind auf Jobsuche: Nesrin, Josephena und Alina vor ihrem Besuch der Jobmesse Hamburg. Dort sind sie gemeinsam mit Freundin Nicole, die nicht mit aufs Foto wollte. (Quelle: Nina Hoffmann)
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Jung, faul, gierig? Die Generation Z hat auf dem Arbeitsmarkt keinen guten Ruf. t-online hat bei einer Jobmesse in Hamburg mit jungen Menschen über Arbeitsmoral und die Herausforderungen des Berufseinstiegs gesprochen.

Die Generation Z polarisiert. Immer wieder wird darüber berichtet, wie junge Menschen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zur Verzweiflung treiben. Das Klischee: Die Generation Z stelle schier unmögliche Forderungen – hohen Lohn für wenig Arbeit. t-online war bei einer Jobmesse im Hamburger Volksparkstadion und hat junge Jobsuchende gefragt: Seid ihr arbeitsfaul?

Vier Freundinnen wehren sich vehement gegen die Stereotype ihrer Generation: Nesrin, Nicole, Josephena und Alina, alle 20 Jahre alt, sind seit knapp einem Jahr auf der Suche nach Jobs. "Die Klischees stimmen nicht", sagt Alina. Ihre rötlich gefärbten Haare umrahmen das Gesicht der jungen Frau. "Wir wollen vor lauter Arbeit einfach nicht vergessen, wie man lebt", sagt sie.

"Ich hab jetzt schon tierisch Angst vor dem Rentenalter"

Die vier haben im vergangenen Jahr Abitur gemacht und bislang keine Antwort darauf gefunden, wie sich ihr beruflicher Werdegang entwickeln soll. Sie jobben, absolvieren Praktika, durchlaufen Bewerbungsprozesse für Ausbildungen. Alle sind sich einig: Besonders erstrebenswert finden sie eine 40-Stunden-Woche nicht – grundsätzlich ablehnen würden sie Vollzeitjobs aber auch nicht. Zumindest zu Beginn der beruflichen Laufbahn.

"Ich hab jetzt schon tierisch Angst vor dem Rentenalter", sagt Nicole mit ernstem Blick. Die 30-Stunden-Woche sei zwar attraktiv – doch was, wenn dann am Ende des Lebens nicht genug Geld für das Wesentliche da sei? "Ich fürchte mich richtig davor, dass da nichts übrig bleibt für mich."

Hohe Nachfrage nach Jobmessen

Die vier stehen vor dem Volksparkstadion am Ende der Schlange. Die Eingangstür ist von hier aus nicht mehr zu sehen. Tausende Menschen aus Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind gekommen, um sich zu informieren.

Unter den Arbeitgebern sind etwa Aldi, die Hamburger Hochbahn, Lufthansa Technik, die Bundespolizei, Pflegebetriebe und einige weitere Unternehmen aus Norddeutschland. "In Leipzig hatten wir zuletzt mit 6.000 Besucherinnen und Besuchern gerechnet, dann kamen aber 17.000", sagt der Geschäftsführer der Hamburger Jobmesse, Holger Kopplin. "Wir werden überrannt." Doch wieso ist die Nachfrage nach solchen Messen in Zeiten des Fachkräftemangels so hoch?

"Wir dachten, nach dem Abi stehen uns die Türen offen, aber das ist Quatsch", sagt Josephena, die gerne einen kreativen Beruf ausüben möchte. Trotz Fachkräftemangels hätten die vier jungen Frauen es keinesfalls leicht auf dem Hamburger Arbeitsmarkt. "Wir wurden von der Schule furchtbar schlecht auf die Jobsuche vorbereitet", kritisiert Nesrin. "Und viele Ältere haben einfach gar kein Verständnis mit uns – dieses Klischee der faulen Generation Z löst auch nicht gerade Motivation in uns aus."

"Wenn du nur chillst, lernst du nichts"

Einer, der das etwas anders sieht, ist Noah. Auf die Frage, ob die Generation Z arbeitsfaul sei, nickt er. Viele in seinem Alter hätten mehr Bock auf freie Zeit als auf einen Job, der sie erfülle, kritisiert er. Auf ihn treffe das nicht zu. "Natürlich ist Freizeit wichtig, aber wenn du immer nur chillst, lernst du nichts", sagt der 19-Jährige, der in seiner Freizeit am liebsten Fußball spielt. Er sucht nach einem Job, der ihm Freude bereitet und ihm ermöglicht, im Team zu arbeiten. Zuletzt hatte er eine Ausbildung im Bereich Groß- und Außenhandelsmanagement begonnen, doch er wurde enttäuscht.

"Die waren mit meiner Ausbildung einfach total überfordert", sagt er. An den Plan für seine Ausbildung habe sich das Unternehmen kaum gehalten. Die meiste Zeit verbrachte er im Lager, auch dann noch, als er längst eine neue Station in der Firma kennenlernen sollte. Schließlich folgte der Aufhebungsvertrag. Sein neuer Plan: Polizist werden. Dafür hat er sich auf der Jobmesse von der Hamburger Polizei beraten lassen. Nun ist er noch begeisterter als vorher: "Ich finde, die machen super Arbeit. Und das will ich auch."

Künstliche Intelligenz als Konkurrenz für junge Arbeitnehmende

Weniger sicher, welcher Job zu ihr passt, ist dagegen Alex. Die Abiturientin hat bereits zahlreiche Jobmessen besucht. Viele davon freiwillig, andere, weil es in der Schule gefordert wurde. Fragt man sie nach der Arbeitsmoral ihrer Generation, faltet Alex die Hände. "Wir sind nicht faul, wir haben bloß Werte, wie wir behandelt werden wollen", sagt die 19-Jährige.

Wie auch die vier Freundinnen zuvor ist Alex von vielen Sorgen bei der Jobsuche verfolgt. So sieht sie etwa in Künstlicher Intelligenz (KI) eine große Konkurrenz. "Viele Berufe, die ich mal in Betracht gezogen habe, werden langfristig von KI ersetzt", sagt Alex und nennt etwa Grafikdesign als Beispiel. Auch die Inflation besorgt sie. "Wir wachsen zwischen zahlreichen Krisen auf und gleichzeitig wird wahnsinnig viel von unserer Generation erwartet – dafür bekommen wir von dieser Gesellschaft aber einfach zu wenig zurück."

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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