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"Negativ-Emissionen": Lieferketten klimaschonend machen

Von dpa
27.04.2022Lesedauer: 3 Min.
Continental AG
Ein großes Logo hĂ€ngt an der Konzernzentrale der Continental AG. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Bei Continental soll der CO2-Ausstoß aus eigener Fertigung, vorgelagerten Lieferketten und Wiederverwertung von Produkten ab sofort direkt durch Investitionen in Klimaschutzprojekte aufgewogen werden. Das Dax-Unternehmen bietet ersten Kunden an, nicht vermeidbare Treibhausgasmengen so mit "negativen Emissionen" zu verrechnen, etwa ĂŒber Aufforstung. Ziel sei es, eine Nettoreduktion von CO2 rascher voranzubringen, sagte Contis Nachhaltigkeitschef Steffen Schwartz-Höfler der Deutschen Presse-Agentur. Hierbei könnten auch Zusatzkosten entstehen, deren Aufteilung noch verhandelt werde.

Der Ukraine-Krieg hat fossile Rohstoffe mit hoher CO2-Last zuletzt drastisch verteuert. Bisher verlief der Umbau des Energiesystems zu erneuerbaren Quellen in Deutschland aber schleppend - und die AbhĂ€ngigkeit von Gas und Öl bleibt vorerst bestehen.

Schwartz-Höfler betonte, das "Sofortprogramm" sei kein Freikaufen aus Verpflichtungen. UmweltschĂŒtzer kritisieren dies zum Beispiel hĂ€ufig beim Handel mit Emissionspapieren. "Das Konzept negativer Emissionen geht ĂŒber den Kauf von klassischen Kompensationszertifikaten hinaus", erklĂ€rte der Manager. Dabei werde die gesamte Lieferkette betrachtet.

"Es bedeutet eben nicht, dass der CO2-Ausstoß einfach nur irgendwo anders gesenkt wird und damit irgendwo anders ein bisschen weniger Emissionen entstehen, sondern dass de facto CO2 aus der AtmosphĂ€re geholt wird - vor allem von WĂ€ldern, aber beispielsweise auch durch Bindung von Treibhausgasen in Mooren oder anderen Böden." Conti nehme zudem nicht alle Typen von CO2-Senken auf, bestimmte Großplantagen blieben außen vor. "Sozialstandards spielen ebenfalls eine Rolle."

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Der Konzern habe jetzt ein Netz von Partnern, denen Kontingente zugeordnet seien - "verteilt ĂŒber die ganze Welt". Es gehe auch um zusĂ€tzliche WaldflĂ€chen oder nachhaltige Waldbewirtschaftung. Einige Projekte seien in China angesiedelt, "wo man frĂŒh begonnen hat, beispielsweise weitere WĂŒstenbildung durch die Übernutzung von Land zu verhindern". Nötig sei stets eine gewisse ProjektgrĂ¶ĂŸe. "Wir reden hier ja nicht ĂŒber kleinere Mengen von nur ein paar Tonnen CO2."

Die Produkte fĂŒr "Net Zero Now" hĂ€tten zunĂ€chst einen Schwerpunkt auf emissionsfreier MobilitĂ€t gehabt wie E-Autos, Brennstoffzellen-Lkw oder Straßenbahnen. Nach RĂŒcksprache mit Kunden sei jedoch deutlich geworden: "Es wĂ€re nicht sinnvoll, sich nur auf diesen Teil zu beschrĂ€nken. Momentan liefern wir in viele Plattformen hinein, die Elektro-, Verbrenner- und Hybridtechnologien gleichzeitig enthalten."

Auch Vernetzung, Sicherheitselektronik, Innenausstattungen, Reifen oder Maschinentechnik könne "Net Zero Now" abdecken. "Es kann sowohl um einzelne Systeme als auch um ein komplettes Portfolio fĂŒr große Autohersteller gehen", ergĂ€nzte Schwartz-Höfler. "Was sich darin wiederfindet, können wir in vielen FĂ€llen erst gegen Ende dieses Jahres sagen. Die Verhandlungen laufen in verschiedenen Schritten."

Gearbeitet werde außerdem an der Dokumentation der Berechnungen nach außen. "Wenn Sie in den Supermarkt gehen, klebt der Nachweis ĂŒber ein klimaneutral produziertes Lebensmittel oft auf der Verpackung. In unserem EndkundengeschĂ€ft - zum Beispiel bei Reifen oder Ersatzteilen - muss der genaue Angebotsmechanismus noch gefunden werden."

Die ÜberprĂŒfbarkeit sei jedenfalls gesichert: "Wir neutralisieren den CO2-Rucksack, eine auf Basis internationaler Standards definierte GrĂ¶ĂŸe. Da wir wissen, was in den Produkten auch der vorgelagerten Wertschöpfungsketten steckt, haben wir alle nötigen Zahlen."

Die Projekte brĂ€chten Mehraufwand. "Es ist klar, dass durch solche Programme auch Kosten entstehen, die ĂŒber die Wertschöpfungskette verteilt werden mĂŒssen", sagte Schwartz-Höfler. "Unser Ziel ist dabei eine faire und flexible Verteilung. Was das im Einzelfall bedeutet, ergibt sich aus den individuellen Verhandlungen mit unseren Kunden."

Conti peilt eine KlimaneutralitĂ€t in den eigenen Kernprozessen fĂŒr spĂ€testens 2040, insgesamt bis 2050 an. Um dies zu erreichen, sei es wichtig, frĂŒhzeitig die Gegenseite der Bilanz zu berĂŒcksichtigen. Aber: "Es ersetzt nicht die Notwendigkeit, dass wir natĂŒrlich auch auf der Seite der CO2-Entstehung weiter an stĂ€rkeren Reduktionen arbeiten mĂŒssen." Mittlerweile kauften die Hannoveraner nur noch Ökostrom ein, die Investitionen in mehr Energieeffizienz seien hoch. "Und aktuell stellt sich ja vor allem die Frage: Wie kommen wir weg vom Gas?"

Der Dax-Konzern hofft, dass die Rohstoffsorgen nach Russlands Angriff auf die Ukraine das Klimaschutzbewusstsein nicht aushöhlen. "Es gab durchaus Bedenken, dass wegen des Krieges das Thema CO2 keine Rolle mehr spielen könnte in den Lieferketten", so Schwartz-Höfler. "Wir sehen nicht, dass dieses Thema jetzt komplett liegengelassen wĂŒrde - die Transformation in Richtung mehr Nachhaltigkeit ist langfristig und unumkehrbar." Aber derzeit seien "natĂŒrlich alle Beteiligten damit beschĂ€ftigt, die Lieferketten möglichst aufrechtzuerhalten".

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