Sie sind hier: Home > Regional > Köln >

Köln: Neubau der Rodenkirchener Brücke spaltet Politik

Umstrittenes Projekt  

Neubau der Rodenkirchener Brücke spaltet Kölner Politik

Von Michael Hartke

21.01.2021, 11:05 Uhr
Köln: Neubau der Rodenkirchener Brücke spaltet Politik. Die Rodenkirchener Brücke (Archivbild): Die Autobahnbrücke soll im Zuge des Ausbaus der A4 im Kölner Süden neu gebaut werden. (Quelle: imago images/Manngold)

Die Rodenkirchener Brücke (Archivbild): Die Autobahnbrücke soll im Zuge des Ausbaus der A4 im Kölner Süden neu gebaut werden. (Quelle: Manngold/imago images)

Sie ist eine wichtige Verbindung im Kölner Süden über den Rhein: Die Rodenkirchener Brücke. Doch nun soll sie abgerissen werden. Dazu gibt es in den Ratsfraktionen unterschiedliche Meinungen.

Dass viele Brücken in Köln in die Jahre gekommen sind, ist mittlerweile bekannt. Kaum ein Jahr vergeht, in dem nicht ein Gutachten veröffentlicht wird, das einer weiteren Brücke bescheinigt: Zu alt, zu marode, zu wenig belastbar für die heutigen Verkehrsströme. Auch die Rodenkirchener Brücke hat es nun erwischt: Laut Gutachten der Autobahn GmbH habe sie die Kapazitätsgrenze erreicht und müsse daher neu gebaut werden. Dieses Urteil stößt bei den Kölner Ratsfraktionen und Bürgerverbänden auf ein geteiltes Echo.

FDP: Die alte Brücke kann nicht mit einer modernen Brücke mithalten

Zwar hätte sich die FDP-Fraktion einen Erhalt der historischen Brücke gewünscht, sagt ihr verkehrspolitischer Sprecher Christian Beese. Trotzdem sehen die Liberalen einen achtspurigen Ausbau der A4 als dringend notwendig an, um den wachsenden Verkehr aufzunehmen. In dem Zusammenhang müsse folglich auch die Brücke ersetzt werden – und da vertrauen die Liberalen auf die Experten der Autobahn GmbH.

CDU: Erweiterung der Rodenkirchener Brücke ist dringend geboten

Die CDU stößt ins gleiche Horn, obwohl das Abriss-Urteil für CDU-Ratsfrau Monika Roß-Belkner ziemlich überraschend kam. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Stadt und immer mehr Pendlerverkehrs sei die Erweiterung der Brücke allerdings dringend nötig. Komplett aufgeben will die CDU-Fraktion die Brücke aber noch nicht. Erst mal wolle man abwarten, wie sich der Verkehr in den nächsten Jahren weiter entwickelt und ob der Neubau der Leverkusener Brücke nicht vielleicht für Entspannung auf der A4 sorgt. In jedem Fall sei an einen Abriss der A4-Brücke erst zu denken, wenn andere Brückenprojekte abgeschlossen seien.

Linke: Breitere Autobahnen sorgen nur für noch mehr Verkehr

Kritik an dem Vorschlag, die Brücke zu ersetzen, kommt von der Fraktionssprecherin der Linken, Güldane Tokyürek. Sie ist der Meinung, dass breitere Autobahnen nur für noch mehr Autoverkehr sorgen würden und fordert den Bund dazu auf, mehr Geld in den Ausbau der Schiene zu investieren. Kommunen hätten selbst leider oft keine Handhabe, wenn es um den Ausbau von Autobahnen geht.

SPD: Ein Abriss wäre eine Hiobsbotschaft

Die SPD-Fraktion stellt den Neubau der Brücke grundsätzlich in Frage. Sie verfolgt vor allem das Ziel, den öffentlichen Nahverkehr stärker auszubauen und mehr Fracht auf die Schiene zu verlagern. Sie stellt die Frage in den Raum, ob ein Neubau beim angekündigten Zeithorizont von deutlich mehr als zehn Jahren überhaupt noch notwendig sei. Ratsmitglied Lukas Lorenz findet deutliche Worte zu dem Thema: "Ein Abriss wäre eine Hiobsbotschaft, weil Abriss und Neubau vermutlich fast über ein Jahrzehnt eine erhebliche Belastung für die Anlieger bedeuten würden." Dass Kölner Bürger und Politiker von dem Neubau aus der Presse erfahren haben, kritisiert die Partei scharf. Damit habe die Autobahn GmbH Vertrauen verspielt, heißt es außerdem in einem Statement des SPD-Ortsvereins Poll, Ensen, Westhoven.

Ratsgruppe GUT: Das Rheinpendel als Alternative

Eine konkrete Alternative zum Neubau ist schon länger im Gespräch. Von der Ratsgruppe GUT stammt die Idee des Rheinpendels – einer Seilbahn, die im Zick-Zack-Kurs rechts- und linksrheinische Stadtteile verbinden soll. Ratsfrau Karina Syndicus sieht aber ein, dass der Transitverkehr damit nicht reduziert werden kann. Wenn der Neubau unabdingbar sei, dann nur unter der Voraussetzung, dass Klimaschutz Vorrang habe. Fahrrad- und Fußverkehr sowie das Rheinpendel müssten dann mitgedacht werden.

Grüne: Mehr Güterverkehr auf Schiffe verlagern

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Lino Hammer, fordert zuallererst einmal einen Einblick in das Gutachten. Wie die Autobahn GmbH zu dem Schluss gekommen ist, die Brücke müsse ersetzt werden, kann er sich nur so erklären, dass dem Gutachten eine "nicht mehr zeitgemäße Bedarfsplanung" zugrunde liege. Seine Alternative sieht vor, den Verkehr durch intelligente Verkehrsführungen so zu steuern, dass eine Überbelastung der Brücke vermieden wird. Er wünscht sich, dass die Verkehrsströme auf den Autobahnen künftig reduziert werden, indem außerdem mehr Güter mit Schiffen und auf der Schiene transportiert werden.

KLIMA FREUNDE: Abriss und Neubau sind vollkommen überflüssig

Die KLIMA FREUNDE äußern sich ebenfalls contra Brücken-Neubau. Der Ausbau der A4 im Kölner Süden würde das Verkehrsproblem dort nur kurzfristig lösen. Nach Meinung von Ratsfrau Nicolin Gabrysch liege das morgendliche Verkehrschaos vor allem daran, dass der Verkehr der A555 aus Bonn und den Abbiegern von der A4 Richtung Marienburg am Bonner Verteiler nicht abfließen könne. Sie fordert statt des Ausbaus eine Fuß- und Radquerung von Zündorf nach Weiß sowie eine Straßenbahnquerung an der Stelle. Eine Achtspurige Autobahn, wie sie heute noch im Bundesverkehrswegeplan angedacht ist, sei in den 2030er-Jahren überdimensioniert. Ziel sei es schließlich, den Autoverkehr bis dahin im Sinne des Klimaschutzes massiv zu reduzieren.

Bürgervereinigung Rodenkirchen e. V.: Das Wahrzeichen von Rodenkirchen muss erhalten bleiben

Die Bürgervereinigung Rodenkirchen, die sich vehement für den Erhalt der Brücke starkmacht, wollte sich bisher noch nicht zu dem Abriss der Brücke äußern. Auf Anfrage hat uns ihr Vorsitzender Dieter Maretzky mitgeteilt, man wolle sich vereinsintern noch abstimmen. Online bezeichnet der Verein die Brücke als Rodenkirchens Wahrzeichen. Ein Ausbau der A4 im Kölner Süden – bei gleichzeitigem Erhalt der Brücke – sei aber dringend nötig, da es dort in Spitzenzeiten häufig zu Staus komme. Das habe auch erhebliche Auswirkungen auf die umliegenden Stadtteile und belaste die Anwohner.

Eine Anfrage an die AfD-Ratsfraktion blieb unbeantwortet.

Verwendete Quellen:
  • Statements der Kölner Ratsfraktionen
  • Website der Bürgervereinigung Rodenkirchen e. V.
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa 
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

baurtchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal